Mehr als die Hälfte der Lehramtsstudenten will bleiben

Auf den Lehrermangel hat das Land mit einer Aufstockung der Studienplätze reagiert. Mit einer Umfrage will man ergründen, wo bei den angehenden Pädagogen der Schuh drückt.

Dresden.

Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) hatte mit dem Allerschlimmsten gerechnet. Schließlich sei ein Lehramt "das komplizierteste Studium" überhaupt. Die angehenden Pädagogen müssten neben ihren meist zwei Unterrichtsfächern auch noch Bildungswissenschaften studieren. Dies zu organisieren, sei sowohl für die Hochschulen als auch für die Studenten eine Herausforderung.

Stange weiß, dass daraus "eigentlich eine hohe Unzufriedenheit erwächst" - und das Ergebnis einer Befragung genau deshalb besonders zu schätzen. An ihr hatten innerhalb der inzwischen dritten Sächsischen Studierendenbefragung zum Ende des Sommersemesters 2017 vor einem Jahr auch knapp 1300 von 4000 angeschriebenen Lehramtsstudenten teilgenommen. Davon gaben immerhin 54 Prozent an, mit ihrer Gesamtsituation zufrieden zu sein.

Dass die Wissenschaftler der TU Dresden um Bildungsforscher Karl Lenz im Auftrag des Wissenschaftsministeriums erstmals eine Sonderauswertung der Lehramtsstudenten vornahmen, lässt sich mit dem Lehrerengpass erklären. 230 Stellen hatte Sachsen zu Beginn des aktuellen Schuljahres nicht besetzen können. Daran vermochte auch die deutliche Anhebung der Kapazitäten an den Hochschulen noch nichts zu ändern: Gab es 2011 nur 1000 Studienanfänger, sind es inzwischen mehr als 2400 - auch durch die 2013 wiedereingeführte Grundschullehrerausbildung an der TU Chemnitz.

Stange spricht von einem "eigentlich nicht mehr weiter zu steigernden Level" - und davon, dass es nach der Quantität verstärkt um die Qualität der Lehramtsausbildung gehen müsse. Wo die noch Reserven hat, zeigt nun auch die Befragung der Studenten auf: So äußerten sich zwar 63 Prozent von ihnen mit der Betreuung durch Mentoren während ihrer Schulpraktika zufrieden. Zugleich hielt aber immerhin jeder Fünfte die Nachbereitung der schulpraktischen Übungen an seiner Universität für unzureichend.

Ebenfalls auffällig erscheint die vergleichsweise große Unzufriedenheit mit der fachlichen Qualität des Studiums der angehenden Mathematiklehrer im Vergleich zu anderen Fächern - und zwar schulartübergreifend. Lenz sieht dringenden Handlungsbedarf, damit sich die Lehramtsstudenten dort nicht mehr als "fünftes Rad am Wagen" fühlen.

Fast die Hälfte der Lehramtsstudenten beklagt in der Umfrage lange Wartezeiten auf Prüfungsergebnisse. Als problematisch wird zudem die Vereinbarkeit von Familie und Studium angesehen - was bei Lehramtsstudenten von besonderer Bedeutung ist, weil von ihnen immerhin jeder achte entweder ein Kind betreut oder einen Familienangehörigen pflegt. Bei angehenden Grundschullehrerinnen gab mit knapp 17 Prozent immerhin jede sechste an, bereits ein Kind zu betreuen.

Bestätigung erhält die These vom "Klebeeffekt", wonach vor allem angehende Grundschullehrerinnen "sehr heimataffin" seien, wie Stange es nennt. Auch unter den Lehramtsstudenten für Oberschulen hätten etwa zwei Drittel ihre Hochschulzugangsberechtigung in Sachsen erworben. Von denen für Gymnasien sind es 52 Prozent, für Sonderpädagogik nur 37 Prozent. Deutlich mehr als die Hälfte der Lehramtsstudenten bevorzugt der Studie zufolge auch für den späteren Berufseinstieg einen Verbleib in Sachsen - von denen, die in Sachsen aufwuchsen, sind es 79 Prozent. Von denjenigen, die dem Freistaat den Rücken kehren wollen, gaben immerhin 27 Prozent als einen Grund dafür die "fehlende Verbeamtung" an. Sie konnten 2017 noch nicht wissen, dass Sachsen ab Januar 2019 die Lehrerverbeamtung einführen will.

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