Winterflaute auf dem Arbeitsmarkt: 121 000 Sachsen ohne Job

Wie zu dieser Jahreszeit üblich steigt die Zahl der Erwerbslosen. Bauarbeiter oder Helfer in der Landwirtschaft werden im Winter weniger gebraucht. Dennoch gibt es mehr Jobs als noch vor einem Jahr.

Chemnitz (dpa/sn) - Die Winterflaute macht sich auf dem sächsischen Arbeitsmarkt bemerkbar: Saisonbedingt stieg im Januar die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zum Vormonat um rund 10 300 auf knapp 121 000, wie die regionale Arbeitsagentur am Donnerstag mitteilte. Damit liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei 5,7 Prozent. Der Anstieg sei vor allem auf das Auslaufen befristeter Verträge und das vorübergehende Freisetzen während der Wintermonate zurückzuführen, so Agenturchef Klaus-Peter Hansen. Betroffen sind vor allem Beschäftigte im Hoch- und Tiefbau, im Garten- und Landschaftsbau sowie in der Logistikbranche.

«Die Arbeitslosigkeit über den Winter ist meist nur von kurzer Dauer», so Hansen. Spätestens im Frühjahr würden die Menschen wieder in ihren Betrieben eingestellt. Insgesamt habe sich die milde Witterung der vergangenen Wochen eher positiv auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Laut Arbeitsagentur mussten sich deutlich weniger Sachsen arbeitslos melden als noch vor einem Jahr. Im Januar 2019 lag die Zahl der Arbeitslosen bei rund 130 100.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist unterdessen ungebrochen: Sächsische Betriebe meldeten im Januar rund 7300 neue freie Stellen - fast zehn Prozent mehr als im Monat zuvor. Insgesamt sind in den Arbeitsagenturen und Jobcentern rund 35 800 Jobs ausgeschrieben, die meisten sind den Angaben zufolge in Vollzeit und unbefristet zu besetzen. Die Betriebe suchen vor allem Mitarbeiter im Bereich Zeitarbeit, aber auch in Industrie, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Handel gibt es zahlreiche offene Stellen.

Unterdessen sieht die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) die Entwicklung in der Metall- und Elektrobranche als einer sächsischen Schlüsselindustrie mit Sorge. Die mehr als 1700 Betriebe spürten die weltweit schwächere Nachfrage bereits deutlich. Zum ersten Mal seit 2009 gebe es einen Stillstand beim Beschäftigungsaufbau. Zudem plane nahezu jedes vierte Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in den kommenden Monaten mit Kurzarbeit.

In Unterbeschäftigung sind den Angaben zufolge derzeit rund 166 000 Menschen in Sachsen. Darunter fallen zusätzlich zu Arbeitslosen auch Menschen, die Teilnehmer in Maßnahmen sind oder einen Sonderstatus wie etwa kurzfristige Arbeitsunfähigkeit innehaben.


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