Graffiti-Sprayer entern die Flotte der Mitteldeutschen Regiobahn

Ein Drittel aller Züge des Bahnunternehmens fährt inzwischen bunt durch Sachsen. Die MRB wehrt sich.

Reichenbach/Leipzig.

Als die silbergrauen Züge der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) in Sachsen am 15. Juni erstmals zwischen Dresden und Hof Passagiere beförderten, ging ein Raunen durchs Land. Schick, modern, zeitgemäß - irgendwie anders als viele der vom Branchenführer Deutsche Bahn eingesetzten Oldtimer auf Schienen.

Doch inzwischen ist ein Drittel der 29 Züge, die das Tochterunternehmen des französischen Transdev-Konzerns in Sachsen im Einsatz hat, mit Graffiti beschmiert worden. Zur Schadenshöhe gibt die Pressestelle der MRB in Leipzig insgesamt eine Summe im unteren fünfstelligen Bereich an.

Doch was tun? Die Mitteldeutschen Regiobahn geht jetzt in die Offensive. "Im engen Austausch mit der Bundespolizei versuchen wir durch verstärkte Präsenz die Vandalismusschäden einzudämmen", erklärt das Unternehmen. Neben der Videoüberwachung in den Schienenfahrzeugen gibt es nun auch auf die Züge geklebte Zeugenaufrufe. Um die Verursacher zu ermitteln, bitten MRB und Bundespolizei auch um anonyme Hinweise. Die Bundespolizei hält diesen Schritt für sinnvoll, dämpft aber zugleich die Erwartungen. "Die Aufklärungsrate ist gering, doch um so wichtiger sind Zeugenaufrufe", erklärt Eckhard Fiedler, Sprecher der Bundespolizeiinspektion in Klingenthal. Diese Polizeibehörde ist im Vogtland, im Zwickauer Raum und Teilen des Erzgebirges zuständig für das Geschehen auf der Schiene.

Graffiti sind ein massives Problem. Betroffen sind auch Züge der S-Bahn und der Vogtlandbahn. Wenn die Bundespolizei mal einen Ermittlungserfolg landet, lassen sich meist etliche Fälle aufklären. Die Verursacher der Graffiti sind meist Gruppen, die ihr Handeln sportlich sehen, ihren Stil pflegen und sich ironisch auch Aerosol-Junkies nennen. Ihre Machwerke dokumentieren sie meist gut. Oft liefern sie damit ungewollt die Beweise ihrer Straftaten.

Die Mitteldeutsche Regiobahn ist übrigens erstmals im April von der Graffiti-Szene heimgesucht worden. Zu einem Zeitpunkt, als zwischen Dresden und Hof noch die Deutsche Bahn verkehrte. Ein Teil der neuen, im Alstom-Konzern hergestellten Elektrozüge vom Typ Coradia Continental war im Eisenbahnmuseum Chemnitz-Hilbersdorf abgestellt. Die Sprayer schlugen Ostern zu.

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