Vergleiche im Internet sind oft irreführend

Die Wettbewerbszentrale sprach 2018 fast 2800 Beanstandungen aus

Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs muss sich zunehmend mit Wettbewerbsverstößen von Internetportalen beschäftigen. Das betrifft Augenlaservergleich, Immobilienvermittlung oder Mobilfunk-Leistungen. In den meisten Fällen geht es um fehlende Transparenz oder Irreführungen.

So hat die Selbstkontrollinstitution der deutschen Wirtschaft die Vergleichsportale Verivox und Check24 wegen angeblich irreführender Produktinformationen kritisiert. Bei Mobilfunkverträgen hätten die beiden Portale selbst berechnete Durchschnittspreise pro Monat hervorgehoben, die Preise seien aber von Boni, Startguthaben und anderen Voraussetzungen abhängig, sagte der Chef der Wettbewerbszentrale, Reiner Münker. Nur in deutlich kleinerer Schrift sei auf den teureren Grundtarif hingewiesen worden. Die in fetten Lettern beworbenen Durchschnittspreise seien nicht für alle Konsumenten erreichbar, begründete Münker Abmahnungen.

Check24 verteidigte die kritisierte Preisdarstellung. "Wir sind überzeugt, dass wir unseren Kunden mit der Darstellung des "Durchschnitts pro Monat" die beste Preisdarstellung bieten", sagte der für die Mobilfunksparte zuständige Geschäftsführer Oliver Bohr. Auch der von der Zentrale bevorzugte Grundpreis könne sich nicht nur vergünstigen, sondern auch mit versteckten Zusatzkosten ansteigen. Man prüfe aber die Anmerkungen der Zentrale. Das gab auch das Portal Verivox an.

"Fairer Wettbewerb bedeutet, dass man klar zu erkennen gibt, ob das Portal neutrale Dienste leistet, oder ob es etwa wegen vereinbarter Provisionszahlungen eigene Interessen verfolgt. Für den Nutzer macht das den entscheidenden Unterschied aus", sagt Münker. Im Bereich der Immobilienportale würde oft versucht zu suggerieren, Nutzer könnten mit dem Portal den besten Immobilienpreis oder eine unabhängige Beratung erhalten. Das sei aber nur selten der Fall.

Google veröffentlicht in "Google My Business" offenbar eine eigene, von Algorithmen gestützte Hotelkategorisierung mit Sternen. Dies bezeichnete die Zentrale in einer Anfang des Jahres eingereichten Klage am Landgericht Berlin als irreführend. Es gebe keine gleichlautende Bewertung nach der Maßgabe der Deutschen Hotelklassifizierung, heißt es. Google teilte mit, bislang keine solche Klage erhalten zu haben. Inhaltlich äußerte sich der Konzern nicht zu den Vorwürfen.

In einem dritten Fall lässt die Wettbewerbszentrale vor dem Landgericht Essen klären, ob Wohnungsunternehmen ihren Mietern die Kündigung von Breitbandanschlüssen unabhängig von der Laufzeit des Mietvertrages gewähren müssen.

Insgesamt hat die Wettbewerbszentrale im vergangenen Jahr 10.943 Anfragen und Beschwerden erhalten. 2799 förmliche Beanstandungen wegen unlauterer Geschäftspraktiken wurden ausgesprochen. Die Zentrale ist nach eigenen Angaben die größte unabhängige Selbstkontrollinstitution für fairen Wettbewerb. Getragen wird die gemeinnützige Organisation von etwa 1100 Unternehmen und rund 700 Kammern und Verbänden der Wirtschaft. Sie finanziert sich allein aus der Wirtschaft. dpa/rnw

101 O3/19 (LG Hamburg, Google)

Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs Frankfurt am Main eV, Landgrafenstraße 24 B, 61348 Bad Homburg v.d.H.; mail@wettbewerbszentrale.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...