Welle der Solidarität nach Anschlag in Halle 

Menschenketten und Mahnwachen vor Synagogen auch in Dresden und Chemnitz

Halle/Dresden/Chemnitz.

Die Jüdischen Gemeinden in Deutschland erfahren nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle eine große Welle der Solidarität. Mehr als 1000 Menschen kamen in Halle am Freitagabend zu einer Menschenkette an dem jüdischen Gotteshaus zusammen. Daran nahmen auch Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), weitere Politiker sowie hochrangige Kirchenvertreter teil. Am Tatort wurden Blumen niedergelegt und Kerzen entzündet.

Auch in anderen Städten wurden Menschenketten um Synagogen gebildet, Mahnwachen, Kundgebungen und Gedenkgottesdienste gehalten, darunter in Berlin, München, Dresden, Aachen, Dortmund und Wuppertal. Der Bundesrat gedachte am Freitag in Berlin in einem Moment der Stille der beiden Toten und der Verletzten des Anschlags.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, nahm mit rund 2000 weiteren Menschen am Freitagabend an einer Menschenkette rund um die Münchner Synagoge Ohel Jakob teil und rief zum Einsatz gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus auf.

In Dresden versammelten sich rund 2000 Menschen zu einer Menschenkette und einer Mahnwache an der Synagoge. Zur Teilnahme aufgerufen hatten die Kirchen der Stadt, der Rektor der TU Dresden und Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Nach den Ereignissen in Halle darf es Hilbert zufolge nicht nur bei Entsetzen bleiben. "Wir müssen der unschuldigen Opfer gedenken und gleichzeitig als Stadtgesellschaft klar Position beziehen", forderte er. Vertreter von Kirche und Stadt nahmen auch am Schabbat-Gebet in der Synagoge teil. An der Synagoge in Chemnitz versammelten sich am Abend vor dem freitäglichen Gebet rund 40 Menschen zu einer Mahnwache. In Sachsen leben derzeit rund 2500 Juden. In mehreren Städten wie Berlin, Köln, Düsseldorf und Hannover hatten sich bereits am Donnerstagabend hunderte zu Mahnwachen versammelt.

Der Attentäter hatte am Donnerstag versucht, in die Synagoge von Halle einzudringen, in der sich zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur 51 Gläubige versammelt hatten. Dort wollte er ein Massaker anrichten. Als dies misslang, weil die Tür standhielt, erschoss der Täter eine Passantin sowie kurz darauf in einem Döner-Imbiss einen Mann. Zwei weitere Menschen wurden verletzt. Der Täter sitzt in Untersuchungshaft. Er hat ein Geständnis abgelegt. (dpa/fp/micm)

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