So läuft die Nations League

Im ersten Match nach dem WM-Desaster wartet am Mittwoch ausgerechnet Weltmeister Frankreich auf die DFB-Elf. Es ist der Auftakt in die neue europäische Nations League. Wie der Wettbewerb funktioniert und was er für den deutschen Fußball bedeutet, erklärt "Freie Presse".

Wer hat die Nations League erfunden?

Der ehemalige, seit 2015 gesperrte Uefa-Präsident Michel Platini. Der Franzose wollte kleinen Nationen vor allem in Osteuropa verlässliche Einnahmen aus der Zentralvermarktung eines neuen Wettbewerbs bescheren.

Wer spielt mit?

Alle 55 Mitgliedsverbände der Uefa. Die Teams wurden geordnet nach Leistungsstärke in vier Ligen bzw. Divisionen von A bis D aufgeteilt. Basis für die Einordnung war die Uefa-Rangliste im Oktober 2017 nach Abschluss der Qualifkationspartien für die Weltmeisterschaft in Russland. Diese Liste wird künftig ihre Bedeutung verlieren. Die Uefa will den Wert ihres neuen Wettbewerbs damit vergrößern, dass die Setzlisten für zukünftige Auslosungen von WM- und EM-Qualifikationsgruppen aus dem Abschneiden in der Nations League resultieren.

Wie sind die Ligen aufgeteilt?

In Liga A treffen sich die Top 12 Europas, in Liga B folgen die nächsten zwölf der Uefa-Rangliste. In Liga C spielen 15, in Liga D 16 Mannschaften. Die Ligen werden nochmals unterteilt und in A, B und D aus drei bzw. vier Gruppen mit je drei Mannschaften bestehen. In Liga C treten eine Gruppe mit drei Teams und drei Gruppen mit vier Teams an.

Wann wird gespielt?

Die Gruppenspiele finden verteilt auf sechs Spieltage im September, Oktober und November dieses Jahres statt. Die vier Gruppensieger der Liga A sind für die im Juni 2019 stattfindende Endrunde qualifiziert. Die weiteren deutschen Gruppenspiele finden nach dem Auftakt am Mittwoch am 13. Oktober in Amsterdam gegen die Niederlande und am 16. Oktober in Paris gegen Frankreich statt. Das Rückspiel gegen Oranje wird am 19. November in Gelsenkirchen ausgetragen.

Wann und wo findet das Finalturnier statt?

Vom 5. bis 9. Juni in Portugal, Polen oder Italien. Diese drei Teams spielen in Gruppe 3 der A-Liga gegeneinander, der Gruppensieger wird Gastgeber der Endrunde. Bei der werden dann zwei Halbfinals, ein Spiel um Platz drei sowie das Finale ausgetragen. Der Nations-League-Sieger erhält einen Silberpokal, der eine Flamme stilisiert.

Wie wirkt sich das Ergebnis auf den nächsten Nations-League-Wettbewerb aus?

Die Gruppensieger der Ligen B, C und D steigen jeweils eine Etage auf, die Tabellenletzten der Ligen A, B und C jeweils eine ab.

Welche Auswirkungen hat der Wettbewerb auf die Qualifikationsspiele zur Europameisterschaft 2020?

Der Qualifikationswettbewerb bleibt weitgehend unverändert. 24 Teams qualifizieren sich für die Endrunde, allerdings beginnt die Qualifikation erst im März 2019. Kein Team ist automatisch als Gastgeber qualifiziert, da das Turnier in 13 Nationen ausgetragen werden soll. Es werden zehn Fünfer- bzw. Sechsergruppen gebildet. Die ersten 20 EM-Startplätze gehen an die Erst- und Zweitplatzierten dieser Gruppen.

Und wer bekommt die restlichen vier Plätze?

Die werden via Nations League vergeben. Alle Gruppensieger der Ligen A bis D sind für EM-Playoffs, die erst im März 2020 stattfinden, qualifiziert. Sollten Länder ihre Endrundenteilnahme bereits in der EM-Qualifikation gesichert haben, rücken die Nächstplatzierten nach. Für den Fall, dass in Liga A schon mehr als acht Länder für die EM-Endrunde 2020 qualifiziert sind, werden die Playoffs mit Teams aus Liga B aufgefüllt.

Wie funktionieren die EM-Playoffs genau?

Die besten noch nicht für die EM qualifizierten Mannschaften jeder Division spielen in zwei Halbfinals und einem Finale je einen Sieger aus, der an der EM 2020 teilnehmen darf. Somit ist klar, dass am Endturnier auch kleinere Fußballnationen vom Format Litauens oder Norwegens aus Division C und Aserbaidschans oder Maltas aus der Division D teilnehmen werden.

Was sagen die deutschen Clubs zur Nations League?

Aus der Bundesliga gab es im Vorfeld viel Kritik. "Ich sehe die inflationäre Entwicklung von Wettbewerben der Nationalmannschaften grundsätzlich kritisch", sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. "Wenn es keine Nations League geben würde, dann würde sie niemand vermissen." "Der Wettbewerb geht zu Lasten der Vereine und der Spieler", argumentierte Hannovers Manager Horst Heldt. Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc sprach von einer "Überfrachtung an Wettbewerben". Mittlerweile sind diese Stimmen leiser geworden, der erste Rauch verflogen, das Format akzeptiert.

Wie steht die DFB-Spitze zum neuen Wettbewerb?

Verbandspräsident Reinhard Grindel kontert die Einwände. "Durch die Nations League gibt es kein einziges zusätzliches Spiel und es gibt damit auch keine zusätzliche Belastung für unsere Nationalspieler", sagt der DFB-Boss. "Mit der Nations League wird ein zusätzlicher sportlicher Anreiz geschaffen. Statt Freundschaftsspielen, in denen es um nichts geht, sehen die Fans einen attraktiven Wettbewerb."

Und was meint der Bundestrainer?

"Die Niederlande und Frankreich sind Nachbarländer mit langer Fußballkultur und Fußballgeschichte. Für die Fans, für uns alle sind das interessante Spiele", hatte Joachim Löw schon nach der Auslosung im Januar gesagt. Das gilt jetzt umso mehr. Löw und seine Mannschaft stehen nach dem schlechten Abschneiden bei der WM in Russland unter besonderer Beobachtung. Soll der Neustart mit kaum verändertem Personal gelingen, muss die Nations League einen sportlich erfolgreichen Verlauf nehmen. Einen bei diesen Gegnern durchaus denkbaren Abstieg Deutschlands in Gruppe B würde wohl sogar Löw nicht im Amt überstehen. "Wir müssen schon das Level A halten", machte auch Grindel die Zielvorgabe deutlich. (mit dpa)

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