Aquarelle - so scharf wie Fotos

Einen Querschnitt aus dem Schaffen seines Vaters Rolf Zimmermann zeigt Dirk Wasmund derzeit in der Auerbacher Göltzschtalgalerie. Dabei müssen Besucher schon genau hinschauen.

Auerbach.

Fotografien oder Malerei? Diese Frage lässt sich erst bei genauem Hinschauen beantworten. Rolf Zimmermann hat es verstanden, die Betrachter seiner Werke für einen Moment darüber im Unklaren zu lassen. 49 davon hängen derzeit auf zwei Etagen in der Auerbacher Göltzschtalgalerie Nicolaikirche. "Struktur - Betonte Aquarelle auf Papier" heißt die Gedenkausstellung. Denn der Maler und Grafiker aus Leipzig verstarb 2016. Sein Sohn Dirk Wasmund hat die Ausstellung zusammengestellt.

18 Originale sind in der Kultureinrichtung zu sehen. Bei den anderen Bildern handelt es sich um so genannte Fine Art Prints. "Diese Drucke sind die höchste Form der Farbbrillanz und Schwarzsättigung", erklärt Galerie-Leiterin Romy Hartwig. Der Leipziger Künstler, Jahrgang 1938, hat viele Stimmungen, Nuancen, Licht-und Schattenspiele eingefangen. Seine Werke zeigen Stillleben, Menschen im Alltag, hauptsächlich aber Architektur und Landschaften in Europa und Nordafrika. Ausgestellt ist auch seine Plakatserie "Baufahrzeuge", die zur DDR-Zeit entstand.

Dirk Wasmund hat sich aufgemacht, Person und Werk seines Vaters im Bewusstsein heutiger Kunstinteressierter zu verankern. Rolf Zimmermann studierte in den 1960er Jahren an der Leipziger Hochschule für Buch und Kunst. Dabei lernte er sein Handwerk bei Professoren wie Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer, verinnerlichte die Aquarell-Lasurtechnik und arbeitete bis zur politischen Wende freischaffend als Gebrauchsgrafiker. Dann gehörten Aufträge von Verlagen und Ausstellungen quasi über Nacht der Vergangenheit an. Wie viele andere Freischaffende erwischte auch Rolf Zimmermann der Umbruch eiskalt. "Betriebe, für die er arbeitete, wurden abgewickelt", erzählt sein Sohn. Aber der Künstler ließ sich nicht unterkriegen. Eine Einladung nach Marokko brachte die persönliche Wende. "Dort entdeckte er seine Leidenschaft für die Malerei", sagt Wasmund. Von zahlreichen Studienreisen kehrte er mit Inspirationen zurück.

Wie sein Vater ist auch Dirk Wasmund Künstler, aber in einem anderen Genre zu Hause. "Ich verdiene mein Geld mit Musik", berichtet er. Die Eröffnung der Gedenkausstellung begleitete sein Dirk-Wasmund-Trio. Mit Auerbach verbindet ihn weit mehr als die Schau. Beim jährlichen Auerbacher Töpfermarkt gehört der Saxophonist quasi zum Inventar. Dort gastiert Wasmund regelmäßig mit der Köstritzer Jazzband. Bei dieser Gelegenheit leiteten er und Romy Hartwig vor zwei Jahren die Ausstellung in die Wege.

Die Ausstellung mit dem Titel "Struktur - Betonte Aquarelle auf Papier "mit Arbeiten von Rolf Zimmermann ist bis 16. Februar in der Auerbacher Göltzschtalgalerie zu sehen. Die Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 11 bis 18 Uhr; Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr. Außerdem jeweils eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

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