Wenn die Wachpolizei als Sprungbrett für die Karriere dient

137 frühere Wachpolizisten beginnen am Freitag ihren Dienst im regulären Vollzug. Dort könnte der eine oder andere auf Kollegen mit ähnlicher Vergangenheit treffen.

Dresden/Chemnitz.

Die Zahl 1000 hat für Sachsens Polizei schon seit einiger Zeit eine ganz besondere Bedeutung. Vier Jahre ist es her, dass der damalige Innenminister Markus Ulbig (CDU) ankündigte, den nach der damaligen Polizeireform 2020 vorgesehenen Abbau weiterer 1000 Polizeistellen auszusetzen. Kurz darauf rechnete die von der Regierung eingesetzte Expertenkommission vor, dass darüber hinaus 1000 zusätzliche Polizeistellen nötig seien.

Die sind inzwischen im Landeshaushalt zwar fest verankert. Bis sie alle besetzt sein werden, wird es aber noch ein paar Jahre dauern - nach Angaben des Innenministeriums bis "Mitte der 2020er Jahre". Das liegt zum einen an den sich aus Altersgründen verabschiedenden Beamten, weshalb von vornherein erst für dieses Jahr überhaupt mehr Zu- als Abgänge erwartet worden waren. Zum anderen dürfen zwar jetzt jedes Jahr 700 Anwärter bei der Polizei anfangen und damit deutlich mehr als früher. Die Ausbildung dauert aber weiterhin zweieinhalb Jahre.

Immerhin ein halbes Jahr schneller kann es bei denjenigen gehen, die ihre Karriere als Wachpolizisten begonnen haben. Dazu wurden seit Februar 2016 in Sachsen - Achtung, Überraschung - knapp 1000 Männer und Frauen in jeweils zwölf Wochen ausgebildet. Mehr werden es nicht werden, weil der 15. Durchgang, der Anfang August seinen Crashkurs begonnen hatte, der letzte sein wird. Die 48 Absolventen - 42 Männer und 6 Frauen - verabschiedete Ulbigs Amtsnachfolger Roland Wöller (CDU) am Mittwoch auf einer Feierstunde in der Chemnitzer Oper für mindestens ein Jahr in die fünf Polizeidirektionen. "Das Projekt ,Wachpolizei' endet", erklärte Wöller dabei unmissverständlich, "und wird nicht mehr verlängert".

Wirklich überraschend ist das nicht. Zwar hatte die mit Amtsantritt von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) neuformierte schwarz-rote Koalition Ende 2017 eine Prüfung angekündigt, ob die Wachpolizei statt 2020 erst 2023 auslaufen solle. Dies jedoch gab der Bewerbermarkt nicht her. Laut Innenministerium gab es selbst für den 15. Durchgang mehr als 400 Interessenten. Davon habe aber jeder Dritte nicht am Auswahlverfahren teilgenommen und jeder Sechste abgesagt. Bei 122 hätten die Einstellungsvoraussetzungen gefehlt, 25 waren "polizeidienstuntauglich".

Ihren Zweck scheint die Wachpolizei aber auch so erfüllt zu haben. Ende 2015 vom Landtag auf Wunsch von CDU/SPD beschlossen, um rasch den Personalengpass der Polizei überbrücken zu können, übernahmen ihre Angehörigen seit Frühjahr 2016 Bewachungsaufgaben, die sich zunächst vor allem durch erhöhte Flüchtlings- und Demonstrationszahlen ergeben hatten.

Von Beginn an bestand zudem die Chance, nach mindestens einem Dienstjahr "bei Wunsch und Eignung" eine Ausbildung für den regulären Polizeivollzugsdienst antreten zu dürfen - und zwar mit 24-monatiger statt 30-monatiger Laufzeit. Davon profitierten auch jene 137 Beamten, die Wöller am Mittwoch zu Polizeimeistern ernannt hat und am heutigen Freitag ihren aktiven Dienst als reguläre Beamte beginnen. Die 22 Frauen und 115 Männer waren seit November 2017 in Schneeberg, Chemnitz und Leipzig ausgebildet worden. Zu Beginn waren es noch 180 Ex-Wachpolizisten - die Ausbildung übersteht also offenbar nicht jeder. Dass es nicht alle in den regulären Dienst schaffen, belegt auch die Bilanz der ersten Wachpolizei von 2002 bis 2006. Von den damals 256 Angehörigen hatten 222 die zweijährige Ausbildung begonnen. Eingestellt wurden davon 212. Wie viele der seit 2016 knapp 1000 hinzugekommenen Wachpolizisten werden es diesmal schaffen?

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