Nach Versetzung von Karin Hohl: Unruhe im Umweltzentrum

Statt um Wölfe soll sich die bisherige NUZ-Leiterin künftig um Borkenkäfer kümmern. Die Hintergründe des Wechsels sind unklar, auch die neue sächsische Wolfspolitik spielt wohl eine Rolle.

Oberlauterbach.

Als "deprimierend" wertet Michael Thoß die überraschende Versetzung der bisherigen Leiterin des Natur- und Umweltzentrums (NUZ) in Oberlauterbach, Karin Hohl, auf eine andere Stelle im Landratsamt. Thoß ist Vorstandsmitglied des NUZ-Fördervereins, über den sämtliche Mitarbeiter des Zentrums angestellt sind - bis auf Karin Hohl (55), die direkt zum Vogtlandkreis-Personal zählt. "Frau Hohl hat das NUZ in den letzten zehn Jahren zu dem gemacht, was es ist - sie hat das Umweltzentrum gelebt", meint Thoß. Zu den Hintergründen des Vorgangs ist laut Thoß im NUZ nichts bekannt. Die Art und Weise sorge dort für "Verunsicherung" und "Gerüchte".

Karin Hohl ist zur Zeit im Krankenstand. Auch sie sei von der Versetzung, die vor einer Woche öffentlich wurde, kalt erwischt worden, bestätigt sie auf Anfrage. Künftig werde sie sich in der Forstbehörde dem Thema Borkenkäfer widmen. "Mit Leib und Seele" habe sie sich in den letzten Jahren für Umweltpädagogik und Wildtier-Monitoring eingesetzt und viel Herzblut investiert: "Ich hoffe, dass mein Wissen irgendwann wieder gebraucht wird." Die Entscheidung des Landratsamtes kommentierte sie nicht weiter.


Zu den Gründen des Wechsels gibt die Pressestelle des Kreises keine Auskunft. Sie teilt aber mit, die ab 3. Mai gültige Umsetzung habe "nichts mit den Leistungen oder gar der Person von Frau Hohl zu tun", sondern sei ausschließlich "dienstlichen Erfordernissen geschuldet". Der bisherigen Leiterin gebühre Dank "für ihre engagierte und sehr gute Arbeit im NUZ". Sie habe wesentlichen Anteil daran, dass das Zentrum in der Öffentlichkeit so gut wahrgenommen werde. Das NUZ arbeite unverändert weiter. Eine Managerstelle habe man neu besetzt, eine zweite Ausschreibung stehe an. Karin Hohl war im Kreis für geschützte Raubtiere wie Wölfe, Wildkatzen und Luchse zuständig. Diese "bisherige Hauptaufgabe" der NUZ-Chefin werde durch die im April beschlossene sächsische Wolfsmanagementverordnung völlig neu geregelt. Der Freistaat übernehme zum Thema Wolf selbst Monitoring, Rissbegutachtung und Beratung von Tierhaltern. Die Zuständigkeit für Wildkatzen und Luchse bekomme ein anderer Mitarbeiter. Sachsen schließt derzeit auch das traditionsreiche "Kontaktbüro Wölfe" in der Lausitz, stattdessen wird ab Juni eine Fachstelle Wolf in Landesregie im Kreis Meißen angesiedelt.

Für Michael Thoß wirft das Vorgehen des Kreises generelle Fragen auf. Er weist darauf hin, dass der Freistaat seine Zuschüsse für Natur- und Umweltschutz stark erhöht habe. In Nachbarkreisen würden Naturschutz-Stationen deshalb "gepusht", erhielten mehr Geld und neue Mitarbeiter. Im Vogtland geschehe nichts - abgesehen von der Versetzung der Leiterin. "Im NUZ beziehen viele Mindestlohn", so Thoß. "Dabei sollte für qualifizierte Arbeit ordentlich bezahlt werden."

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 9
    1
    1212178
    25.05.2019

    Schon seltsam- war sie zu ehrlich? Maulkorb kurz vor der Wahl?

  • 8
    1
    Tauchsieder
    25.05.2019

    Zum Borkenkäferzählen abkommandiert, was für ein Karrieresprung.
    Ist da etwa jemand in Ungnade gefallen, oder hat es lediglich damit zu tun, dass der Landkreis in Sachen Umweltschutz völlig neben der Spur läuft?
    Beispiele gebe es ja zuhauf.



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