Schneekanonen beschneien gesperrte Hänge im Erzgebirge

In Sachsens Wintersport-Hochburgen wird auf Lockerungen des Teil-Lockdowns im Januar gehofft. Eine Absage der gesamten Saison träfe nicht nur die Skifahrer.

Oberwiesenthal/Eibenstock/Schöneck.

Sachsens Wintersportregionen haben den Dezember wegen der Corona-Beschränkungen abgeschrieben, rüsten sich aber für die folgenden Wintermonate. "Alle hoffen, dass dann noch etwas machbar ist", sagte die Geschäftsführerin der Tourismus-Marketing-Gesellschaft Sachsen, Veronika Hiebl, der Deutschen Presse-Agentur.

In Oberwiesenthal und Eibenstock etwa wird seit Tagen künstlich beschneit, um die aktuell frostigen Temperaturen schon einmal für etwas weiße Pracht auf den Hängen zu nutzen. Eine Schließung der Skigebiete für die komplette Wintersaison "wäre der Super-Gau", konstatierte René Lötzsch, Geschäftsführer der Fichtelberg-Schwebebahn GmbH in Oberwiesenthal.

Das aktuelle Wetter wäre perfekt, um die Wintersaison zu eröffnen, bedauerte Stefan Uhlmann, Geschäftsführer der Skiarena Eibenstock. "In anderen Jahren fehlten oft niedrige Temperaturen und wir konnten erst viel später den Betrieb aufnehmen." Deshalb habe die Skiarena mit ihrer 650 Meter langen Skipiste, einer Sesselbahn und einem Schlepplift diese Woche mit der künstlichen Beschneiung begonnen. "Es ist kalt genug, der Schnee hält sich und wir produzieren auf Vorrat."

Ähnlich ist die Situation am Fichtelberg. Dort laufen seit Sonntag die Schnee-Kanonen an der Himmelsleiter und oberen Bereichen der Rennstrecke. "Es wäre eine Katastrophe, wenn Skifahren erlaubt wird und wir haben keinen Schnee", erläuterte Lötzsch das Vorgehen.

Doch gerade das Erzgebirge zählt in Sachsen zu den Hotspots der Coronapandemie. Im Erzgebirgskreis lag die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt über dem Wert von 400 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Menschentrauben an Liften und Imbissen sind da schwer vorstellbar. "Die Lift-Situation halte ich für lösbar", sagte Hiebl. Sie sei sich sicher, dass die Betreiber gute Hygienekonzepte erarbeitet hätten. Unproblematisch sei auch Langlauf. Schwieriger ist es allerdings mit der Gastronomie. "Was definitiv nicht stattfinden darf, sind irgendwelche Après-Ski-Veranstaltungen."

Lötzsch, der eigentlich am dritten Adventswochenende die Skisaison am Fichtelberg einläuten wollte, verweist für Oberwiesenthal auf das aktuelle Hygienekonzept. Demnach müssten Skifahrer Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, und sollen die Menschenschlangen an den Liften stärker gestreckt werden. Außerdem gebe es Pläne, eine App, die vom Gastgewerbe für die Kontaktnachverfolgung genutzt werde, mit dem Skipass zu verknüpfen.

Zwar seien auch Tagesausflügler wichtig, aber ohne die Öffnung der Hotels für Touristen sei der Betrieb der Skigebiete unwirtschaftlich, betonte Lötzsch und verwies auf die Kosten etwa für Personal an den Liften und das Präparieren der Pisten. Seinen Angaben nach lockt das Skigebiet am Fichtelberg jeden Winter bis zu 300.000 Ski- und Snowboardfahrer an.

Doch die Corona-Beschränkungen treffen auch kleinere Skigebiete und ihre Mitarbeiter. Die Unsicherheit, wie lange das Eibenstocker Wintersportgebiet geschlossen bleibt, belaste die Mitarbeiter, betonte Geschäftsführer Uhlmann. In der Hochsaison seien bis zu 50 Leute tätig. "Ich hoffe auf weitere Gespräche."

Auch in der Skiwelt im vogtländischen Schöneck herrscht Enttäuschung über die aktuelle Schließung der Skigebiete. Gerade das Skifahren sei eine gute Möglichkeit, sich im Winter an der frischen Luft sportlich zu betätigen. Dabei ließen sich Hygienekonzepte "sehr einfach anwenden und auch überprüfen", versicherte Geschäftsführerin Jennifer Braun. Abstandsregeln wären an den drei Abfahrtshängen in Schöneck, aber auch am Sessellift und den Schleppliften gut umsetzbar. Bis zu 40.000 Gäste habe Schöneck sonst in einer guten Skisaison begrüßt.

Die Wintermonate einschließlich der Adventszeit sind für den Tourismus in Sachsen extrem wichtig, wie Tourismusexpertin Hiebl betonte. Allerdings zahle sich in der Coronapandemie aus, dass der Ganzjahrestourismus ausgebaut werde und die Branche inzwischen nicht mehr so stark vom Wintertourismus abhängig sei wie noch vor einigen Jahren. So machten die Monate Dezember, Januar und Februar bei den Übernachtungen im Erzgebirge nur noch einen Anteil von 14,1 Prozent des gesamten Jahres aus. Die Branche hoffe daher auch auf einen Nachholeffekt nach den aktuellen Schließungen, wie es im Sommer der Fall war. In einzelnen Orten liegt der Übernachtungsanteil laut Hiebl im Winter allerdings deutlich höher - in Oberwiesenthal etwa bei einem Drittel. Die aktuellen Corona-Beschränkungen in Sachsen gelten vorerst bis 28. Dezember. (dpa)

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1010 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    1
    GuggstDu
    05.12.2020

    "Es wäre eine Katastrophe, wenn Skifahren erlaubt wird und wir haben keinen Schnee" Aktuell ist es eine ökologische Katastrophe zumal die kalten Temperaturen dank Klimawandel gar nicht so lange durchhalten. Kunstschnee, sofern nötig, kann auch auf einer kleineren Fläche produziert und entsprechend kalt gehalten werden. Das geht dann auch breitbzufahrennund kurzfristig zu präparieren. Das hier ist ökologisch wie ökonomisch Dummheit.

  • 8
    0
    kartracer
    04.12.2020

    @Tifi, ich bin froh, nicht der Einzige zu sein, der das merkt, aber leider bei ca.80% der Komm. eigentlich traurig.

  • 16
    2
    Tifi
    04.12.2020

    @ich1966 . Auch ohne die Jahreszahl im Nick vermute ich , dass Sie jünger sind als ich! Woran ich es merke ? An dem wie !

  • 16
    3
    872889
    04.12.2020

    Ökonomisch und ökologisch absolut sinnlos.

  • 9
    6
    Lola
    04.12.2020

    @Ich1966,
    mal angenommen Sie müssten ihre künstliche, teure, z.Zt. nicht notwendige Gartenansicht selbst bezahlen müssten.

    Bräuchten Sie dann noch Kunstschnee?

    Ich habe meine Auslastung, auch ohne Fernsehen.

  • 3
    34
    Ich1966
    03.12.2020

    zu Lola

    Du bist wahrscheinlich jünger wie ich.

    Ich habe vieles in deinem Alter auch
    nicht verstanden warum man z.B. ni
    cht das gemacht wird was normal ist.

    Es wird beschneid obwohl niemand
    dann fährt meinst du, es gießen man
    che auch ihren Garten obwohl es reg
    net.

    Darüber hinweg helfen Sendungen
    wie.

    1. Der ganz normale Wahnsinn.
    oder
    2. Männer ohne Nerven.

    Tapfer bleiben du schafft das schon..

  • 31
    10
    Julk1988
    03.12.2020

    Und im Januar Februar wird dann wieder gejammert das man so viel investiert hat und der Staat einen helfen soll. Das beschneien usw kann man ja nicht Ende des Jahres bzw. Anfang Januar beginnen wo man vielleicht einen Ausblick hat ob die Maßnahmen geholfen haben. Oder man einen harten Lockdown hat. Aber so werden wir schlimmsten Falls alle Zuhause sitzen, die Pisten sind beschneit und präpariert, werden vom Staat noch mit Wirtschafthilfen vergoldet und schmelzen dann im Frühjahr dahin. Hoffen wir das es kein Frühjahrshochwasser gibt das wäre ja dadurch noch teils steuerfinanziert.

  • 26
    10
    Lumixer
    03.12.2020

    @Lola: Seit wann ist Skifahren oder Boarden logisch? Besser man hat, als man hätte. Trifft in dieser Zeit allgemein immer zu. Ich kann den Tourismus vollkommen verstehen. Ich hoffe aber, der Tourismus versteht auch die besondere Situation. Ehrlich, ich glaube nicht an eine Eröffnung. Wie wöllte man den Besucheransturm kontrollieren? Wie eine der Situation angemessene Infrastruktur bereithalten und pflegen? Es würde derart viel Personal brauchen, allein vor jeder Toilette, dass es so oder so ein Verlustgeschäft ist.
    Welche Pläne hat die Keilbergregion auf tschechischer Seite, die in den letzten Jahren massiv investiert hat? Wenn man das Risiko eingeht, dann gemeinschaftlich öffnen oder geschlossen halten. Hier müssen die Verantwortlichen zusammen entscheiden. Sonst wäre das Chaos beiderseits perfekt, wenn jeweils nur ein Skigebiet öffnen würde.

  • 13
    9
    Bär53
    03.12.2020

    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • 29
    13
    Lola
    03.12.2020

    Auch wenn es nicht schön ist, aber eigentlich wird doch rein logisch gedacht eh kein Kunstschnee gebraucht.

    Das kostet doch alles Geld.