Gedenken an Kriegsende: Mahnung zu Erinnerung und Frieden

Am 8. Mai 1945 hat Deutschland die bedingungslose Kapitulation erklärt. Damit endete der Zweite Weltkrieg. Der Tag der Befreiung jährt sich zun 75. Mal.

Görlitz/Torgau/Chemnitz (dpa/sn) - Kränze, Tauben, Glocken: Sachsen hat am Freitag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren und der Befreiung vom Nationalsozialismus gedacht. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) beschwor bei einer gemeinsamen Gedenkstunde mit dem Marschall der Wojewodschaft Niederschlesien, Cezary Przybylski, in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec, die seitdem errungene Freundschaft und warnte zugleich vor einer Umdeutung der Geschichte. Wegen der Corona-Schutzregeln war das Gedenken diesmal eingeschränkt und teils auch nicht öffentlich. An mehreren Orten wurden vor ehemaligen Wohnungen von in der NS-Diktatur verfolgten oder ermordeten Menschen verlegte Stolpersteine geputzt.

«Heute ist ein zentraler Tag deutscher und europäischer Geschichte», sagte Kretschmer. Das furchtbare Leid, das Deutsche über Europa brachten, habe am 8. Mai 1945 ein Ende gefunden. «Es war ein Tag der Befreiung für Europa, auch für uns Deutsche, und es war ein Anfang für ein neues Vertrauen und neue Partnerschaft.» Es gelte, allen entgegenzutreten, die die Geschichte umschreiben wollen», die durch Gewalt statt Gespräch Meinungsverschiedenheiten zu klären suchten. «Krieg ist von Menschen gemacht, und deswegen können ihn auch nur Menschen verhindern, die vernünftig sind, eine Haltung und Werte haben.»

Der seit 1945 währende Frieden in Europa fuße auf intensiver Erinnerung, die es wachzuhalten gelte, sagte Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) bei einer Gedenkstunde der Stiftung Sächsische Gedenkstätten vor dem ehemals größten Wehrmachtgefängnis Fort Zinna in Torgau. «Auch 75 Jahre nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft müssen wir uns unserer Verantwortung des «Nie wieder!» stets bewusst sein», appellierte sie.

Auch Sozialministerin Petra Köpping (SPD) mahnte zur Bewahrung des Friedens. «Der 8. Mai ist eine Zäsur in der Entwicklung unserer Gesellschaft», sagte sie in Dresden. «Diese Erfahrung macht uns demütig vor dem Grauen, das Menschen in den vorangegangenen Kriegs- und Notzeiten ertragen mussten und dem schrecklichen Unrecht, welches Menschen anderen Menschen angetan haben.» Angesichts dessen gelte es, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und den Frieden zu erhalten.

Am Dreiländerpunkt bei Zittau stiegen Tauben als Symbol des Friedens auf. Die Vertreter aus Deutschland, Polen und Tschechien legten zudem traditionell Kränze aus Flieder in den Grenzfluss Neiße. «Die Botschaft des 8. Mai heißt: Frieden. Respekt vor den Völkern der Welt», sagte die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) bei einer stillen Kranzniederlegung. Der Tag verpflichte zum verantwortlichen Handeln, «den Frieden zu schützen, die Demokratie zu wahren, die Freundschaft der Menschen in der Welt, die Verständigung und das Miteinander zu fördern, immer wieder».

Die Bischöfe Tobias Bilz und Heinrich Timmerevers riefen in einer gemeinsamen Erklärung zu Solidarität auf. Nur im Miteinander erwachse Frieden, betonten der evangelische Landesbischof und der Bischof des katholischen Bistums Dresden-Meissen. «Gegenseitiger Respekt und Verständnis ermöglichen Zukunft und Hoffnung.» Das gelte für Menschen in Familien und Nachbarschaft wie für die Gemeinschaft der Bundesländer, der Länder Europas und der Welt. «Verletzende Worte und Benachteiligung von Personengruppen sind erste Anzeichen für den Verlust von Nächstenliebe», mahnten Bilz und Timmerevers. «Hass, Menschenverachtung, Selbstbezug und unaufgearbeitete Konflikte führen zu Gewalt und Krieg.»


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1Kommentare
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    Interessierte
    10.05.2020

    Wieder einmal ein anderes Thema für die "Gleichstellungsministerin" und nach den anstrengenden Corona-Presse-Gesprächen …