Umfrage: AfD in Sachsen überholt CDU

Die Meinungsforscher von Insa sehen die Partei in Sachsen als stärkste Kraft. Als Gewinner können sich auch die Grünen fühlen.

Dresden.

Zweimal musste die CDU der AfD in Sachsen bereits den Vortritt lassen: Bei der Bundestagswahl 2017 und bei der Europawahl vor knapp drei Wochen wurde die Union im Freistaat nur zweite Kraft. In der CDU tröstete man sich damit, dass bei der Landtagswahl im September andere Faktoren eine Rolle spielten und die CDU in Umfragen stets vorn liege. Seit Donnerstag ist dies allerdings anders: Das Meinungsforschungsinstitut Insa sieht die AfD erstmals als stärkste Partei.

Vom 4. bis 11. Juni hatte Insa 1057 Frauen und Männer im Auftrag der "Bild" befragt. 25 Prozent davon würden demnach AfD wählen, die CDU kommt auf 24 Prozent. Die Grünen setzen ihren Höhenflug fort und kommen nun auf 16 Prozent - sie liegen gleichauf mit der Linken. Die SPD ist mit 7 Prozent deutlich von der Zweistelligkeit entfernt. Die FDP darf mit 6 Prozent auf den Einzug in den Landtag hoffen, den die Freien Wähler mit 4 Prozent zu verfehlen drohen.

In der CDU ist mit Blick auf die Zahlen zwar von einer "Momentaufnahme" die Rede. Der Abwärtstrend der vergangenen Monaten hält aber an. Vor einem Jahr hatte Insa die Union in Sachsen bei 32 Prozent in der Wählergunst verortet. Seitdem geht es allerdings auch in Umfragen anderer Institute Stück für Stück weiter nach unten. Ähnlich ist die Lage in der SPD. Dort fragt man sich aktuell, ob man bald die Fünf-Prozent-Hürde in den Blick nehmen muss und ob gar der Einzug in den Landtag zur Disposition steht.

Als Gewinner darf sich laut der neuesten Umfrage - wieder einmal - die AfD fühlen. Ihr wird zwar seit Monaten bescheinigt, dass ihr Wählerpotenzial fast komplett ausgeschöpft sei. Der Partei gelingt es aber, ihre Werte stabil zu halten. Sie profitiert von der Schwäche der anderen. Nicht ohne Grund hat die AfD-Fraktion schon eine Klausur abgehalten, um sich auf eine etwaige Regierungsbildung vorzubereiten. Sie ist nicht allein: In Brandenburg, wo ebenfalls am 1. September gewählt wird, kommt die AfD als einzige Partei über 20 Prozent.

Neben der AfD gelingt es den Grünen, die Wähler an sich zu binden. 16 Prozent sind ein neuer Spitzenwert für die Partei - und das in einem Land, in dem es die Grünen in der Vergangenheit außerordentlich schwer hatten. 5,7 Prozent erreichten sie bei der Landtagswahl vor fünf Jahren. Ihr Wunsch, dieses Mal ein zweistelliges Ergebnis zu erzielen, könnte nun in Erfüllung gehen.

CDU und SPD haben deswegen nicht nur die AfD, sondern auch die Grünen ins Visier genommen. Mehrmals hat beispielsweise Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zuletzt AfD und Grüne miteinander verglichen. Er warf beiden "politische Hysterie" vor: "Die einen tun so, als würde Deutschland morgen wegen des Klimawandels untergehen, die anderen beschwören den Untergang des Abendlandes. Beides ist übertrieben", sagte er in einem Interview mit der "Welt". SPD-Chef Martin Dulig hatte schon vor Monaten davon gesprochen, dass der Höhenflug der Grünen sie im Osten nicht in dieselben Sphären wie in Westdeutschland katapultieren werde. Von daher sei eine schwarz-rote Koalition "die einzige Regierungsoption" in Abgrenzung zur AfD.

Die Regierungsbildung dürfte mit Blick auf die Insa-Umfrage nicht leicht werden. Die aktuelle schwarz-rote Koalition hat keine Mehrheit. Auch ein Dreierbündnis von CDU, SPD und Grünen käme auf 47 Prozent - genauso viel wie AfD, Linke und FDP. Da CDU-Chef Kretschmer eine Koalition mit AfD und Linken ausschließt, bliebe nur noch ein Viererbündnis oder eine Minderheitsregierung als Optionen.

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2Kommentare
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  • 2
    0
    Nixnuzz
    vor 15 Stunden

    "....Eine Minderheitsregierung wäre doch die Chance,.." Im ersten Moment eine ideale Lösung. Mehrheiten für sachspezifische Entscheidungen. Aber ab wann fängt das Geschachere nach altem Mehrheits-Regierungs-System wieder an? Wieviel Parteien (5+1?) sitzen dann in 2.Reihe aber trotzdem positiv oder negativ am Regierungstisch bzw. -hebel? Ist eine landesspezifische GroKo mit "Arbeits- und Aufgaben-Vertrag" dann nicht sinnvoller?

  • 6
    1
    DTRFC2005
    14.06.2019

    Eine Minderheitsregierung wäre doch die Chance, das alle Parteien zeigen können, was sie für Sachsen als wichtig erachten. Nach weiteren fünf Jahren, darf der Wähler aus dieser Erfahrung heraus erneut seinen Favorit erwählen. Wird für den ein oder anderen Abgeordneten sicher etwas stressig, aber sie werden fürs arbeiten bezahlt und nicht fürs schmollen.



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