Rote Anhänger für die Mülltonnen

Nicht geleerte Mülltonnen werden künftig mit einem roten Anhänger kenntlich gemacht. Zeit zum Ausfüllen bleibt auch.

Plauen.

Die Reaktionen auf die Veröffentlichung im aktuellen Kreisjournal sind eindeutig. Sie reichen von "bescheuert" über "Das wird immer abstruser" bis zu "Die Schildbürger lassen grüßen". Die deftigen Worte beziehen sich auf diese Bekanntmachung: Seit 1.Juni kennzeichnet die Kreisentsorgungsgesellschaft Vogtland (Kev) "falsch bereit gestellte" Abfallbehälter mit einem roten Anhänger.

Das Abfallamt der Kreisverwaltung hat das auf Nachfrage bestätigt. Amtsleiter Andreas Schautschick: "Leider gibt es immer noch Anrufe, dass Behälter nicht geleert wurden." Der Anhänger soll dazu dienen, den Eigentümern Gründe zu vermitteln. Müllwerker vermerken darauf, ob der Behälter überfüllt war (und deshalb der Deckel nicht schloss), die Tonne nicht mit dem Griff zur Straße abgestellt oder was sonst der Fall war. 2000 derartige Anhänger hat die Kev für 450 Euro anfertigen lassen.


Bereits seit 1. Januar gilt, dass Mülltonnen "mit Griff zur Straßenseite" zeigen müssen, wenn sie entleert werden sollen. Begründet wurde die Neuregelung unter anderem damit, dass für die Müllwerker mit ihrem Lesegerät so der Transponderchip an den neuen Tonnen schneller zu erfassen ist. Denn neuerdings wird - das ist vor allem neu für das Stadtgebiet Plauen - auch stärker nach der Zahl der Leerungen abgerechnet. Außerdem hatte das Abfallamt auf Nachfrage im Februar zu der bis dahin wenig bekannten Regel erklärt: "Wie soll der Müllwerker entscheiden, ob geleert werden soll? Soll er jedes Mal in den Behälter schauen, ob dieser voll ist? Ab wann ist er als voll anzusehen?" Das sei den Müllwerkern nicht zuzumuten, hieß es. Mit anderen Worten: Zum Nachschauen bleibt keine Zeit. Zum Ausfüllen des Anhängers schon.

So viel Bürokratismus stößt bei den Vogtländern auf wenig Gegenliebe: "Den Anhänger nicht nur einfach anbringen, sondern auch noch ausfüllen. Das spart so richtig Zeit", merkt einer ironisch an. Und ein anderer vermutet sarkastisch, dass demnächst wohl jedes Müllfahrzeug eine eigene Sekretärin mit an Bord haben werde.

Schautschick hält die "Mit dem Griff zur Straße"-Regel unterdessen nach wie vor für berechtigt. Sie sei ein "eindeutiges Zeichen für Fahrer und Bürger, dass eine Leerung gewünscht ist". Eine Zunahme illegaler Müllentsorgung aufgrund nicht geleerter Behälter befürchtet der Amtsleiter nicht: "Wir gehen davon aus, dass die Eigentümer ein Interesse an der Klärung haben und umweltbewusst handeln."

Im Vogtlandkreis sind insgesamt 105.000 neue Rest-und Bioabfallbehälter aufgestellt. Bei nicht entleerten Tonnen handele es sich "um einen sehr geringen Teil der täglich zu leerenden Behälter".

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