Schulschließungen: Was wird aus den Prüfungen?

Bayern hat als erstes Bundesland die Abiturprüfungen verschoben, Sachsen will die Lage erst Ende März neu bewerten.

Chemnitz.

Wegen des Coronavirus wird in Bayern der Beginn der Abiturprüfungen vom 30. April auf den 20. Mai 2020 verschoben. Das teilte das Kultusministerium am Mittwoch in München mit. "Trotz der Coronakrise wollen wir faire Bedingungen für unsere Abiturientinnen und Abiturienten sicherstellen", sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Wegen der Einstellung des Unterrichts bis nach den Osterferien hätten die Schüler ohne eine Änderung des Terminplans nicht genügend Vorbereitungszeit. Der neue Terminplan des bayerischen Kultusministeriums soll sicherstellen, dass die Schüler eine angemessene Vorbereitungszeit auf die Prüfungen erhalten, wie es hieß. Zudem werde auf diese Weise ausreichend Zeit für ausstehende Leistungsnachweise im Vorfeld der Abiturprüfungen gewonnen.

Sachsen hält hingegen vorläufig am beschlossenen Zeitplan fest. Die Abschluss- und Abiturprüfungen an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen, an Ober- und Förderschulen sowie an Fachoberschulen seien nach derzeitigem Stand sicher, erklärte das Kultusministerium in Dresden in Reaktion auf die Ankündigung aus München. Ziel sei es, die Termine der Prüfungen einzuhalten. Sie liegen alle nach den Osterferien. Der Start soll mit der ersten Abiturprüfung am 22. April erfolgen. "Wir stellen sicher, dass alle Schülerinnen und Schüler die Abschlussprüfungen durchführen können. Es gibt aus jetziger Sicht keine Veranlassung von dem abgestimmten Verfahren abzuweichen", sagte Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Ende März werde man die Situation neu bewerten. "Sollten sich dann Änderungen an dem Verfahren ergeben, werden wir alle Beteiligten rechtzeitig informieren", versprach Piwarz. "Wir stellen unter allen Umständen sicher, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Abschlüsse ableisten können. Niemand wird benachteiligt."

Als Folge der Schulschließungen war die Sorge vor einer Gefährdung der Prüfungen gewachsen. "Teilweise wurden noch nicht alle Unterrichtsinhalte des Schuljahres vermittelt, die Phase der Prüfungsvorbereitung dürfte weitestgehend entfallen", warnte etwa der Kreiselternrat Chemnitz. Das Kultusministerium erklärte indes, der zur Prüfung benötigte Unterrichtsstoff sei jetzt weitestgehend behandelt worden. So seien die Lehrpläne für die Abschlussjahrgangsstufen an allen weiterführenden Schulen für 20 bis 22 Unterrichtswochen ausgelegt. Damit hätten die Schüler noch Zeit zur Prüfungsvorbereitung. Lehrer stellten jetzt Übungsaufgaben und Lernaufträge für das Selbstlernen so zusammen, dass die Schüler sich unter den gegebenen Bedingungen auf die Prüfungen vorbereiten könnten. "Dabei wird dafür Sorge getragen, dass noch nicht behandelter Stoff im Selbststudium nachzuholen", heißt es vom Ministerium.

Der Sächsische Lehrerverband unterstützt diesen Kurs. Die Prüfungen schon jetzt zu verschieben, sei das falsche Signal, sagte der Verbandsvorsitzende Jens Weichelt. Man müsse mit Feingefühl arbeiten und dürfe nicht ins Blaue hinein Entscheidungen treffen. (mit dpa)


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