Handwerk punktet zur Kirmes

Im bunten Programm der Ellefelder Kirmes zog es am Wochenende viele Besucher auch zum Glasmalen und Weben ins Obere Schloss.

Ellefeld.

Jeder Pinselstrich muss sitzen. Und jeder Farbpunkt genau dort landen, wo ihn Marlies Patzloff haben möchte. Das gestaltet sich alles andere als einfach. Denn die Details sind winzig: Auf der wenige Zentimeter kleinen Malfläche muss eine ganze Landschaft samt Häuser untergebracht werden. Zur dreitägigen Ellefelder Kirmes mit Musik, Tanz, Sport, Spaß, Ausstellungen und urigem Schauhandwerk zeigte sie, was eine Glas- und Porzellanmalerin drauf hat.

Viele Kirmesbesucher blieben länger an Marlies Patzloffs Stand im Oberen Schloss hängen. Das ist die Kunsthandwerkerin aus Gösseldorf bei Lauscha gewohnt. "Woanders blieb mal einer so lange stehen, bis die Kugel fertig war", erzählte sie. "Manchmal können die Leute einfach nicht glauben, dass das Handarbeit ist." Vor Besucheraugen werden aus matten Rohlingen bemalte Kugeln, Figuren, Gefäße und andere dekorative Objekte mit und ohne Beleuchtung. In der Glas- und Porzellanmalerei hat Marlies Patzloff ihren Traumberuf gefunden. 2016 gründete die 36-Jährige ihre Firma.

Wie viel Zeit im Endprodukt steckt, kann Marlies Patzloff gar nicht sagen. "Ich arbeite meist parallel an mehreren Objekten", erklärte sie und beschrieb ihre Vorgehensweise an einer Winterlandschaft. Zuerst wird die Oberfläche grundiert. "Dabei zeichne ich die Häuser schon vor." Im nächsten Schritt machte sie sich an die Detailarbeit und ergänzt Landschaften. Dann folgten Feinheiten. Fenster zum Beispiel, durch die das dahinter platzierte Teelicht scheint. Mit einer Nadel wurde die Farbe an jenen Stellen weggekratzt. Zum Schluss ließ es Marlies Patzloff schneien und den veredelten Glaskörper mindestens eine Stunde trocknen.

Zwei Etagen höher setzte Gerhard Schädlich einen Handwebstuhl aus den 1950er Jahren wieder in Gang. Auch um ihn herum bildeten sich immer wieder Besuchertrauben. Manche verfolgten den Ablauf still, andere hatten Fragen. Einer sagte, er sei erstaunt, dass so etwas noch zur DDR-Zeit im Einsatz war. "Der stand in der Reichenbacher Ingenieurfachschule und stand Studenten zur Verfügung", antwortete Gerhard Schädlich. "Daran kann man die Funktionsweise am besten nachvollziehen." Vor etwa fünf Jahren holte ihn die Gemeinde auf Initiative der Ellefelder Heimatfreunde als Schlossherren in das historische Gemäuer.

Gerhard Schädlich beschränkte sich am Wochenende auf die Herstellung von ein paar Zentimetern Leinwandbindung. "Das ist am einfachsten. Wie Stopfen", erklärte der 71-jährige Ellefelder. Er selbst lernte Zerspaner. Appetit auf Handwebstühle bekam Gerhard Schädlich vom Vater seiner Frau. Der war Berufsweber.

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