FSV Zwickau - war's das jetzt?

Ganz bitter unterlag der Fußball-Drittligist im Abstiegskrimi von Münster. Stürmer Ronny König musste sich obendrein als "Scheiß-Ossi" beschimpfen lassen.

Zwickau.

Um 3.30 Uhr am Morgen erreichte der FSV-Mannschaftsbus Zwickau. Die frustrierte Besatzung traf sich dann um 14 Uhr wieder zum Regenerationstraining. Hinter den meisten Spielern lagen nach Ankunft weitere Stunden der Unruhe. Ronny König, der sich nach der bitteren 1:2-Niederlage in Münster von der Tribüne aus noch als "Scheiß-Ossi" beschimpfen lassen musste, sagte: "Ich habe schlecht geschlafen. Anstatt sich zu freuen, dass sie gewonnen haben, beleidigen sie einen noch. Das hat mich auf die Palme gebracht", meinte König in Richtung Offizielle des SC Preußen. Laut Hygienekonzept kann nur der gastgebende Club ein paar Tickets an Personen aus Vereinskreisen für die Geisterspiele vergeben. Der 37-Jährige legte im Gespräch mit "Freie Presse" nach: "Es wird viel über Diskriminierung und Schwarz und Weiß gesprochen, aber solche Äußerungen werten einen Menschen auch ab. Daswar unterste Schublade."

Als ob der Frust nach diesem unglücklichen 1:2 durch einen unberechtigten Foulelfmeter in der letzten Minute der Nachspielzeit nicht schon genug auf die Stimmung drückte. Die strittige Szene erhitzte bei 30 Grad Celsius noch zusätzlich die Gemüter. Naturgemäß gab es unterschiedliche Auffassungen. Nach Meinung von FSV-Coach Joe Enochs lagen bereits vor dem angeblichen Foul von Torhüter Johannes Brinkies an Joel Grodowski zwei Foulspiele der Münsteraner im Mittelfeld an Gerrit Wegkamp und an der Strafraumgrenze an Julius Reinhardt vor. "Ich falle da nicht aus Langeweile um", sagte Reinhardt selbst. Die TV-Bilder belegen, dass Grodowski im Zweikampf mit dem FSVAbwehrspieler die Hand zu Hilfe nahm. Preußen-Coach Sascha Hildmann sagte jedoch nach Studium der Zeitlupe bei "magentasport.de" in Richtung Reinhardt: "Da darf er sich nicht so einfach fallen lassen. Das muss er sauber verteidigen."

Enochs empfand dagegen inklusive der Szene zuvor, als Wegkamp im Luftkamp von Königs umgerempelt wurde, das Gegenteil: "Das sind klare Foulspiele, die 99,9 Prozent der Schiedsrichter pfeifen." Dass Referee Patrick Schwengers (Note 3,5 im "Kicker" für dieses Spiel) diese Saison in der 3. Liga debütierte, bisher auf acht Einsätze kommt und mit 25 Jahren nicht zu den erfahrensten der Branche gehört, lässt tief blicken, mit welcher Sorgfalt der DFB seine Spielleiter für so entscheidende Abstiegsduelle wählt. Zugute halten muss man dem Mann aus Travemünde aber, dass zumindest Grodowskis Schwalbe im Strafraum, die zum Elfmeter führte, ohne Videobeweis nicht ganz einfach zu erkennen ist. In den TV-Bildern ist aber klar zu sehen, wie Grodowski den Kontakt zu Brinkies sucht und fällt. "Der hebt ab, der hebt ab", schilderte Enochs mit sarkastischem Lächeln: "Das ist ein alter Bauerntrick. Und der Schiri ist drauf reingefallen." Warum, dafür hatte König einen Tag nach dem Drama von Münster sogar eine Erklärung. Nach der Führung durch Wegkamps Kopfball hatten die Spieler des Gegners beim Schiri vehement auf Abseits reklamiert. "Danach sind alle Entscheidungen gegen uns gepfiffen worden", nahm König kein Blatt vor den Mund.

Von Fingerspitzengefühl zeugte es jedenfalls nicht, dass Schwengers in so einem "Überlebensspiel" bei einer strittigen Szene in der 92. Minute auf den Punkt zeigte. Nicht unerwähnt bleiben sollte bei allen Diskussionen: Umgekehrt hätten wohl auch die Zwickauer versucht, diesen Elfmeter zu schinden. Und ein gutes Spiel war es aus Sicht des FSV auch nicht. "Nach der Führung ist es auch irgendwo menschlich, dass sich bei uns Angst breitgemacht hat, dass wir das jetzt wieder verspielen könnten", fand Torjäger König eine Erklärung, warum sich das Team nach dem 1:0 zu sehr in die eigene Hälfte drängen ließ.

Der Elfmeterpfiff könnte letztlich mit dazu beitragen, dass der FSV nach der vierten Saison im Profifußball wieder absteigt. Aus eigener Kraft ist der Klassenerhalt nun nicht mehr möglich. Und auf der langen Busfahrt stellte sich unweigerlich die Frage: Wie viele Leben hat diese Mannschaft, die nach so zahlreichen Rückschlägen immer wieder leidenschaftlich zurückkam, noch? Oder anders formuliert: Wie lässt sich diese bittere Pille mental so verdauen, dass die Heimspiele am Samstag gegen Braunschweig und Mittwoch gegen den CFC gewonnen werden können? Eine schlüssige Antwort dafür gab es eine Nacht nach dem deprimierenden Frusterlebnis nicht. Doch Ronny König hatte schon einen Gedanken: "Uns hat jetzt wirklich keiner mehr auf der Rechnung." Ist das die allerletzte Chance?

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.