Weniger rechte Gewalt in Sachsen: Gefahr durch Corona-Demos

Dresden/Berlin (dpa/sn) - Die Zahl bekannt gewordener Fälle von rechter Gewalt in Sachsen ist im vergangenen Jahr um fast 30 Prozent gesunken. Wurden 2018 noch 317 solcher Fälle registriert, so ging deren Zahl im vergangenen Jahr auf 226 zurück, wie der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt am Dienstag in Berlin mitteilte. Diesen Angaben zufolge wurden jeden Tag 5,5 Angriffe pro 100 000 Einwohner in Sachsen gezählt. Damit bleibe die rechte Gewalt trotz des Rückgangs auf einem anhaltend hohen Niveau, hieß es.

Zudem könnten die Kundgebungen gegen die Corona-Eindämmungsmaßnahmen nach Einschätzung des Antisemitismus-Forschers Gideon Botsch eine Radikalisierung am rechten Rand befördern. Bei einigen Protesten trete ein «dauernd latent vorhandener Antisemitismus hinter dem Verschwörungsdenken nun offen zutage», sagte der Politikwissenschaftler vom Moses Mendelssohn Zentrum (Potsdam).

Die Mobilisierung gehe zwar weit über das rechtsextreme Milieu hinaus. Dennoch sei «die äußerste Rechte einschließlich der AfD ein wichtiger Akteur und teilweise Motor dieser Bewegung», sagte Botsch. Die rasante Dynamik von Regelverletzungen und Drohungen bis hin zu Gewalttaten lasse «neue rechtsterroristische Radikalisierungsschübe» befürchten.

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