Neun Sachsen holen sich eine Medaille bei Mathe-Olympiade

Zwei Tage rauchten im Kepler-Gymnasium die Köpfe der besten Mathe-Schüler Deutschlands. Pausen braucht da keiner.

Chemnitz.

Filip Zika liebt Mathe. Dennoch ist der 17-Jährige froh gewesen, als er am Dienstag, 13 Uhr endlich seinen Stift beiseite legen konnte. Wie alle 197 Teilnehmer der Bundesrunde der Mathematikolympiade hatte der Zwölftklässler da bereits die zweite viereinhalbstündige Mathe-Klausur in zwei Tagen hinter sich. Wie es gelaufen ist? "Mit einer Aufgabe hatte ich so meine Probleme", sagt Zika. Allzu große Chancen auf eine Olympia-Medaille rechnete sich der Schüler vom Chemnitzer Johannes-Kepler-Gymnasium daher nicht aus, kurz bevor er den größten Hörsaal der TU Chemnitz betritt.

Wenige Minuten später findet dort die feierliche Preisverleihung statt. "Bei den Teilnehmern der Bundesrunde können wir mit Recht von einer Elite sprechen", sagt TU-Rektor Gerd Strohmeier vor versammelter Menge. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist vor Ort. Der CDU-Politiker ist Schirmherr der diesjährigen Olympiade, die erstmals in Chemnitz und zum dritten Mal in Sachsen stattfand. Bevor er jedoch alle 81 Sieger beglückwünschen kann, muss Kretschmer schon zum nächsten Termin eilen.

Dass es bei 197 Teilnehmern so viele Medaillengewinner gibt, hat damit zu tun, dass erste, zweite und dritte Plätze in einer Kategorie auch mehrfach vergeben werden können. Bei der Bundesrunde treten die Acht-bis Zwölftklässler, ähnlich den Gewichtsklassen beim Boxen, nur in ihrer eigenen Klassenstufe gegeneinander an. Die Anzahl der vergebenen Medaillen richtet sich nach einem Schlüssel, den der Träger des Wettbewerbs, der Mathematik-Olympiaden-Verein aufgestellt hat.

Joachim Lippert, Teamleiter der sächsischen Matheauswahl, die dieses Jahr aus elf Jungs und zwei Mädchen bestand, erklärt: "Die Korrektoren legen besonders Wert auf eine logische Begründung des Lösungsweges. Da steckt mehr Text drin als man denkt." Die Aufgaben sind so komplex, dass selbst die Mathe-Elite im Schnitt anderthalb Stunden Zeit für eine einzige erhält. Drei bis vier Seiten bräuchten die Schüler pro Aufgabe. Eindeutige Platzierungen seien bei so vielen Variablen oft schwer zu vergeben. "Manchmal wird bis abends über eine Lösung diskutiert", sagt der 36-jährige Lippert, der auch zu den Korrektoren gehört, die gleich ihre Arbeit aufnehmen, wenn die Schüler ihre Klausuren beendet haben.

Der Mathelehrer aus Dresden ist zum siebten Mal Teamleiter: "Die Schüler brennen für Mathe, auch nach drei Stunden Rechnen, will keiner Pause machen." Natürlich gehören auch Ehrgeiz und Begabung dazu. Und auch etwas Selbstzweifel. Auf die Frage, wie die Klausuren gelaufen seien, erhalte Lippert oft die Aussage "Durchwachsen". Ähnlich wie bei Filip Zika. Das Wort "Genie" hält er für hochtrabend. "Es gibt immer Bessere." Doch der Zwölftklässler darf sich am Ende doch noch über eine Bronzemedaille freuen. Damit ist er einer von neun Siegern aus dem sächsischen 13-Mann-Team und wie alle Medaillenträger für den Auswahlwettbewerb zur Internationalen Mathe-Olympiade in Moskau 2020 qualifiziert.

Liste der Preisträger 2019

Dresdner Schule sticht hervor

Einmal Gold für Sachsen holte Nüske Anton vom Martin-Anderson-Nexö-Gymnasium in Dresden. Aus Südwestsachsen kommen zwei Medaillengewinner. Pascal Schulze vom Julius-Motteler-Gymnasium in Crimmitschau gewann Silber und Filip Zika vom Johannes-Kepler-Gymnasium in Chemnitz Bronze. Die übrigen sechs Medaillen verteilen sich auf das Dresdner Nexö-Gymnasium (einmal Silber, dreimal Bronze) und das Landesgymnasium Sankt-Afra in Meißen (zweimal Silber).

Für die Bronze- und Silbergewinner gibt es Geldpreise. Bei einer Goldmedaille erhält der Preisträger zudem eine einjährige Mitgliedschaft im Mathematik-Olympiaden-Verein.

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