Trotz Mini-Zinsen immer mehr Stiftungen in Sachsen

Die niedrigen Zinsen bei Banken und Sparkassen setzen den Stiftungen in Sachsen heftig zu. Dennoch können sie ihre gemeinnützige Arbeit zumeist fortsetzen. Sie investieren in Immobilien, Aktienfonds oder Unternehmensbeteiligungen, um Erträge zu erwirtschaften.

Dresden (dpa/sn) - Trotz anhaltender Mini-Zinsen auf Guthaben bei Banken und Sparkassen werden in Sachsen weiterhin gemeinnützige Stiftungen gegründet. Wie die Landesdirektion Sachsen in Chemnitz auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mitteilte, wurden allein im vergangenen Jahr 25 neue Stiftungen bürgerlichen Rechts anerkannt. Deren Zahl stieg auf 566. Ende 2016 waren es noch 528 gewesen. Rund 450 dieser Stiftungen sind erst ab 1991 entstanden. Zu den ältesten Stiftungen Sachsens gehören die «Kurfürst Moritz fromme Stiftung zu Glashütte» von 1543 und die 1594 errichtete Hospitalstiftung zu Leuben.

Laut Landesdirektion bringen Stifter vermehrt Sachwerte in das Vermögen der Stiftung ein wie vermietete Immobilien oder Unternehmensanteile. Damit ließen sich auch bei niedrigen Zinsen Renditen erwirtschaften, hieß es. Sie werben zudem verstärkt um Spenden sowie Zustiftungen, bemühen sich um staatliche Fördermittel oder kooperierten mit anderen Stiftungen, etwa um die Verwaltungskosten zu senken und gemeinsame Projekte durchzuführen.

Es gebe aber auch Fälle, in denen gemeinnützige Stiftungen wegen sinkender Erträge ihre Tätigkeit reduzieren und Projektförderungen einstellen mussten. Nur selten komme es wegen Vermögenslosigkeit zu Zusammenlegungen oder gar Auflösungen von Stiftungen.

«Wir würden auch in den sozialen Wohnungsbau investieren», sagte der Vorstand der Dresdner Bürgerstiftung, Winfried Ripp. «Aber wir werden warten, bis sich die Baupreise beruhigt haben.» Mit einem Vermögen von zusammen rund 38 Millionen Euro ist die Dresdner Bürgerstiftung eine der größten ihrer Art in Deutschland. Die Dresdner Bürgerstiftung betreut unter ihrem Dach mehr als 40 Einzelstiftungen.

Viele Erträge stammen laut Ripp aus Mieteinnahmen von Wohnhäusern und aus Aktienfonds. Mit rund 300 000 Euro jährlich unterstützt die Bürgerstiftung Ripp zufolge gemeinnützige Projekte. Zuletzt sei das Geld vor allem Projekten der Seniorenbetreuung zugute gekommen.

Etwa 10 Millionen Euro des Stiftungsvermögens stammen aus Erbschaften. «Immer wieder gibt es Menschen, die mit ihrem Geld Gutes tun wollten», sagte Ripp und berichtete von einer alten Frau in Görlitz, die unlängst eine wertvolle Porzellansammlung mit alten chinesischen Vasen geerbt habe.

Auch die «Stiftung Bürger für Leipzig» ist in den vergangenen Jahren dazu übergegangen, einen Teil ihres Vermögens in risikoarme Fonds zu investieren. «Wir haben festgestellt: Nur in festverzinsliche Wertpapiere anzulegen, ist nicht ausreichend», sagte die Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Angelika Kell. Für die Arbeit der Stiftung seien die Vermögenserträge jedoch unbedeutend. Sie finanziere ihre Projekte vor allem durch Spenden.

«Die Minuszinsen sind für alle Stiftungen ein großes Problem», sagte Elke Schulze von der «Erich Ohser - e.o.plauen Stiftung» in Plauen im Vogtland, die dem Erbe des Zeichners und Karikaturisten verpflichtet ist. Damit verwies sie darauf, dass immer mehr Banken bei hohen Guthaben keine Zinsen mehr gewähren, sondern im Gegenteil Zinsen vom Anleger verlangen, sogenannte Minuszinsen.

Die Stiftung werde jedoch bei Ausstellungen, Veranstaltungen, Besucherbetreuung, Publikationen und Vermittlungsarbeit von der Stadt unterstützt. «Und wir akquirieren nach Möglichkeit und projektbezogen Fördergelder.» Insgesamt sei die finanzielle Ausstattung aber stets knapp und grenze die Handlungsräume der Stiftungsarbeit ein.

Die Frauenkirchenstiftung in Dresden verfolgt nach eigenen Angaben eine «auf Sicherheit bedachte, unaufgeregte Finanzstrategie». «Wir handeln mit ruhiger Hand», sagte die stellvertretende Geschäftsführerin, Maria Noth. Trotz des aktuellen wirtschaftlichen Umfeldes sei die Stiftung in der Lage, die Stiftungszwecke umzusetzen - den Erhalt des Bauwerkes der Frauenkirche und die Gestaltung des Lebens darin. Geldanlagen würden sehr diversifiziert, langfristig und so nachhaltig wie möglich platziert und die Verwaltung effizient gestaltet. Zudem werde auf Zustiftungen, die Errichtung von Unterstiftungen oder auch Projekt- und Unternehmenspartnerschaften gesetzt. Dennoch blieben die zahlreichen großen und kleinen Spenden bedeutsam, hieß es.

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