Saisonales Gemüse ist meist aus Sachsen

Selbst Discounter bieten regionales Obst und Gemüse, zeigt ein Einkaufstest. Doch die Kennzeichnung ist verwirrend.

Rentner Hans-Wolfgang Mögel kauft sein Grünzeug zum großen Teil auf dem Wochenmarkt. Der Dresdner bevorzugt regionale Produkte. Aber werden die Märkte ihrem guten Ruf gerecht? Und inwieweit können Kunden regionales Gemüse und Obst auch in Supermärkten und Discountern erkennen? Mögel hat es gemeinsam mit Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale Sachsen getestet.

Der Wochenmarkt: In Holzkisten und auf Tischen liegen Kürbisse, Zwiebeln und Möhren von Gärtnereien aus der Umgebung. Handgeschriebene Zettel weisen darauf hin, dass hier die letzten Gurken aus Dresden-Omsewitz liegen und die Radieschen in Radebeuler Erde wuchsen. "Diese Angaben müssen nicht gemacht werden", sagt Brendel. Das Lebensmittelrecht verpflichtet die Erzeuger oder Händler von frischem Obst und Gemüse lediglich dazu, das Ursprungsland zu nennen. Alles, was an Information darüber hinausgeht, ist freiwillig. Doch wie verlässlich sind diese dann? Das zu überprüfen, ist Aufgabe der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen. In der Regel sind die Lebensmittelüberwacher ein- bis zweimal im Jahr auf den Wochenmärkten unterwegs. Sie checken, ob Produkte mit regionaler Kennzeichnung tatsächlich aus der Umgebung stammen, indem sie Lieferscheine und Rechnungen prüfen, sagt Jörg Förster vom Verbraucherschutzministerium Sachsen. "Im Verdachtsfall werden Proben genommen", sagt er.

In Einzelfällen wurden die Prüfer fündig: So wurde Spargel als "Spreewälder" verkauft, kam aber aus einer Kiste, auf der Griechenland stand. Libysche Kartoffeln wurden als "Pfälzer" und rumänische Pflaumen als "deutsche" angepriesen. Bei einem "Sächsischen Waldhonig" kam mittels Pollenanalytik heraus, dass er gar nicht von hier sein konnte. Solche Schwindeleien gelten als vorsätzliche Täuschung und werden an den Staatsanwalt übergeben, so Förster. "Generell muss man den Händlern ein gewisses Vertrauen entgegenbringen", sagt Verbraucherschützerin Brendel. Rentner Mögel lässt sich davon nicht beirren. "Kleine Handwerksbetriebe können es sich nicht leisten, ihre Kunden anzuschwindeln", sagt er und packt Äpfel in eine Tüte.

Frisches Obst, Gemüse und Eier direkt beim Erzeuger zu kaufen, wird immer populärer. Rund 124 Euro hat jeder sächsische Haushalt im Jahr 2017 dafür ausgegeben, fünf Jahre zuvor waren es 95 Euro. Das hat eine Studie des Landwirtschaftsministeriums ergeben. Ein Zehntel ihrer Produkte vermarkten die Erzeuger direkt auf Märkten oder in ihren Hofläden. Besonders für Spargel, Äpfel und Erdbeeren nehmen Kunden zusätzliche Wege in Kauf.

Supermärkte und Discounter: Dabei führen auch die meisten Supermärkte und Discounter regionales Obst und Gemüse im Sortiment. Das hat Vorteile. Die Transportwege sind kurz, die Ware bleibt frisch, Kunden identifizieren sich mit den Produkten aus ihrer Region und sind zufrieden, wenn ihr Markt sie führt. Und wer zufrieden ist, kommt wieder. "Wir beziehen unser Obst und Gemüse grundsätzlich, wann immer möglich, aus heimischer Produktion", sagt etwa Aldi-Nord-Sprecherin Verena Lissek. Der Konzern labelt abgepackte Ware zunehmend mit dem deutschlandweiten Regionalfenster. Das blau-weiße Kennzeichen macht deutlich, woher die Früchte stammen und wo sie abgepackt worden sind, zum Beispiel Äpfel von Sachsenobst in Dürrweitzschen. "In diesem Jahr ist fast ein Fünftel unserer Äpfel damit gekennzeichnet worden", sagt Tina Hellmann von Sachsenobst. Abnehmer sind neben Aldi auch Penny, Netto und Rewe. Penny verwendet das Herkunftszeichen im Jahreslauf an 40 Artikeln und wirbt mit dem Spruch "regionaler ackert keiner". Zumindest nicht unter den Mitbewerbern im Discountbereich, relativiert Andreas Krämer von der Unternehmenszentrale. Netto arbeitet zusätzlich mit der Eigenmarke "Markttag" und versieht die Artikel mit einem QR-Code. Mit dem Smartphone lässt sich dann zurückverfolgen, wo sie gewachsen sind und geerntet wurden.

Manchmal kauft Hans-Wolfgang Mögel sein Obst und Gemüse bei Konsum oder Kaufland. Dann trifft er seine Kaufentscheidung nach Gefallen, nicht nach Herkunft. Kaufland hat mit "Marktfrisch aus Deutschland" eine eigene freiwillige Herkunftskennzeichnung. Birgit Brendel findet sie auf einer Packung Chicoree. Auf einer kleinen Deutschlandkarte ist das Bundesland farblich hervorgehoben, in dem die hellen Triebe gewachsen sind: Brandenburg. Das wird auf den ersten Blick klar. Andere Supermärkte haben ebenfalls eigene Kennzeichnungen, Rewe etwa einen Traktor auf gelbem Grund, Edeka labelt sie mit "Aus unserer Region", Konsum setzt auf das Sachsenwappen.

Gleich hinter der Frischeabteilung stehen bei Kaufland Früchte und Gemüse im Glas, darunter Spreewälder Gurken, Apfelmus aus der Lausitz und ein "servierfertiges vogtländisches Sauerkraut". Hergestellt und "nach Hausfrauenart abgeschmeckt" hat es die Firma Schlichting aus Plauen. "Ein Hinweis auf die Herkunft des Krauts wäre gut", sagt Brendel. Aber auch hier gilt: Der Hersteller kann ihn geben, muss es aber nicht. Denn bei verarbeitetem Obst und Gemüse muss noch nicht einmal das Ursprungsland der Früchte angegeben werden, sondern nur die Adresse desjenigen, der das Produkt auf den Markt bringt. Deshalb kann es passieren, dass die Tomaten für ein Tomatenmark, das als italienisch gelabelt und in Italien abgefüllt wurde, tatsächlich in China gewachsen sind.

Die gleiche Kennzeichnungspflicht gilt für Marmeladen und Konfitüren. Mögel, für den im Zweifel alles regional ist, was in Ostdeutschland produziert wurde, schwört auf das Mühlhäuser Pflaumenmus. "Auf dem Glas steht Mühlhausen. Also müsste dieses Mus und die Pflaumen darin aus Thüringen stammen", vermutet er. Birgit Brendel hat da Zweifel: "Das muss bei Konfitüre nicht angegeben werden." Die Früchte müssen noch nicht einmal aus Deutschland stammen, sondern können weltweit zur Verarbeitung importiert werden. Sie greift nach einem anderen Produkt der gleichen Marke, eine Waldfruchtkonfitüre aus Mönchengladbach. Offensichtlich gibt es unter dem Markennamen verschiedene Herstellungsorte. "Wir haben hier eine Wort-Bild-Marke mit einer geografischen Angabe. Das Produkt muss nicht zwingend in der benannten Stadt erzeugt worden sein", so die Verbraucherschützerin.

Fazit: Bei Rewe und Konsum kann der Kunde auf den ersten Blick am Regal erkennen, ob Möhren, Salat und Co. aus der Region kommen. Bei vielen Discountern ist dafür schon fast detektivisches Feingespür nötig. Zwar arbeiten viele mit dem Regionalsiegel, aber häufig ist es auf der Rückseite der Produkte versteckt. Generell verwirren die unterschiedlichen Siegel. "Wir fordern, dass alle Märkte das einheitliche Regionalfenster verwenden", so Brendel.

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