Stromtrasse Grünbach: Initiative muss sich gedulden

Eine Entscheidung über den weiteren Planungs-verlauf des Grünbacher Abschnitts der 110-kV-Trasse soll frühestens am Jahresende fallen.

Grünbach.

Freileitung oder doch Erdkabel? Welche Richtung die zweite Planänderung zum 110-kV-Netzausbau zwischen Falkenstein und Gunzen nehmen wird, zeichnet sich aller Voraussicht im November ab. Dann muss sich die Landesdirektion Chemnitz als Zulassungsstelle im Planfeststellungsverahren positionieren. "Vom Oberverwaltungsgericht in Bautzen hören wir idealerweise nächstes Jahr", schilderte Rechtsanwalt Sven Kreuter zur Bürgerversammlung am Donnerstag vorsichtig den zeitlichen Fortgang. Kreuter vertritt die Bürgerinitiative Erdkabel Grünbach (BI). Nachdem die engagierten Streiter für eine vollständige Verlegung der geplanten Hochspannungsleitung in den Boden Verfahrensmängel beanstandet und Klage gegen den Trassenbetreiber Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH eingereicht hatten, setzte das Oberverwaltungsgericht Bautzen den Feststellungsbeschluss vor einem Jahr außer Vollzug.

Stein des Anstoßes ist die Umweltverträglichkeitsprüfung. Der Energieversorger bestehe weiterhin darauf, dass eine solche nicht nötig sei, heißt es in einem Schreiben, das die BI an Besucher der Informationsveranstaltung aushändigte. Wesentliche Belange seien auch bei der zweiten Planänderung nicht berücksichtigt worden.


Das betrifft zum einen den Freileitungsabstand zur Wohnbebauung. Der betrage teilweise nur fünf Meter, sagte BI-Mitglied Klaus Linnemann. Aber auch für weniger nah an der Trasse Wohnende rechnet die Initiative mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Und nicht zuletzt Auswirkungen auf die Umwelt. Denn die etwa neun Kilometer lange Freileitung verläuft durch das Naturschutzgebiet Muldenwiesen und das Obere Zwickauer Muldental als so genanntes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet. Der BI zufolge lasse auch die zweite Planänderung notwendige Vogel- und Fledermausschutzmaßnahmen vermissen.

Einige der 70 Versammlungsgäste äußerten Befürchtungen, dass Zufahrtswege zur Baustelle in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. "Wir werden als Gemeinde eine entsprechende Stellungnahme abgeben", versicherte Grünbachs Bürgermeister Ralf Kretzschmann (Initiative Grünbach/Muldenberg). Rechtsanwalt Kreuter erklärte, vor und nach Fertigstellung müsse eine Begehung durch den Leitungsbauer stattfinden. Und - wenn nötig - repariert werden.

Andere Gäste wollten wissen, ob die von 30 auf 110 Kilovolt hochgerüstete Leitung in zehn Jahren mit dem steigenden Strombedarf noch mithalten könne. Kreuter bejahte das. 380 Kilovolt werde es in absehbarer Zeit im Vogtland wohl nicht geben, sagte er.

Fragen prasselten auch auf den Falkensteiner CDU-Landtagsabgeordneten Sören Voigt ein. Die Politik sei in solchen Belangen zu passiv und klopfe dem Trassenbetreiber nicht auf die Finger, hieß es aus dem Publikum. Eine "verträgliche Lösung für Grünbach" sei gewollt, sprach Voigt für sich und andere vogtländische Parteikollegen. "Die Mitnetz hat es aber abgelehnt, sich mit uns an einen Tisch zu setzen. Wir könnten sie auch nicht zwingen, vom Plan abzuweichen." BI-Sprecherin Veronika Linnemann wittert dagegen Chancen. Zwar handele sich um ein laufendes Verfahren, sagte sie. "Aber es ist immer noch möglich, politisch Einfluss zu nehmen."

Bis zum 16. Juli liegen die Unterlagen zur 2. Planänderung für Einsichtnahmen im Grünbacher Rathaus aus. Am 30. Juli endet die Frist, bei der Landesdirektion Chemnitz schriftlich Einwände zu erheben.

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