Wolfsburgs «hart erkämpfter Punkt»

Der VfL Wolfsburg ist hart im Nehmen. Beim 1:1 in Saint-Étienne musste ein Spieler am Kopf genäht werden und ein anderer hinterher ins Krankenhaus. Aber auch dieses Europa-League-Spiel überstand der Bundesligist ohne Niederlage - schon wieder.

Wolfsburg (dpa) - Das Training zum nächsten Bundesliga-Spiel gegen Union Berlin verschob Oliver Glasner erst einmal um eine Stunde nach hinten.

Der VfL Wolfsburg und sein Coach waren nach ihrem Europa-League-Abend in Saint-Etienne erst um 01.28 Uhr in der Nacht wieder ziemlich erschöpft und lädiert in Deutschland gelandet.

Der deutsche U21-Nationalspieler Lukas Nmecha flog sogar erst am Freitagnachmittag wieder zurück, weil er die Nacht mit einer Gehirnerschütterung in einem Krankenhaus der französischen Stadt verbringen musste. Andere Wolfsburger Profis humpelten in die eigens gecharterte Maschine (Jerome Roussillon, Marcel Tisserand) oder trugen ein Pflaster zwischen beiden Augen (Jeffrey Bruma).

«Das ist ein hart erkämpfter Punkt», sagte Glasner über das 1:1 (1:1) beim französischen Rekordmeister. «Denn wir haben aus diesem intensiven Spiel sehr viele Blessuren mitgenommen.» Die Einsätze von Roussillon, Tisserand und auch Josip Brekalo sind im kommenden Spiel gegen Union Berlin allesamt fraglich. Nmecha muss nach seinem Zusammenprall mit Saint-Etiennes Torwart Jessy Moulin ganz sicher eine Pause von fünf bis sieben Tagen einlegen. Fünf Langzeitverletzte hatte der VfL dazu schon vor dieser Englischen Woche. Wenigstens meldete sich am Freitag Admir Mehmedi wieder fit, der die Reise nach Frankreich wegen Adduktorenproblemen gar nicht erst angetreten hatte.

Der Fußball-Bundesligist ist also spürbar angeschlagen in dieser kurzatmigen Phase der Saison, aber er fällt einfach nicht um. Er blieb er trotz aller spielerischen Mängel auch im neunten Pflichtspiel unter seinem neuen Chefcoach ungeschlagen, was bedeutet: In der Europa League geht der VfL jetzt als Tabellenführer der Gruppe I in die beiden Duelle mit dem belgischen Club KAA Gent. Und in der Bundesliga kann er sich mit einem Heimsieg gegen Aufsteiger Berlin auf einen der ersten sechs Plätze vorschieben.

«Ich nehme mit, dass es schwierig ist, gegen uns zu gewinnen. Wir sind auf dem richtigen Weg», sagte Glasner nach dem Spiel in Saint-Etienne. Nach dem Rückstand durch den ehemaligen Gladbacher Timothée Kolodziejczak (13.) dauerte es nur zwei Minuten, bis der Brasilianer William die passende Antwort darauf fand (15.). «Jetzt gilt es, gemeinsam wieder Kraft zu schöpfen», meinte der Trainer schon mit Blick auf die nächste Aufgabe nicht einmal drei volle Tage später. «Wir wollen das Gaspedal genauso tief reindrücken wie Union.»

In Wolfsburg hatte zuletzt jede Phase einen Spieler, der exemplarisch für sie stand. In der vergangenen Saison war das etwa Wout Weghorst, der den VfL mit seinen Toren in die Europa League schoss und die erfolgreiche Transferpolitik unter dem Sportchef Jörg Schmadtke symbolisiert. Bei den ersten Siegen dieser Saison machte dann der inzwischen verletzte Neuzugang Xaver Schlager den Kollegen vor, was im 3-4-3-System von Glasner besonders gefragt ist.

In diesen Tagen verkörpert wohl niemand besser als Jeffrey Bruma die Nehmerfähigkeiten des VfL. Und das nicht nur, weil er in Saint-Etienne nach einem Ellbogenschlag seines Gegenspielers ab der 42. Minute mit einem Kopfverband weiterspielen musste. Und das danach genauso konsequent und konzentriert tat wie schon davor.

Der 27 Jahre alte Niederländer sollte nach 16 Monaten ohne Bundesliga-Einsatz für den VfL eigentlich verkauft werden. Doch seit dieser Woche gehört er auf einmal zur Stammelf. Glasner schätzt seine physische Stärke - und dass er mit seinem Reservisten-Dasein so professionell umging. «Ich bin immer bereit, wenn der Trainer mich braucht. Das ist meine Art», sagte Bruma. «Fußball ist nicht immer nur Sonnenschein. Manchmal muss man sich in ein Team zurückkämpfen.» Das Spiel gegen Union will er genauso angehen: «Sonntag sind wir alle wieder frisch. Dann müssen wir die drei Punkte zu Hause behalten!»

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