Neonazis und Image von Plauen

Plauen und die marschierenden Rechtsextremen: Nach der Demo am 1. Mai gehen Bilder durch die Nachrichten, die der Stadt einen braunen Stempel verpassen.

Plauen.

Die Stadt hat ihn hinter sich. Diesen 1. Mai, der friedlicher lief als andere Maifeiertage, und bei dem sich viele Menschen an dem Polizeihubschrauber am Himmel störten. Der machte Krach, morgens, mittags und nachmittags.

Nicht hinter sich hat Plauen das, was von diesem Tag am Image der Stadt kleben bleibt. Das ist ähnlich wie mit Löwenzahnflecken auf weißen T-Shirts. Auch die gehen nicht so schnell weg. Von den Demonstrationen in Plauen gehen Fotos und Schlagzeilen durchs Internet und durch die bundesweiten Nachrichten, die der Stadt einen braunen Stempel verpassen. Was sie zeigen, haben die meisten Menschen in Plauen nicht wahrgenommen am Mittwoch. Es entspricht nicht ihrem Bild vom Geist der Stadt.


Fakt ist aber, dass die Rechtsextremisten des Dritten Weges bei ihrer Veranstaltung geschickt für Foto- und Videomotive gesorgt haben. Schlagzeile der Bild-Zeitung: "Neonazi-Fackelmarsch in Plauen". Die Fackel-Szene dauerte wenige Minuten. Als die Neonazis am Wartburgplatz losmarschierten, trampelten sie zuerst über eine Europafahne, die sie sich auf der Straße zurechtgelegt hatten. Dann zündeten sie Signalfackeln. Aus denen spritzte Feuer und grüner Qualm, so grün wie ihre Parteifahnen. Solche Fackeln brennen nur kurz. 16 Stück durfte der Dritte Weg anzünden, das hatte das Landratsamt als zuständige Versammlungsbehörde genehmigt. Die Fackeln brannten gleichzeitig. Weil 16 eine unrunde Zahl ist, könnte man den Faden weiterspinnen. 8 und 8 sind 16 und Lieblingszahlen in Nazi-Kreisen. Sie stehen für das H, den achten Buchstaben im Alphabet. 8 und 8 gilt als Formel für "Heil Hitler". Die Schlagzeile im "Neuen Deutschland": "Plauen im grünen Naziqualm". Und im "Stern" heißt es: "Rechter Aufmarsch: Mit Fackeln und Trommeln durch Plauen". Das Magazin schreibt in seiner Online-Ausgabe davon, dass sich in Plauen verstörende Szenen abspielten und dass die Gruppierung in Uniform und mit Trommeln durch die Stadt zog. Vertreter des Landratsamts liefen nebenher und beobachteten. Dass die Rechtsextremen in ihren einheitlichen braun-beigen T-Shirts an einen SA-Trupp erinnerten, bleibt erst einmal im Raum stehen. Denn eigentlich dürfen sich Demonstranten nicht uniformieren.

Aber es gab extra ein T-Shirt für ihre Inszenierung in Plauen. Im Sprachgebrauch der Gruppe heißt es "Aktivistenhemd", es gibt taillierte für Frauen und legere Männer-Schnitte. Der Dritte Weg hatte dafür geworben, dass sich die Demo-Teilnehmer das Parteihemd zulegen. Man spricht nicht von T-Shirts.

Im Internet kann man sich Videos vom Wartburgplatz am Mittwochmittag anschauen. Dort tanzen Frauen in langen Röcken und Männer mit gelsteifen Scheiteln Volkstänze. Das gehörte zum "Straßenfest", wie der Dritte Weg die Veranstaltung auf dem Platz nannte. Die Anwohner hatten die Rollläden heruntergelassen. Auch diese Sequenzen wurden gefilmt und machen nun die Runde. Bundesweit haben die Medien Notiz genommen. "Spiegel online" schreibt: "Dass die größte Kundgebung des deutschen Neonazi-Spektrums in Plauen stattfindet, ist kein Zufall. Die Kleinpartei Der Dritte Weg hat sich 2016 hier eingenistet. Seither versucht sie, die Zivilgesellschaft zu infiltrieren."

Warum wurden Fackeln erlaubt? Warum wurden die uniformartigen T-Shirts zugelassen? Das Landratsamt versucht, das zu erklären. Zuerst die Fackeln. Vergangenes Jahr, als der Dritte Weg auch durch Plauen marschiert war, habe die Versammlungsbehörde die Fackeln verboten. Die Rechten klagten dagegen, das Verwaltungsgericht Chemnitz hob das Verbot auf, heißt es aus der Pressestelle der Kreisverwaltung. Zumindest habe man erwirkt, dass sie die Fackeln nur auf dem Wartburgplatz verwenden dürfen.

Bei dem hellbraunen Einheitslook sah die Behörde keinen Handlungsspielraum und bezieht sich auf das sächsische Versammlungsgesetz. Dort heißt es, dass Kleidungsstücke dann verboten sind, wenn sie einschüchternd wirken und Gewaltbereitschaft ausstrahlen. Einer verwaltungsgerichtlichen Nachprüfung hätte das Verbot nicht standgehalten, vermutet der Landkreis. Die Linken wollen die Einheitsshirts und die Fackeln im Landtag thematisieren. Fraktionschef Rico Gebhardt und die vogtländische Landtagsabgeordnete Janina Pfau haben das in einer Erklärung angekündigt.

In den bundesweiten Schlagzeilen steckt Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) massiv Kritik ein. Er schaue lieber weg, schreibt "Spiegel online". Oberdorfer sagt zu den neuen Bildern aus Plauen: "Einen Imageschaden hat jede Stadt und ganz Sachsen aus der Auseinandersetzung der letzten Jahre über fremdenfeindliche und extremistische Bewegungen. Der Schaden für Wirtschaftsbetriebe und Tourismus ist klar festzustellen. Die Zivilgesellschaft kann mit jeder einzelnen Stimme, die zur Kommunal- und Europawahl abgegeben wird, ein klares Bekenntnis für Toleranz, Weltoffenheit, Demokratie und moralische Grundwerte abgeben."

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