Als die ganze Familie auf "Heiligabend-Stroh" schlief

Am Samstag öffnet die Falkensteiner Weihnachtsausstellung. Informiert wird über längst vergessene Bräuche. Und manchmal versinken Eltern tiefer im Spiel als ihre Kinder.

Falkenstein.

Auf dem Tisch steht das traditionelle Neunerlei, drum herum sind Vater, Mutter und die Großmutter gruppiert - Ottmar Heckel vom Schnitzverein hat die Figuren geschaffen, die die vogtländische Bauernstube im Falkensteiner Heimatmuseum in der Weihnachtszeit bevölkern. Der Weihnachtsbaum hängt an der Decke: "Das war aus Platzmangel damals so Brauch", erläutert Andreas Rößler vom Museumsverein, dessen Mitglieder die Schau in diesen Tagen aufbauen.

Der Boden der Stube, die im Stil von 1850 gestaltet ist, wird mit Stroh ausgelegt - dem "Heiligabend-Stroh". Es soll daran erinnern, dass das Jesuskind laut Bibel in der Heiligen Nacht in einer Krippe auf Heu und Stroh gebettet wurde. Im Vogtland und im Erzgebirge legten die Familien sich in der Heiligen Nacht auf dieses Stroh. "Sie werden sich wohl paar Lagen gemacht haben, damit es nicht zu hart war", vermutet Rößler. Gerade die Kinder waren in dieser Nacht aber wohl ohnehin viel zu aufgeregt zum Schlafen - denn am 1. Weihnachtsfeiertag war Bescherung, nach den Christmetten, die man gemeinsam besuchte. "Bei uns und auch in den Familien unserer Kinder wird es mit Christmette und anschließender Bescherung bis heute so gehalten", sagt Rößler.

Viele Entdeckungen sind in der Ausstellung zu machen, ob nun auf der Schnitzerpyramide von 1954 mit teils ausgestorbenen Berufsbildern, auf dem orientalischen Weihnachtsberg, an dem Louis Bley 1904 bis 1914 tüftelte, oder am Försterhaus mit Paradiesgarten, das Malermeister Heidrich einst von einem armen, aber offenbar geschickten Kunden erhielt. Neu ist zum Beispiel eine Miniatur-Ausgabe der Gegend um Falkenstein samt Talsperre und der Felsen Lochstein und Mönch, geschaffen von Hans-Jörg Meyer. Zum Spielen lädt eine Puppenstube ein, die Eberhard Thoß aus Trieb vor Jahrzehnten für seine Töchter baute. Es soll vorgekommen sein, dass hier die Vatis noch weiterspielten, während ihre Kinder gehen wollten.

Die Schau im Heimatmuseum öffnet am Samstag, 14 Uhr und ist bis 27. Januar jeweils an den Wochenenden nachmittags zu sehen.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...