Sachsen importiert immer mehr Müll

Darunter sind gefährliche Abfälle, die nicht recycelt werden können. Bei Transporten stellte die Polizei mehrfach Mängel fest. Ein Land fällt besonders auf.

Chemnitz/Dresden.

"Die Kreislaufwirtschaft endet zwangsläufig, wenn in den Abfällen Schadstoffe enthalten sind - niemand wird die krebserzeugenden Fasern des Asbestes recyceln wollen." So erklärt die Westsächsische Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft den Zweck ihrer Zentraldeponie in Cröbern. Auf dem ehemaligen Tagebau-Gelände am Störmthaler See im Süden von Leipzig landet Giftmüll aus aller Herren Länder. Im vergangenen Jahr erreichte der Import von Abfällen aus dem Ausland und aus anderen Bundesländern nach Sachsen einen Höchstwert seit 2015 von 1,2 Millionen Tonnen, rund ein Sechstel davon entfiel auf Italien. Das geht aus Zahlen hervor, die das sächsische Umweltministerium auf Anfrage der Grünen veröffentlichte.

Demnach stiegen die Müllimporte allein im vergangenen Jahr um 200.000 Tonnen, vor allem verursacht durch ein deutliches Plus bei der Einfuhr von belasteten Bau- und Abbruchresten aus dem südeuropäischen EU-Land, die nicht in Recyclinganlagen landen. Mit diesem Anstieg, so beklagen die Grünen, gehen Mängel bei den Transporten einher. So wurden durch die Autobahnpolizei bei vier Kontrollen in Thüringen von November 2018 bis April 2019 allein vier mangelhafte Abfalltransporte aus Italien zur Deponie in Cröbern festgestellt. Dabei wurde ein Unternehmen dreimal mit Asbestabfällen auffällig. Nur zwei Wochen nachdem die Genehmigungsbehörde diesem italienischen Abfallexporteur die Erlaubnis für weitere Abfalltransporte nach Sachsen entzog, wurden dessen Asbestfuhren bei weiteren Kontrollen mit Mängeln erwischt. Trotzdem konnten die Transporte weiterfahren.

"Hier liegen aus meiner Sicht organisatorische Defizite bei der Abfallüberwachung vor. Es gibt fast keine behördlichen Kontrollen der Fracht, sondern nur Eingangskon-trollen der Deponiebetreiber", sagt Volkmar Zschocke, abfallpolitischer Sprecher der Grünen im Sächsischen Landtag. Er fordert eine dringende Verstärkung der Kontrollen.

Eine Ursache für die vielen Müllimporte sieht Zschocke in überdimensionierten Planungen von Deponien in den Neunzigerjahren. Das Umweltministerium bestätigt dies. Dass die Abfallmengen stärker zurückgingen als erwartet, sei eine positive Entwicklung. Allerdings hätten die früheren Investitionen heute zu einem Einnahmebedarf für die Betreiber der Deponie geführt. "Um wirtschaftlich und ausgelastet zu arbeiten, bedarf es auch der Abfallimporte", so eine Sprecherin von Minister Thomas Schmidt (CDU).

Die Deponierung der Abfälle in Cröbern sei möglich, ohne Menschen und Umwelt zu gefährden, und deswegen auch der richtige Ort für gefährliche Abfälle. Zu den Mängeln bei den Abfalltransporten verwies das Ministerium auf ein umfangreiches Kontrollregime auf der Deponie in Cröbern. Über angelieferte, zur Ablagerung auf der Deponie nicht zugelassene Abfälle müsse der Betreiber unverzüglich die Landesdirektion informieren. Die Abfälle dürften dann bis zur Klärung nicht abgelagert werden.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    3
    DrHDL
    27.06.2019

    Wenn Sachsen endlich auf eine zentrale Müllverbrennungs- und Recycling-Anlage hinarbeiten würde, brauchte man in Zukunft, weiß Gott, keine Müllimporte mehr. Zudem könnten solche zentralen Anlagen kostengünstiger stets auf technisch modernstem Niveau betrieben werden.
    Wer jetzt mit dem Thema der größeren Transportwege innerhalb Sachsens kommt, dem kann man nur entgegenhalten, dass es in diesem Land auch Eisenbahnen gibt, die man zudem elektrisch betreiben könnte.
    Ach ja, es gibt ja auch noch die Aktivisten jeglicher Couleur, die alles verhindern.



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