Vodafone aktiviert ersten 5G-Sendemast im Erzgebirge

35 Meter hoch ragt jetzt ein 5G-Funkmast am Schlettauer Bahnhof in die Höhe. Er ist ein Mosaikstein für das automatisierte Fahren.

Schlettau.

Techniker haben am Donnerstag für den Smart Rail Connectivity Campus (SRCC) einen 5G-Funkmast errichtet. Mit diesem modernen Mobilfunkstandard lassen sich Daten nahezu in Echtzeit übermitteln. "Dadurch kann man zum Beispiel Züge aus der Ferne steuern", erklärt SRCC-Technikchef Sören Claus. "Der Triebwagenfahrer muss dann nicht mehr ständig die Strecke im Auge behalten."

Geplant ist, entlang der gesamten, 24 Kilometer langen SRCC-Teststrecke zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg 5G-Masten zu errichten, um unter anderem das automatisierte Fahren auf der Schiene zu erproben. "Wir sind dazu in Abstimmung mit den Ministerien und unseren Partnern", sagt Claus. "Ich denke, in drei oder vier Jahren könnte es so weit sein."

Auf der Bahnstrecke der Erzgebirgsbahn gibt es keinen regelmäßigen Zugverkehr mehr. Sie wird nur noch für Ausflugsfahrten an wenigen Wochenenden im Jahr genutzt. Trotzdem verfügt sie über ein digitales Stellwerk mit der derzeit modernsten Technik in Europa. Das macht sie zu einer idealen Versuchsstrecke, die die Erzgebirgsbahn samt Infrastruktur dem SRCC zur Erforschung und Entwicklung der Bahntechnik der Zukunft zur Verfügung stellt. Mehr als 120 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft sind daran beteiligt, darunter die TU Chemnitz, die Erzgebirgsbahn und Vodafone. Am 17. September soll es ein großes Event mit einem ganz besonderen Test geben. "Um was es dabei genau geht, will ich noch nicht verraten, aber es wird europaweit erstmalig und einmalig sein", sagt Claus.

Die Anwohner werden allerdings von dem am Donnerstag in Schlettau errichteten 5G-Mast keinen Nutzen haben. Er ist auf das Projekt ausgelegt. Mit 3,5 Gigawatt Frequenz deckt er auch nur einen Radius von 500 bis 700 Metern ab. Vodafone will aber sein 5G-Netz auch in Sachsen Schritt für Schritt ausbauen.

Erst Mitte Juni war die Versteigerung der Frequenzen für den superschnellen 5G-Standard beendet worden, von dem zunächst Industrie und Gewerbe profitieren dürften. "Industrielle Anwendungen werden wir als Erstes sehen, zum Beispiel Netze, die aufs eigene Werksgelände beschränkt sind und mit denen Roboter und selbstfahrende Maschinen gesteuert werden", sagt Gerd von der Osten, Vodafone-Technikchef für die Region Ost. Doch das Interesse scheint auch im privaten Bereich hoch zu sein: Aktuell zähle Vodafone fast 5000 vorwiegend private Nutzer, sagte ein Sprecher. "Zu Beginn ist 5G vor allem bei Technik-fans beliebt", so Gerhard Mack, Technikchef bei Vodafone für Deutschland. "Auch die Gamer werden sich freuen", sagt von der Osten.

In der Nähe der Sendemasten lassen sich nämlich mit einem entsprechenden Smartphone Download-Geschwindigkeiten von rund 500 Megabit pro Sekunde erreichen. Das übersteigt die Leistung von LTE deutlich. Für die meisten mobilen Dienste dürfte aber weiterhin LTE völlig ausreichend bleiben.

Bundesweit werden bis Ende August 50 5G-Stationen im Netz von Vodafone funken, wie von der Osten ankündigt. "Wir haben in Ballungsräumen wie Berlin, München oder Düsseldorf bereits die ersten 5G-Masten aktiviert, aber wir gehen auch in die ländlichen Räume, um wichtige Erfahrungen über die Nutzungsszenarien zu sammeln."

"Wir haben das Ziel, 5G bis Ende 2020 für zehn Millionen Menschen verfügbar zu machen", sagt der Vodafone-Technikchef. "Bis Ende 2021 sollen es dann rund 20 Millionen Menschen in Deutschland sein." Die 5G-Nutzung ermöglicht Vodafone bei Hinzubuchung der 5G-Option für monatlich fünf Euro Aufpreis. Aktuell hat das Unternehmen in Deutschland rund 30 Millionen Kunden. Auf ein Datum, bis wann in Sachsen 5G flächendeckend zur Verfügung stehen wird, will sich von der Osten nicht festlegen. "5G wird unser Netz ergänzen", sagt er. "Es wird noch lange parallel dazu 3G oder 4G geben."

Einen deutlichen Schub erhofft sich das Unternehmen durch die ersten 5G-fähigen Smartphones. Aktuell gibt es zum Beispiel von Huawei das Mate 20 X 5G und von Samsung das Galaxy S10 5G. Weitere Modelle auch von anderen Herstellern sollen im Laufe des Jahres auf den Markt kommen.

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