Schaustickerei will Rätsel lösen

Das Museum in Reusa besitzt den vermutlich ältesten Vergrößerungsapparat. Hersteller war ein Plauener Unternehmen, über das die Einrichtung noch mehr wissen möchte. Gibt es noch Nachfahren von Gustav Wollner?

Plauen.

Beim Begriff "Vergrößerungsapparat" denken Fotoamateure an die Dunkelkammer, in der früher aus kleinen Negativen größere Papierbilder gemacht wurden. Aber auch in der Stickerei arbeitete man einst mit einem Gerät, das diese Bezeichnung getragen hat. Es vergrößerte die Vorlage des Zeichners sechs Mal. "Durch die größere Darstellung verringern sich die Fehler", erklärt Frank Luft, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Schaustickerei am Obstgartenweg, in der ein solches Gerät von Ende des 19. Jahrhunderts steht. Vermutlich ist es der älteste Apparat dieser Art, den es überhaupt noch gibt.

"Uns ist jedenfalls kein älteres Exemplar bekannt", versichert der Plauener. Die Historiker des Trägervereins der Schaustickerei, des Vereins Vogtländische Textilgeschichte, haben Verbindungen zu Museen in vielen Ländern, die sich mit der Geschichte der Textilindustrie befassen. Außerdem pflegen sie Kontakte zu Fachleuten in aller Welt. Häufig sind auch Gäste aus anderen Ländern in Reusa zu Gast. Ein älteres Vergrößerungsgerät als das mit der Serien-Nummer 202 der Firma Gustav Wollner von der Dobenaustraße, konnten sie bislang nicht ausfindig machen.

Vergrößerungsgeräte mit höherer Seriennummer und damit jüngeren Datums sind vorhanden, aber keine mit kleinerer Nummer. Man wisse aber nur wenig über diesen Hersteller, der mit seinen Produkten erfolgreich gewesen sein muss, zeigt sich der wissenschaftliche Mitarbeiter überzeugt. Denn Geräte mit dem Firmenzeichen von Gustav Wollner "stehen sogar in Italien und in der Schweiz", sagt Frank Luft. In Plauener Adressbüchern von Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts liest man hinter dem Namen des Firmeninhabers zunächst nur den Beruf Klempner und Klempnerwarenhandlung. Die befand sich im Hause Dobenaustraße 30/32, später im Haus Nummer 26. Im Adressbuch von 1912 stehen hinter den Namen Wollner noch die Begriffe "Badeapparate" und "Zeichenapparate".

"Nachfahren der Familie können sich bei uns melden", bittet Frank Luft um Hilfe bei den weiteren Forschungen. Auch Historiker, Heimatforscher oder andere Interessierte, die etwas wissen über diesen Betrieb, können sich in der Schaustickerei melden.

"Wir fassen die Sammlungsgegenstände des Vereins wieder an", begründet das Vereinsmitglied, warum man sich jetzt mit dem seit dem Jahr 1993 im Bestand der Gemeinschaft befindlichen Apparat befasst. Anfassen heißt, dass der Bestand an etwa 10.000 Objekten dokumentiert, fotografiert und dazu recherchiert wird, um besser damit arbeiten zu können. Die 10.000 Objekte, das sind Spitzen, Stickereien, Schablonen für deren Herstellung, Zeichenutensilien, Fotos, Dokumente. Das Material stammt aus dem 20. Jahrhundert, aber auch aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Aber nicht nur die Aufarbeitung der für die Entwicklung Plauens und der Region bedeutenden Textilgeschichte ist wichtig, sondern auch der Erhalt der Gegenstände. Vieles muss bei einer bestimmten Temperatur und Luftfeuchtigkeit gelagert sein. Die Mittel dafür bekommt die Schaustickerei von der Landesstelle für Museumswesen Chemnitz.

Der Vergrößerungsapparat der Firma Gustav Wollner kann in dem Haus am Obstgartenweg besichtigt werden. Auf dem Grundstück lädt seit kurzem auch ein kleines Gartencafé vor und nach den Besichtigungen zum Verweilen ein. Dieses Café wird jetzt in der wärmeren Jahreszeit gut genutzt, freut sich Frank Luft. Das Stickerei-Museum ist Montag bis Samstag jeweils in der Zeit von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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