Glyphosat: Jetzt steigt auch der Vogtlandkreis aus

Ein Grünen-Antrag ist mit großer Mehrheit bestätigt worden. Kehrseite: mehr "Unkraut" als bisher und erhebliche Folgekosten.

Auerbach.

Der Vogtlandkreis hat den nahezu kompletten Ausstieg aus dem Einsatz von Pestiziden beschlossen und insbesondere dem Totalherbizid Glyphosat den Kampf angesagt. Ein Sieben-Punkte-Plan der Grünen fand im Kreistag eine klare Mehrheit. 61 Kreisräte stimmten zu, sieben enthielten sich der Stimme, acht lehnten den Antrag ab.

Der Beschluss umfasst das Einsatzverbot für Pestizide, da diese giftig auf Organismen wirken, und hebt besonders das Pflanzenschutzmittel Glyphosat hervor. In ihm sehen Umweltschützer inzwischen das Symbol für das Artensterben schlechthin. Der Beschluss umfasst zudem ein Pestizid-Verbot für private Firmen, die im Auftrag des Vogtlandkreises tätig sind. Selbst bei laufenden Verträgen müsste die Kreisbehörde dahingehend auf "freiwillige Einigung" drängen. Auch beim Abschluss von Pachtverträgen soll das Pestizid-Verbot Stück für Stück umgesetzt werden.

Einzige Ausnahme: die Gefahrenabwehr. Machen sich invasive Arten wie der bei Berührung toxisch wirkende Riesenbärenklau breit, kommt die chemische Keule wieder ins Spiel. Allerdings nicht automatisch: Der zum Beschluss erhobene Grünen-Antrag fordert eine Genehmigung der Naturschutzbehörde und zusätzlich die schriftliche Zustimmung des Landrates. Ob und in welcher Weise die aufwendige Umsetzung kontrolliert werden soll, lässt der Beschlusstext offen. "Der Vogtlandkreis sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten den Einsatz reduzieren", formulierte Kreisrat Olaf Horlbeck die Erwartungshaltung der Grünen. Auch der Schutz der Ernten sei sicherzustellen.

Darüber hinaus ist der Vogtlandkreis nunmehr verpflichtet, den zugehörigen Kommunen beim Pestizidausstieg unterstützend zur Seite zu stehen. An dem Punkt ist allerdings die vogtländische Realität eine andere. Zu den inzwischen gut 500 deutschen Kommunen, die dazu Beschlüsse gefasst haben und bereits umsetzen, gehören Städte wie Plauen, Reichenbach, Treuen, Rodewisch, Markneukirchen und Bad Elster. Viele haben ihre Erfahrungen gemacht mit der Anwendung alternativer Verfahren. Die sind entweder arbeitsintensiv - Stichwort Unkrautzupfen - oder verbrauchen viel Energie: Heißschaum, Heißwasser, Gas-Brenner. Ein Großversuch in Plauen untermauerte dies. Und Auswege? Adorfs Bürgermeister Rico Schmidt (SPD) empfahl kürzlich, Bezieher staatlicher Unterstützung beim Unkrautjäten einzusetzen.

Unterm Strich werden sich die Vogtländer an mehr Unkraut oder Wildkraut gewöhnen müssen. Die Grünen fordern daher, auf der Internetseite des Kreises die Bedeutung der Biodiversität (biologische Vielfalt) offensiv darzustellen und das resultierende "geänderte Erscheinungsbild" von Parks, Schulhöfen, und Wegen zu thematisieren.

"Wir können das alles machen", sagt Daniel Hirsch, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Vogtland, "aber irgendjemand muss es bezahlen." Ohne Chemie im Acker gebe es Mehraufwand bei der Bodenbearbeitung, betont der Chef der Agrargenossenschaft Losa. Sachgerecht angewendet, hält Daniel Hirsch den weiteren Pestizideinsatz für sinnvoll - übrigens auch unter Klimaaspekten. "Glyphosat wäre ein Baustein, um Kohlendioxid im Boden zu binden."

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