Berliner Mauer wird für Festakt wieder aufgebaut

Für die Festveranstaltung zum 30. Jahrestag nächste Woche haben junge Menschen den einst trennenden "Schutzwall" aus 200 Umzugskartons nachgebaut und bemalt.

Auerbach.

Von eigenen Erfahrungen können Vicky Mazzucco und Celina Ziegner beim Malen nicht zehren. Warum und wie die Mauer zwischen Ost- und Westberlin fiel, wissen die Schülerinnen allenfalls aus dem Unterricht und von Erzählungen. Gerade deshalb entschied sich der Mittelzentrale Städteverbund Göltzschtal, für seine öffentliche Festveranstaltung zum 30. Jahrestag des Mauerfalls junge Menschen mit einem ungewöhnlichen Kunstprojekt zu beauftragen. Zentraler Blickfang wird am 12. November in der Auerbacher Schloss-Arena eine Mauer sein. Gebaut und bemalt wurde sie diese Woche von Kindern und Jugendlichen aus Auerbach und Falkenstein.

Als Material bekamen die jungen Mauer-Bauer 200 Umzugskartons geliefert. Genau die Hälfte strichen sie fahlgrau und erinnerten damit an den Anblick aus Richtung Ostberlin. Die andere Seite ist ein knallbuntes Kunstwerk mit Fragen nach dem Warum, Ausdruck von Angst und Trauer, schlicht gezeichneten Menschen-Figuren und einem mächtigen Friedenszeichen. Zwei Nachmittage hantierten Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Pinseln, Rollern und Farben. Was dabei herauskam, ließ selbst Sindy Kosch von der Auerbacher Stadtjugendpflege staunen. "Ich bin regelrecht überwältigt vom Interesse, das die jungen Leute dem Thema entgegenbringen", sagte die Mitorganisatorin. "Sie haben auch richtig gute Ideen und stellen viele Fragen." Am ersten Tag machten sich 19 Maler an die Arbeit, am zweiten sogar 26. Manche krempelten zweimal die Ärmel hoch.

Dem Projekt war eine Herbstferien-Bildungsfahrt von 15 Beteiligten nach Berlin vorausgegangen. Dort holten sie sich Inspirationen - und für die Umsetzung Freunde an die Seite. Zusätzliche Internet-Recherchen halfen eine Vorstellung davon zu bekommen, wie das trennende Mauerwerk einst aussah. Beim Höhenvergleich kommt der Nachbau dem Original recht nahe. 2,60 Meter misst die Auerbacher Mauer, einen Meter höher war die Berliner.

Erinnerungen an den Mauerfall finden Vicky Mazzucco (13) und Celine Ziegner (11) wichtig. "Dabei ging es um Freiheit", sagte Vicky. "Und um sehr große Emotionen", ergänzte Celina. Für sie gehört das einschneidende Ereignis zur deutschen Geschichte. Vicky findet es allgemein "interessant, Dinge von früher zu hören und nicht nur das Aktuelle".

Vor anderthalb Jahren nahm im Städteverbund der Gedanke Gestalt an, eine Festveranstaltung auf die Beine zu stellen - samt Mauerbau. "Daraufhin haben wir 200 nagelneue Umzugskartons von einer Treuener Kartonagenfabrik gekauft", erzählte Auerbachs Pressesprecher Hagen Hartwig. Nach ihrem großen Auftritt sollen die verzierten Papp-Behälter vom Stadtarchiv weitergenutzt werden.

Die Mauerfall-Festveranstaltung am Dienstag in der Auerbacher Schloss Arena beginnt 18.30 Uhr. Einlass ist eine halbe Stunde früher. Zu Wort kommen Organisatoren, Jugendliche, Wendezeit-Protagonisten, Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler und Musiker aus der Region..

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