Paketzustellung direkt ins parkende Auto

Das Auto als Briefkasten? Um diese Idee geht es bei neuen Dienstleistungen, die sich etwa «In-car Delivery» oder «Ready to drop» nennen. Doch wenn Zustelldienste künftig Päckchen und Co im Kofferraum ablegen, bringt das neue Herausforderungen mit sich.

Wolfsburg (dpa/tmn) - Schon aus Sicht des Zustellers hat es Vorteile, wenn er Pakete per App und digitalem Schüssel im Kofferraum des Autos der Empfänger ablegen kann. Als erste Autohersteller bieten bereits Volvo und Smart diese Dienstleistung ihren Kunden an, bei VW soll sie 2019 starten.

Doch vor allem der Kunde soll profitieren: Er muss nicht daheim sein, um Pakete zu empfangen. Das Abholen bei der nächsten Poststelle entfällt. Und auch Retouren kann er je nach Anbieter aus dem eigenen Auto abholen lassen. Alles sehr praktisch, zumindest in der Theorie. Denn zum Beispiel große Pakete könnten etwa für den Autozwerg Smart mit seinem überschaubaren Stauraum schon zum Problem werden.

Fakt ist: Neue Lösungen sind gefragt. Weil der Internethandel boomt, werden immer mehr Pakete versandt. Laut dem Verband der Internetwirtschaft eco steigt der E-Commerce-Umsatz seit Jahren.

Lösungen wie Smarts «ready to drop» oder «We deliver» von VW sollen die Logistik auf den letzten Metern flexibler, aber auch einfacher machen. Grundsätzlich benötigt es dazu neben einem entsprechend ausgerüsteten Auto eine Smartphone-App und einen digitalen Schlüssel, der nur einmal verwendet werden kann - nämlich dann, wenn der Paketbote das Auto per GPS ortet und den Kofferraum ebenfalls per mobilem Endgerät, öffnet und wieder verschließt. Vorab muss der Auftraggeber ein Zeitfenster definieren, in dem er das Auto im Umkreis einer ebenfalls zu bestimmenden Lieferadresse parkt.

Vorreiter Volvo, der einen Pilotversuch in Südschweden bereits 2014 startete und sein «In-car Delivery» in Schweden und der Schweiz schon länger und seit Kurzem auch in den USA am Markt hat, zögert noch mit der Markteinführung in Deutschland. «Es gibt keine konkreten Entscheidungen, ob und wann 'In-car Delivery' auch hier angeboten wird», sagt Volvo-Sprecher Olaf Meidt. «Aus heutiger Sicht wird es nicht kurz- beziehungsweise mittelfristig erfolgen.»

Anders bei VW: «Es ist geplant, den Service 'We Deliver' ab 2019 in ausgewählten Serienmodellen anzubieten», sagt Roland Ottacher, der den Service bei VW verantwortet. Smart-Fahrer können einen ähnlichen Dienst in Stuttgart, Berlin, Köln und Bonn bereits nutzen, sagt Projektleiterin Joana Treffert.

Fährt der Kunde zur vereinbarten Zeit aus dem Umkreis der Lieferadresse heraus, kann ihn der Zusteller nicht mehr orten - das Paket landet zum Beispiel in der nächsten Postfiliale und muss dort wie eh und je abgeholt werden. Das Parken im Umkreis um die Lieferadresse kann sich innerhalb überfüllter Innenstädte als schwierig erweisen. «Außerdem hat sich herauskristallisiert, dass unsere Kunden sich eine Zustellung in den Kofferraum von möglichst vielen Onlineshops wünschen», fügt Smart-Mitarbeiterin Treffert an. Auch hier gibt es noch Optimierungsbedarf.

VW testet derzeit verschiedene Preismodelle. Bei Smart gibt es derzeit keine Pläne, Servicekosten zu erheben. Denn schon für die benötigte Hardware im Auto muss Aufgeld überwiesen werden - 199 Euro bis 299 Euro je nach Ausstattungspaket des Smart-Neuwagens, Nachrüstlösungen sind nicht vorgesehen.

Anja Smetanin vom Auto Club Europa (ACE) macht auch auf die grundsätzliche Gefahr eines Hackerangriffs aufmerksam. Die bestehe umso mehr, «je mehr wir digitalisieren». Autohersteller wie VW beteuern indes, der Datenschutz habe höchste Priorität. Und Treffert betont, dass die jeweilige TAN zum Öffnen des Kofferraums nur ein einziges Mal genutzt werden kann.

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