Die Verbraucherzentrale wird verbraucherfreundlicher

Vorstand Andreas Eichhorst über eine Neueröffnung in Auerbach, die Vorbild für ganz Sachsen ist und vor allem Menschen auf dem Land nützt

Andreas Eichhorst ist seit 2016 Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen, war vorher beim Bundesverband vzbv leitend tätig. Katrin Saft sprach mit ihm.

Freie Presse: Herr Eichhorst, die Verbraucherzentrale hat am Freitag in Auerbach ihr erstes Kompetenz- und Kooperationszentrum eröffnet. Es soll Musterbeispiel für Sachsen sein. Was erwartet Verbraucher unter dem recht sperrigen Namen?

Andreas Eichhorst: Kurz gesagt mehr Beratung an nur einem Ort. Neben der Verbraucherzentrale Sachsen gibt es ja noch viele andere Vereine und Organisationen, die Menschen beraten und Lebenshilfe geben: den Mieterverein zu Mietrechtsthemen, den Weißen Ring zur Opferhilfe, die IG-Metall zu Arbeitsrecht, um nur einige zu nennen. Auf dem Land können sie sich oft keine eigenen Beratungsstellen leisten. In unseren neuen Kompetenz- und Kooperationszentren wollen wir ihnen Räume anbieten. Sie können ihr Türschild mit ihren Beratungszeiten anbringen, und die Verbraucher müssen nicht mehr so weit fahren. Das ist ein Meilenstein. Denn ich höre sehr oft, dass der ländliche Raum immer mehr abgehangen wird. Wir wollen demonstrieren, dass es auch anders geht. Auerbach ist der Startschuss für unser neues Konzept.

Wie viele Beratungsstellen will die Verbraucherzentrale entsprechend umbauen?

Wir haben in Sachsen 13 Beratungsstellen - davon zehn im ländlichen Raum. Hinzu kommen zehn Nebenberatungsstellen, die temporär besetzt sind. Mein Ziel ist, alle Beratungsstellen bis 2024/25 umzugestalten.

Heißt das wie in Auerbach Umzug in neue Räume?

Das wird nicht überall möglich sein. Aber natürlich bedeutet der Umbau in ein Kompetenz- und Kooperationszentrum auch immer ein modernes Gestaltungskonzept, das der Digitalisierung und den veränderten Verbraucherbedürfnissen Rechnung trägt. In Auerbach zum Beispiel verdoppeln wir unsere Fläche. Wir gewinnen einen neuen Begegnungsbereich, wo man sich informieren oder einfach nur austauschen kann. Die Mitarbeiter haben keine festen Arbeitsplätze mehr. Stattdessen gibt es Rückzugsräume für Beratungen. In einem Schulungsraum können Vorträge stattfinden, zum Beispiel von Bildungsträgern. Überall ist W-Lan verfügbar. Und in Zukunft - vielleicht in einem Jahr - wollen wir eine Videochat-Beratung anbieten für Verbraucher, die nicht mehr so mobil sind.

Wie finanzieren Sie das alles?

Wir sind dem Land Sachsen sehr dankbar, dass es unser Konzept finanziell unterstützt. Allein in Auerbach haben wir eine sechsstellige Summe investiert. Die Kommunen beteiligen sich mit kleinen Beträgen am Unterhalt. Unsere Partner zahlen anteilig für die Nutzungszeit Miete.

Und Sie verlangen für einige Beratungen Geld, was nicht jedem gefällt.

Gute unabhängige Beratung ist ja auch etwas wert. Unsere Geldgeber - Bund und Land - erwarten, dass wir einen Beitrag mit erwirtschaften. 30 Minuten kosten bei uns in der Regel 15 Euro. Vergleichen Sie das mal mit dem, was Anwälte verlangen.

Was sind die häufigsten Probleme, mit denen Verbraucher zu Ihnen kommen?

Finanzielle Probleme wie gekündigte Prämiensparverträge, Zinsanpassungen oder Inkassoforderungen ohne Rechtsgrundlage zum Beispiel, aber auch unerlaubte Telefonwerbung oder -gewinnversprechen, Ärger mit Kommunikationsunternehmen oder Stromanbietern, die versprochene Boni nicht gewähren wollen, Fragen der Altersvorsorge.

Wie viele Mitarbeiter hat die Verbraucherzentrale Sachsen?

Wir sind auf ca. 90 Mitarbeiter gewachsen. Ein Zeichen dafür, dass die Politik Verbraucherschutz ernst nimmt und nicht wie Banken oder andere Serviceeinrichtungen Filialen schließt oder zentralisiert.

Wo und wann werden die nächsten Kompetenzzentren öffnen?

Im Sommer in Görlitz, mitten im Zentrum. Noch dieses Jahr beginnen wir dann mit dem Umbau in Chemnitz. Dort wollen wir Anfang 2021 fertig sein.

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