Sanierung von Luxushotel «Astoria» gerät ins Stocken

Jahrelang war das frühere Luxushotel «Astoria» in Leipzig dem Verfall ausgesetzt. Seit ein paar Wochen wird saniert. Nun geraten die Arbeiten ins Stocken - wegen einem Antrag des benachbarten Hotels.

Leipzig (dpa/sn) - Die Sanierung des früheren Luxushotels «Astoria» in Leipzig ist ins Stocken geraten. Das Bauordnungsamt der Stadt Leipzig veranlasste am 26. Juli auf Antrag des Eigentümers des benachbarten Best-Western-Hotels einen Baustopp. Dadurch sollte vermieden werden, dass von der Baustelle Gefahren ausgehen, teilte das Bauordnungsamt am Montag auf Nachfrage mit. Nun müsse der Bauherr nachweisen, wie die Baustelle sicher betrieben werden könne.

Ein zunächst vorgelegtes Sicherungskonzept habe nicht ausgereicht, sagte Tobias Meiser, Rechtsanwalt des Best-Western-Hotels. Zuletzt sei Bauschutt von der «Astoria»-Baustelle auf das Grundstück des angrenzenden Hotels gefallen.

Wie lange der Stillstand auf der Baustelle noch andauert, könnte auch von einem Gerichtsverfahren abhängen: Der Eigentümer des benachbarten Best-Western-Hotels hatte beim Verwaltungsgericht am 24. Juli einen Eilantrag gegen die Baugenehmigung gestellt. Damit solle erreicht werden, dass am «Astoria» generell nicht weitergebaut wird, bis entschieden ist, ob die Baugenehmigung rechtens ist, so ein Sprecher des Gerichts. Mit dem Baustopp habe das Verwaltungsgericht aber nichts zu tun.

Der Kläger greife die Baugenehmigung in drei Punkten an: Der An- und Abfahrtsverkehr des Hotels sei zu gering veranschlagt. Außerdem schätzt der Hotelnachbar das Treiben des «Astorias» lauter ein als prognostiziert, so der Gerichtssprecher. Zudem sei die Innenbebauung zu groß, das verstoße gegen ein sogenanntes Rücksichtsnahmegebot. Wann über den Eilantrag entschieden wird, sei nicht abzusehen. Ähnliche Verfahren dauerten in der Regel etwa drei Monate, sagte der Sprecher. Danach sei auch noch ein Berufungsverfahren am Oberverwaltungsgericht möglich. Möglich sei auch eine außergerichtliche Einigung, sagte Meiser.

«Derzeit werden die fachlichen Nachforderungen des Bauamtes ausgewertet», sagte Robert Döring, Sprecher des «Astoria»-Investors Vivion. Der Investor befindet sich laut Döring in Gesprächen mit den Bauunternehmen zur Wiederaufnahme der Bautätigkeit. Vivion arbeite «mit Hochdruck» daran, den Zeitplan einzuhalten. Geplant war eine Wiedereröffnung des seit Jahren geschlossenen und zum Teil verfallenen «Astoria» Ende kommenden Jahres.

Das «Astoria» war 1915 mit mehr als 300 Zimmern als damals modernster und luxuriösester Bau der deutschen Hotellerie mit viel Pomp eröffnet worden. Nach den Plänen von Architekt William Lossow (1852-1914), der auch geistiger Vater der Hauptbahnhöfe in Leipzig und Frankfurt/Main war, entstand es in einer Bauzeit von nur zwei Jahren.

Stars wie Adele Sandrock, Enrico Caruso oder Hans Albers logierten hier. Zu DDR-Zeiten wohnten dort während der Frühjahrs- und Herbstmessen SED-Größen wie Walter Ulbricht und Alexander Schalck-Golodkowski. Auch Louis Armstrong, Johannes Heesters oder Herbert von Karajan waren hier zu Gast.

Ende 1996 wurde das imposante Bauwerk direkt neben dem Hauptbahnhof geschlossen. Seitdem war es dem Verfall und Vandalismus preisgegeben. Mehrmals wechselte der Besitzer, an die Sanierung des einst legendären Grandhotels wagte sich lange niemand.

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