Kriegsrecht in Falkenstein: Als Hoelz den Häschern entkam

Vor 130 Jahren wurde Max Hoelz geboren, vor 100 Jahren sorgte der umstrittene Arbeiterführer in Falkenstein und Umgebung für Aufruhr. Ein weiteres Dokument aus dieser Zeit liegt nun vor, und eine alte Broschüre aus der Feder von Hoelz ist neu aufgelegt worden.

Falkenstein.

An Max Hoelz (1889 bis 1933) scheiden sich bis heute speziell in Falkenstein die Geister: Für die einen ist er nur der "Zündel-Max", der Villen im Stadtgebiet niederbrannte und auch vor Sprengstoffanschlägen nicht zurückschreckte; die anderen sehen in ihm eine Art roten Robin Hood, der bei den Reichen nahm und den Armen gab und von der Reaktion übel verleumdet wurde. Der Auerbacher Peter Giersich hebt eher die positiven Seiten des umstrittenen Kommunisten hervor, sein "Freundeskreis Max Hoelz" will auch den 130. Geburtstag des Revolutionärs (am 14. Oktober) nicht ohne Würdigung verstreichen lassen.

Pünktlich zum Jubiläum hat Hoelz-Forscher Giersich ein neues Stück für seine umfangreiche Sammlung ergattert: Ein Plakat, mit dem am 22. Juni 1919 in Falkenstein das Kriegsrecht verhängt wird. Unterzeichnet ist es von Generalmajor Pilling, dessen Enkel hat das gute Stück abgegeben. Es erinnert an chaotische Zeiten unmittelbar nach dem Ende des 1. Weltkriegs, als die alte Ordnung zusammenbrach, es allein in Falkenstein 3000 Arbeitslose gab, viele Menschen weder Kartoffeln zum Essen noch Kohlen zum Heizen hatten und Verzweiflung um sich griff. Über die damalige Situation berichtete Max Hoelz selbst in einem Büchlein "Die Vorgänge in Falkenstein", das Peter Giersich ein Jahrhundert später in einer Auflage von 100 Stück als Broschüre neu auflegen lassen hat.

Hoelz war ab April 1919 Vorsitzender des kommunistischen Arbeitslosenrates und bemühte sich um die gerechte Verteilung lebensnotwendiger Güter, wobei er sich um Eigentumsrechte nicht scherte. In der Folge marschierte die Reichswehr insgesamt dreimal in Falkenstein ein, wobei es auch zur erwähnten Verhängung des Kriegsrechtes kam. Hoelz seinerseits nahm den Bürgermeister und andere Honoratioren der Stadt als Geiseln, um gefangene Genossen freizupressen. Er selbst wurde zwar festgenommen, aber insgesamt dreimal wieder befreit. In dem Heft schildert er die damaligen Vorgänge "polemisch", wie Giersich einräumt: Nicht nur die Vertreter des Bürgertums, sondern auch Anhänger von SPD und USPD werden von ihm als Verräter, Lügner, Fälscher und Feiglinge geschmäht.

Da er sich wenig um Parteidisziplin scherte, wurde Hoelz in der DDR zunächst stiefmütterlich behandelt. Das änderte sich erst kurz vor Ende des Arbeiter- und Bauern-Staates: Vom 7. bis 14. Oktober 1989 gab es zu seinen Ehren in Falkenstein eine Festwoche, in deren Rahmen auch zwei Büsten enthüllt wurden. Die damalige Hoelz-Ausstellung im Falkensteiner Museum hat Peter Giersich maßgeblich gestaltet. "Erst hieß es, Honecker kommt zur Eröffnung", erinnert er sich. "Dann sollte Kurt Hager kommen. Am Ende kam Siegfried Lorenz, erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt." Wenig später waren die Funktionäre abgesetzt und die Büsten weggeräumt.

Aus Anlass des 130. Geburtstages von Max Hoelz lädt der gleichnamige Freundeskreis am Montag, 14. Oktober, 17 Uhr, zu einem Filmabend in den Ritterhof in Auerbach, Rathenaustraße 2, ein. Gezeigt werden der Hoelz-Film von Günter Jordan (DDR 1989) und eine kurze Dokumentation der Hoelz-Ehrung von 1989 in Falkenstein.

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