Zahl der Rechts-Konzerte erreicht langjährigen Höchstwert

Sachsen gilt neben Thüringen seit Jahren als größte Bühne für Rechtsrock-Konzerte in Deutschland. Eine Zeit lang war es ruhiger geworden. Doch inzwischen ist die Szene so laut wie lange nicht.

Dresden (dpa/sn) - Sachsen bleibt eine Hochburg für Auftritte rechtsextremer Bands und Liedermacher. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der entsprechenden Veranstaltungen mit Livemusik auf 50 - ein langjähriger Höchstwert, wie die Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz (Linke) am Donnerstag sagte. Im Jahr zuvor hatten die Behörden 48 entsprechende Events gezählt. 25 Konzerte wurden im vergangenen Jahr als reine Rechtsrock-Konzerte geführt, bei denen Bands aus dem Neonazi-Spektrum auftraten. Hinzu kamen 18 Liederabende sowie weitere sieben Events, bei denen Live-Auftritte zum Programm gehörten.

«Die Zahl solcher Veranstaltungen steigt in Sachsen seit Jahren an, wie meine regelmäßigen Anfragen dokumentieren. Daraus ergibt sich auch, dass die «Nachfrage» innerhalb der Szene hoch ist», sagte Köditz der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. So gab es 2019 mindestens neun Tage, an denen an unterschiedlichen Orten im Freistaat mehrere Konzerte gleichzeitig stattfanden. Bei knapp der Hälfte aller Veranstaltungen bewegte sich die Zuschauerzahl im dreistelligen Bereich. Das größte Publikum gab es im Juni bei einem Festival im ostsächsischen Ostritz mit rund 700 Personen.

«Die Auftritte wurden von mehr als 80 unterschiedlichen Gruppen und Einzelinterpreten bestritten, die teils aus dem Ausland angereist sind. Aber auch Sachsen selbst ist ein Hotspot, hier waren zuletzt 28 extrem rechte Bands und Liedermacher aktiv», betonte Köditz. Nach Angaben der Behörden fanden die meisten Veranstaltungen im Landkreis Nordsachsen statt - insgesamt zehn. Als Hochburg gilt hier der Torgauer Ortsteil Staupitz. Auch der Landkreis Görlitz wird häufig als Bühne genutzt - nicht nur bei den regelmäßigen «Schild & Schwert»- Festivals in Ostritz.

«Im Kreisgebiet befindet sich das Clubhaus der Neonazigruppierung «Brigade 8», die auch selbst als Konzertveranstalter in Erscheinung tritt», betonte Köditz. Die Gruppe sei zuletzt durch enge Bezüge zur inzwischen bundesweit verbotenen Vereinigung «Combat 18» aufgefallen.

Köditz zufolge gelingt ein Einschreiten der Behörden gegen solche Szene-Events offenbar nur in wenigen Fällen. So seien 2019 insgesamt drei geplante Musikveranstaltungen im Vorfeld verhindert oder verboten worden. Zudem habe die Polizei eine laufende Veranstaltung aufgelöst. «Das ist aber leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn zuletzt konnte die rechte Szene in Sachsen für Treffen und Veranstaltungen auf insgesamt 27 Objekte zurückgreifen, die immer wieder genutzt werden.» Hier müsse man künftig viel genauer hingeschaut und viel entschlossener einschreiten.

Köditz setzt nun Hoffnungen in den Koalitionsvertrag von Schwarz- Grün-Rot in Sachsen. Dort sei ein Gesamtkonzept in Aussicht gestellt: «So sollen unter anderem Kommunen beim Umgang mit extrem rechten Veranstaltungen und entsprechenden Immobilien besser unterstützt werden.» Die Regierung wolle rechtsextreme Netzwerke konsequent zerschlagen und damit endlich ernst machen.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.