"Derby" gegen Salzburg - Rangnick kommt ins Schwärmen

Was viele Fans lange befürchtet hatten, ist jetzt Realität. Die beiden von Red Bull großgezüchteten Vereine aus Leipzig und Salzburg treffen aufeinander. Auch die anderen Gegner sind Brocken.

Leipzig.

Spott war eine der Reaktionen auf die Auslosung der Gruppen für die Europa League. "Den Spielball wirft wohl Felix Baumgartner vom Weltall aus ins Stadion", schrieb etwa das Fußball-Witze-Magazin "FUMS" auf Twitter. Rasenballsport Leipzig gegen Red Bull Salzburg - das für den 20. September terminierte Geschwisterduell polarisiert. Die Verantwortlichen selbst äußerten sich - natürlich - positiv. Salzburgs Manager Christoph Freund sprach von einem "speziellen Duell". Und Red-Bull-Coach Marco Rose, selbst gebürtiger Leipziger, sagte mit einem Lächeln: "Ich darf nach Hause." Dann könne er die Tochter von der Kita abholen, das Teammeeting müsse in diesem Fall mal warten.

Ganz so lustig werden viele Fans das nicht finden. Vor allem aus eher traditionsbewussten Kreisen hagelt es Kritik. Die beiden Vereine seien nicht unabhängig voneinander, Salzburg eigentlich nur ein Farmteam für Leipzig, damit der Wettbewerb verzerrt. Dem widerspricht Ralf Rangnick entschieden: "Wenn man so will, ist es ein Derby. Jeder möchte beweisen, dass er der Bessere ist. Über fairen Wettbewerb muss sich keiner Sorgen machen. Da ist so viel Brisanz und Feuer drin."

Zuletzt waren es vor allem die Salzburger, die diese These stützten. Die Wechsel zwischen beiden Vereinen sind weniger geworden. Mit seinem Interesse an Amadou Haidara und an Trainer Rose war Rangnick in Salzburg abgeblitzt. "Der Selbstbedienungsladen hat geschlossen", titelte die "Freie Presse" Ende Juni.

2014 sah es noch anders aus. Damals war Oliver Mintzlaff noch "Head of Global Soccer" der Red Bull GmbH und verantwortete die Entwicklung aller Fußballaktivitäten der Marke weltweit. Rangnick war zu dieser Zeit Manager von Leipzig und Salzburg. Damals alles kein Problem. So wurde etwa auch Marcel Sabitzer aus seinem Vertrag bei Rapid Wien gekauft - der enthielt nämlich eine Ausstiegsklausel für internationale Wechsel. So wurde er eben nach Leipzig transferiert und tags darauf nach Salzburg verliehen.

Im Zuge des sportlichen Aufstiegs kann sich Leipzig nun solche Mätzchen nicht mehr leisten. Zu streng sind die Auflagen der Uefa und der DFL. Rangnick wurde vor drei Jahren Trainer in Leipzig. Damals begann Juristen und Manager, die Vereine zu entflechten. Mit der Zulassung zum internationalen Wettbewerb, wenn auch unter Protest, hat die Uefa anerkannt, dass beide unabhängig voneinander sind.

Salzburg ist das Highlight, außerdem trifft RB in Gruppe B der Europa League auf Celtic Glasgow und Rosenborg Trondheim. Alle drei Kontrahenten sind Meister ihres Landes. "Viel spannender, viel interessanter, viel attraktiver und lukrativer hätte man sich die Gruppe nicht ausdenken können", geriet Rangnick ins Schwärmen.

Dass es soweit gekommen ist, hing am Donnerstagabend am seidenen Faden. 2:1 führte Luhansk kurz nach der Pause in Leipzig. RB brauchte zwei Tore. Eines besorgte Jean-Kevin Augustin, das zweite in der letzten Minute Emil Forsberg per Elfmeter. Leipzig offenbarte altbekannte Schwächen in der Chancenverwertung. Es bleibt der Eindruck, dass es an der Konzentration fehlt, ein Spiel sicher und sauber zu Ende zu spielen. Der Kader von RB ist mit 17 Feldspielern klein. Am letzten Tag vor Transferschluss wollte Rangnick daher gern noch ein oder zwei neue Spieler verpflichten. Ob das geklappt hat, war bei Redaktionsschluss noch nicht klar. Die Bemühungen der Leipziger um Ademola Lookman schienen aber gescheitert.

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