Testament, Tod, Teilen

Wie komme ich an meinen Pflichtteil? - Eine Erbschaft braucht klare Regeln - Welche das sind, erklären Fachleute aus Sachsen am Telefon

Um das Erbe wird oft gestritten, weil zu Lebzeiten nicht festgelegt wurde, wer was bekommen soll. Dabei landen immer mehr Werte im Nachlass. Schätzungen zufolge sind das in Sachsen in den nächsten zehn Jahren bis zu drei Billionen Euro. Damit das Erbe in die richtigen Hände gelangt, sollte man rechtzeitig vorsorgen. Wie das am besten geht, darauf antworteten zwei Notare und ein Anwalt beim Telefonforum der "Freien Presse". Gabriele Fleischer und Jonathan Rebmann haben Fragen und Antworten zusammengefasst.

Warum gibt es einen Pflichtteil? Und wie erfahre ich als Pflichtteilsberechtigter, wie hoch der Nachlasswert ist?

Der Pflichtteil ist eine Mindestbeteiligung der nächsten Angehörigen am Vermögen des Verstorbenen, der vom Gesetz garantiert wird. Ansprüche darauf haben Ehegatten, Kinder oder gegebenenfalls die Eltern. Als Berechtigter haben Sie einen Auskunftsanspruch gegenüber dem eingesetzten Erben. Der muss ein Nachlassverzeichnis erstellen, das Sie bekommen.

Ich fordere meinen Pflichtteil. Im Nachlass befindet sich eine Immobilie. Wer bewertet die, und wer bezahlt das Gutachten?

Der Erbe muss den Gutachter beauftragen und zahlt aus dem Nachlass auch die Gutachterkosten.

Ich habe meine Ehefrau als Alleinerbin eingesetzt. Sie erbt ein Haus. Muss dieses verkauft werden, wenn die Kinder ihren Pflichtteil einfordern?

Im schlimmsten Fall ja. Allerdings kann man eine Stundung des Pflichtteils bei Gericht beantragen. Dann kann der Anteil etwa in Raten gegen Stundungszinns ausbezahlt werden.

Wir sind miteinander verheiratet, beide in zweiter Ehe, und haben jeweils eigene Kinder. Zu den Kindern des Ehemannes gibt es keinen Kontakt. Muss ich die Kinder über den Tod ihres Vaters informieren?

Nein. Das Nachlassgericht informiert die Kinder als Pflichtteilsberechtigte von Amts wegen. Für die Pflichtteilsberechnung zählt das gesamte Vermögen des Verstorbenen.

Ich bin in zweiter Ehe verheiratet. Mein Ehepartner ist vor Kurzem verstorben. Er hat zwei Kinder aus erster Ehe. Wie hoch sind die Pflichtteilsansprüche?

Die Höhe des Pflichtteils beträgt immer die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Dieser hängt davon ab, wie viele Kinder es gibt und ob der Erblasser verheiratet war. Der gesetzliche Erbteil beträgt danach in Ihrem Fall die Hälfte für den Ehegatten. Die andere Hälfte teilen sich jeweils die Kinder. Die festgelegte Pflichtteilsquote beträgt in diesem Fall ein Achtel pro Kind.

Was ist ein Berliner Testament?

Dabei setzen sich die Ehepartner gegenseitig als Alleinerben ein. Außerdem enthält ein Berliner Testament eine Regelung, wer nach dem Tod beider Ehegatten erben soll.

Mein Mann und ich haben uns gegenseitig als Erbe eingesetzt und unseren Sohn als Schlusserben. Kann der überlebende Ehegatte unser Haus verkaufen?

Ja. Aufgrund der gegenseitigen Erbeinsetzung ist der überlebende Ehepartner Alleineigentümer des Hauses und kann deshalb die Immobilie verkaufen.

Mit meiner Frau habe ich ein notarielles Testament erstellen lassen. Aber inzwischen müssten einige Formulierungen geändert werden. Was ist zu tun?

Sie müssen das Testament entweder beim Notar aktualisieren lassen oder handschriftlich neu erstellen. Je nach Umfang der Änderungen könnte es sich empfehlen, generell ein neues Testament aufzusetzen.

Mein Mann und ich haben keine Nachkommen und keine Geschwister. Wenn wir beide verstorben sind, soll unser Vermögen an die Kirchgemeinde und den kommunalen Kindergarten gehen. Weitläufige Verwandtschaft soll nicht berücksichtigt werden. Ist das möglich? Fallen dafür Erbschaftssteuern an?

Sie sollten sich bereits für den Fall des Todes des ersten Ehepartners gegenseitig testamentarisch einsetzen, weil sonst die weitläufigen Verwandten des Erstverstorbenen miterben. Ist das geregelt, hat der überlebende Ehepartner die Möglichkeit, das Vermögen frei zu verteilen. Wenn das Vermögen nicht an einen steuerbegünstigten Empfänger vererbt wird, wozu Kirchgemeinde, Kommune oder gemeinnützige Stiftung gehören, fallen Erbschaftssteuern an. Die Höhe hängt vom Wert des Nachlasses ab.

Ich bin Besitzerin eines Einfamilienhauses, das ich vor Jahrzehnten von meinem Vater geschenkt bekommen habe. Ist es für mich als Mittsiebzigerin von Vorteil, wenn ich meine einzige Tochter ins Grundbuch eintragen lasse?

Sie können das Haus entweder zu Lebzeiten an Ihre Tochter übertragen oder testamentarisch vererben. Welcher Weg günstiger ist, muss im Einzelfall geprüft werden.

Ich habe mit meinem Sohn ein Haus geerbt, das er nach meinem Tod allein bekommen soll. Müsste das Haus bereits jetzt übertragen werden, oder sollte ich ihm meinen Anteil vererben?

Das hängt davon ab, was mit dem Haus passieren soll. Wenn der Sohn selbst in dem Haus wohnen will und dazu Geld in die Immobilie investiert, dann ist eine Übertragung des Eigentums bereits heute sinnvoll. Dabei sind Pflichtteilsergänzungsansprüche der Geschwister zu bedenken. Diese sogenannten Ansprüche beziehen sich immer auf Schenkungen zu Lebzeiten.

In unserem Testament ist nichts zur Beerdigung verfügt. Wo kann ich meinen Wunsch für eine Seebestattung hinterlegen, damit er auch erfüllt wird?

Dafür ist eine gesonderte Verfügung nötig, die die Bestattungsmodalitäten regelt. Diese kann Teil einer Vorsorgevollmacht sein. Es ist nicht zu empfehlen, das im Testament zu regeln, weil dieses meist erst nach der Bestattung eröffnet wird.

Mein Ehemann ist verstorben. Es existiert kein Testament. Sind dessen Kinder aus erster Ehe erbberechtigt?

Ja. Beim Erbe werden nichteheliche und eheliche Kinder gleich behandelt.

Meine Schwester ist alleinstehend und kinderlos. Unsere Eltern sind verstorben. Erbe ich als Bruder, wenn meine Schwester stirbt? Ob es ein Testament gibt, ist nicht bekannt.

Gibt es kein Testament, sind Sie als Bruder neben weiteren Geschwistern erbberechtigt. Existiert aber ein Testament, in dem Sie nicht bedacht sind, haben Sie keinen Anspruch auf einen Pflichtteil. Den haben nur Ehegatten, Kinder oder Eltern.

Wie sollte ich meine digitalen Daten für meine Erben hinterlegen?

So, dass Sie diese jederzeit flexibel ändern können und der Zugriff auf die Daten gesichert ist. Es empfiehlt sich, diese Daten auf einem USB-Stick zu verschlüsseln. Das Passwort sollten Sie einer Vertrauensperson geben, oder Sie hinterlegen es als Anlage einer Vorsorgevollmacht beim Notar.

Ich habe zwei Kinder. Meine Tochter ist ALG II-Empfängerin. Wie stelle ich sicher, dass sie nach meinem Tod mein Vermögen nutzen kann, ohne dass ihr dabei die Zuwendungen gekürzt werden?

Sie können ein sogenanntes Bedürftigen-Testament aufsetzen, in dem Ihre Tochter als Erbe genannt ist. Allerdings kann nur der durch Sie bestimmte Testamentsvollstrecker, genauso wie Ihr anderes Kind, über das Erbe verfügen und das Geld im Rahmen der Freibeträge verteilen, sodass die ALG II-Zuwendungen nicht gekürzt werden müssen.

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