Ausstellung beleuchtet die Migration von Mustern und Ideen

Eine kleine Ausstellung am Ellefelder Markt zeigt, wie welche Bedeutung der jahrhundertelange Transfer von Produkten für die Regionen hat.

Ellefeld.

Das Thema Migration ist häufig nur wenig positiv besetzt. Findet die Diakonie Auerbach und nimmt sich der Sache einmal völlig anders an. Anhand einer überschaubaren Ausstellung im Ellefelder Markt 3 erzählt sie die "Migration der Muster und Ideen". Diverse Materialien, Schnitte, Stickereien, Gardinen und Kleidungsstücke, Geschirr, Tisch- und Bettwäsche informieren über diese Geschichte: Woher kommen Muster und Ideen? Wie haben sie das Leben hier beeinflusst? Viele Exponate stammen von Privatpersonen, einige aus Firmenbesitz und dem Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland in Greiz.

"Wir schauen sehr weit in die Vergangenheit. Aber auch in die Zukunft", sagt Diakonie-Mitarbeiter Konrad Kellner. Eine Ecke haben er und seine Mitstreiter für die Textilforschung reserviert. Dabei richtet sich der Fokus unter anderem auf Licht leitende Textilien und leuchtende Kleidung. Eine weitaus größere Rolle spielen jedoch Herkunft, Bedeutung und Einsatz alter Muster und Stoffe. "Zwiebelmuster hat einen langen Weg hinter sich", erzählt Konrad Kellner. "Das stammt aus China. August der Starke hat Asiatika gesammelt, und so ist es hergekommen." Die Bezeichnung stimme aber nicht ganz: "Was man da sieht, ist eigentlich keine Zwiebel, sondern ein Granatapfel. Jetzt gehört er längst zum sächsischen Inventar."

Tüll entstand Konrad Kellner zufolge in Frankreich. Jaquard auch. "Das hat ein Pfarrer erfunden", weiß der Ehrenamtliche. Damast habe seinen Ursprung wie das Zwiebelmuster in Asien. "Wahrscheinlich liegen die Anfänge in China", sagt Kellner. "Die ältesten Funde sind in Persien gemacht worden, möglicherweise auf der Seidenstraße. Über Ägypten, England und Holland kam er dann 1660 nach Großschöna in Sachsen."

Mit der Migrationsausstellung knüpft die Diakonie an ihr dreijähriges Projekt "Zusammenhalten - Zukunft gestalten" an. Erst in Auerbach daheim und später nach Ellefeld übergesiedelt, standen Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund im Mittelpunkt. Zu Beginn der Corona-Pandemie endete das Projekt gezwungenermaßen, und die gemieteten Räume in Ellefeld brauchten eine neue Bestimmung. "Jetzt zeigen wir Dinge mit Migrationshintergund, die wir in unserem Alltag nutzen", berichtet Konrad Kellners Kollege Detlef Köhler. "Auch das führt Menschen zusammen - und zeigt, dass die Leute im Vogtland weltoffen sind."

Mit dem Blick in die Vergangenheit wollen die Aussteller Mut machen für das Heute. "Migration kann eine Bereicherung für uns sein und in Zukunft ganz selbstverständlich werden", sagt Diakonie-Vorstandsmitglied Sven Delitsch. "Dinge fließen nach und nach ein und bekommen Wert."

Die Ausstellung ist mindestens bis Jahresende zu sehen und wochentags jeweils von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Außer der Reihe können sich Interessenten unter Telefon 0176/12613095 anmelden.

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