Auerbachs Fahrlehrer-Urgestein hört auf

Olaf Hoppe (66) hat zuletzt die Enkel seiner ersten Fahrschüler unterrichtet. Jetzt gibt er seine Firma in jüngere Hände. Und denkt zurück an Kurioses und Dramatisches.

Auerbach.

Bei der Frage nach der schwierigsten Klientel unter den Fahrschülern muss Olaf Hoppe (66) nicht lange überlegen: "Die Lehrer", bilanziert der Reumtengrüner, der seit vier Jahrzehnten im Umgang mit Bremse, Gaspedal und Lenkrad unterrichtet. Denn in diesem Berufsstand bilde sich mancher etwas auf seine pädagogischen Vorkenntnisse ein. "Damit muss aber Schluss sein an der Autotür", so Hoppe. Er geht jetzt in Ruhestand und übergibt seine Fahrschule an der Ecke Kaiserstraße/Gabelsberger Straße an Uwe Richter (49), der seit 2002 als Fahrlehrer tätig ist.

Hoppe startete als blutjunger Fahrlehrer 1975 bei der Landtechnik in Eich (gegenüber dem ehemaligen Spectrum-Markt). Dort wurde der Nachwuchs für die Landwirtschaft im Vogtland ausgebildet. Schon vor der Ausbildung erwarben die jungen Leute den Traktor-Führerschein, während der Lehre meist den Autoführerschein. Hoppe arbeitete sich hoch, wurde Leiter dieser KfL-Fahrschule - und wollte dann was Eigenes.

Als er sich im Mai 1989 schließlich selbstständig machte, waren die DDR-Behörden überfordert. "Ich war ja damals in Auerbach der erste private Fahrlehrer", erinnert sich Olaf Hoppe (66). "Niemand wusste, wie das geht." Für seinen Fahrschulfunk musste er eine eigene Funkfrequenz beantragen: "Und zwar bei der Post in Berlin." Der Bedarf war riesig. "In Auerbach musste man zu dieser Zeit sechs Jahre auf den Führerschein warten, in Klingenthal acht." Keiner konnte ahnen, dass ein halbes Jahr später der Mauerfall alles dramatisch verändern würde. Als plötzlich die West-Autos Einzug hielten und zeitgleich überall Fahrschulen aus dem Boden schossen, war Olaf Hoppes Unternehmen an der Ecke Kaiserstraße/Gabelsberger-Straße längst etabliert. Ehefrau Marion steuerte den Werbeslogan "Nur Mut - mit Hoppe geht's gut" bei und unterstützte ab 1990 ihren Mann im Unternehmen. Zeitweise waren inklusive der Eheleute sechs Fahrlehrer in der Firma tätig. Zuletzt nur noch der Gründer selbst. Immerhin - sechs der zu Boomzeiten acht Auerbacher Fahrschulen sind geschlossen, Hoppe hat Bestand, und der neue Inhaber will den Traditionsnamen beibehalten.

Als Fahrlehrer habe er selbst nie einen Unfall verschuldet, sagt Olaf Hoppe: "Die Fahrschüler natürlich unzählige." Die gingen meist glimpflich aus. Doch einmal wurde ein Motorrad-Fahrschüler in Zwickau ohne eigenes Verschulden von einem Pkw erfasst und schwer verletzt: "Das hat mich sehr mitgenommen, abwechselnd mit einem Kollegen waren wir jeden Tag im Heinrich-Braun-Krankenhaus. Er wurde wieder gesund." Und erst vor ein paar Jahren fuhr ein Schüler mit Motorroller in Ellefeld mit Tempo 45 ungebremst auf ein haltendes Auto: "Er flog mehrere Meter durch die Luft, bis heute denke ich mit Schrecken daran." Wie durch ein Wunder - und dank Schutzkleidung - blieb der Mann unverletzt. Aus dem demolierten Roller hat Olaf Hoppe ein Spaß-Mobil für seine Enkel gebastelt: "Damit fahren sie im Grundstück herum."

Hoppes Spitzenreiter im Durchfallen ist übrigens ein Treuener, der erst beim 15. Versuch die Theorieprüfung bestand: "Das hat Jahre gedauert. Fahren war dabei kein Problem - das konnte der bestens."

Ganz ist Olaf Hoppe aus dem Geschäft noch nicht raus: Bei Bedarf will er seinem Nachfolger helfen.

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