Der Siegelohplatz im Wandel

Die bewegte Geschichte des Platzes in Auerbach lässt sich seit Kaisers Zeiten auf Postkarten bestens nachvollziehen. Sammler Günter Feustel hat aber auch eigene Erinnerungen.

Auerbach.

Die Sache mit der Mauer auf dem Siegelohplatz stimme nicht, sagt Günter Feustel, Vorsitzender der Briefmarken- und Ansichtskartenfreunde in Auerbach - und das kann er auch beweisen. "Freie Presse" hatte aus einer Dokumentation zitiert, dass die Umfassungsmauer des einstigen sowjetischen Ehrenmals nach der Wende in die umgestaltete Parkanlage integriert worden sei. Doch Feustels Ansichtskarten und seine Faktensammlung zum Siegelohplatz belegen: Die jetzt noch vorhandene Mauer in der Wiese hat mit dem Ehrenmal nichts zu tun. Sie war demnach schon in den 1950er-Jahren im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks (NAW) errichtet worden. Im September 1958 wurde die neue Anlage übergeben.

Feustels Karten zeigen auch: Vor dieser Umgestaltung in den frühen DDR-Jahren sah der Platz völlig anders - viele würden wohl sagen: schöner - aus. "Die Parkanlage war eine Augenweide, mit viel Platz zum Flanieren und Ausruhen", findet der Sammler. Eine Karte von 1930 zeigt eine Treppenanlage mit einem Steingarten in der Mitte, an ihrem Fuß befindet sich ein großes Bassin. Der erste Abschnitt des Platzes wurde ab 1911 angelegt, der untere Teil nach dem 1. Weltkrieg vollendet. Der Siegelohbach speiste das Bassin - er fließt seit langem zum großen Teil unterirdisch. Ansichtskarten mit besagtem Wasserbecken gibt es laut Feustel auch noch von 1951 und 1953. Doch dies seien sicher nur Nachauflagen des früheren Motivs, was relativ häufig vorkomme. "Ich kann mich als Kind erinnern, dass ein Wasserbassins nicht existierte, die Treppen und der Steingarten aber noch bestanden", sagt Feustel, der Jahrgang 1949 ist. Dies belegen auch private Fotos aus jener Zeit. Als Zehnjähriger machte Günter Feustel übrigens auch schon mit beim NAW: "Die Bäume, die wir damals am Unteren Bahnhof gepflanzt haben, stehen immer noch."

Vor der Anlage des Parkes im 19. Jahrhundert diente die Fläche übrigens als Schießareal für die "Privilegierte Auerbacher Schützengesellschaft". Deren Vereinshaus, das "Alte Schießhaus", befand sich nach Feustels Dokumenten auf der Freifläche unterhalb der Geschwister-Scholl-Schule oder dem ehemaligen Wema-Geländen. Später seien die Schützen dann wegen der nahen Bahnlinie in den Bereich des bekannten Schützenhauses an der Göltzsch umgezogen, das nach langem Verfall vor drei Jahren abgerissen wurde.

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