Streicheleinheiten helfen heilen

Martina Schweizer aus Reumtengrün und ihr Therapiehund Charly sind ein Team. Zusammen bieten sie die sogenannte tiergestützte Intervention an.

Reumtengrün.

Charly hat einen Riecher für Menschen in besonderen Lebenslagen. Das heißt: für körperlich und seelisch Leidende, an Demenz Erkrankte oder Schlaganfall-Patienten. Immer an seiner Seite ist Martina Schweizer. Denn erst zusammen wird gezieltes Helfen möglich. Die Reumtengrünerin hat eine Therapiehunde-Ausbildung absolviert. Sie und Charly besuchen Pflegeheime und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, manchmal auch Kindergärten in der Region und das Falkensteiner Hospiz.

Der Golden Retriever ist aber weit mehr als ein Besuchshund. Als einziges Team im Altkreis Auerbach bieten die beiden tiergestützte Intervention an. Was sich klinisch anhört, ist für Martina Schweizer und den dreijährigen Vierbeiner zwar harte, anspruchsvolle Arbeit. Aber auch eine erfüllende Aufgabe. Mit Reaktions- und Lernspielen, Spaziergängen oder allein durch Charlys Präsenz und Streicheleinheiten helfen sie Menschen beim Erinnern, Wiedererlangen verloren gegangener Funktionen und Lindern von Schmerzen.

"Bei Schlaganfall-Patienten entspannt sich die Hand merklich, wenn sie das Fell berühren", schildert Martina Schweizer Beobachtungen. Verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen kann das Zweierteam unter anderem die Bedeutung von Nähe und Distanz beibringen. Briefträger haben sie schon die Angst vor Hunden genommen. Trotzdem betont sie: "Was ich mache, ist keine Zauberei." Sondern eine Frage des Trainings und der Ressourcen-Nutzung. "Hunde haben eine ähnliche Kommunikation wie Menschen, nehmen aber viel mehr wahr."

Soziale Einrichtungen in unterschiedlicher Trägerschaft nutzen die etwas andere, hierzulande noch seltene Dienstleistung. "Ich biete mich an, und sie müssen das finanzieren", erzählt Martina Schweizer. Hin und wieder erhält sie Anfragen von Privatpersonen. Dabei reicht die Spanne von psychisch kranken Menschen bis zu Geburtstagskindern. "Ich komme zum Beispiel zu Besuch, wenn Kinder keinen Hund haben können", erklärt die 58-Jährige. Bei aller Freude am Helfen achtet sie streng darauf, ihren geduldigen, aber auch selbstbewussten und flotten Charly nicht zu überfordern. Seine tägliche Arbeitszeit darf 50 Minuten nicht überschreiten. "Das strengt sehr an", sagt Martina Schweizer.

Charlys Eltern sind ebenfalls Therapiehunde. Nach einem solchen suchte Martina Schweizer vor drei Jahren gezielt. Früher Chefin der Diakonie im Kirchenbezirk Auerbach und später bei den Johannitern beschäftigt, stand ihr der Sinn nach Veränderung. Nach einer "anderen Sicht auf die Dinge", wie sie sagt. Die Betriebswirtin ließ sich zur Heilpraktikerin für Psychotherapie ausbilden und spezialisierte sich dann auf tiergestützte Intervention. Die notwendige zusätzliche Begleithundeprüfung für therapeutisch aktive Spürnasen legte Charly beim Sport- und Gebrauchshundeverein in Neustadt ab. Dort sind die beiden seit anderthalb Jahren Mitglieder.

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