Tatütata mit Kultstatus

Das gibt es nirgends mehr im Vogtland: eine Feuerwehr mit ausschließlich DDR-Fahrzeugen im Bestand. Doch vor 2020 rollt kein moderner Ersatz für die zwei W50 ins Depot.

Bergen.

Von ihrem Alleinstellungsmerkmal wird - und muss - sich die Freiwillige Feuerwehr Bergen bald verabschieden. Einer der beiden W50 aus dem Hause Industrieverband Fahrzeugbau (Ifa), mit denen sie bei Einsätzen ausrücken, geht in Rente. Baujahr 1985 ist das fast museumsreife Löschfahrzeug. Mit einem Kilometerstand von nicht mal 45.000 könnte es fast als Zweijahreswagen durchgehen. Trotzdem nagt der Zahn der Zeit gewaltig. Ersatz in Form eines kleineren, dafür aber nagelneuen Löschgruppenfahrzeuges rückt näher: Ende 2020 findet der Austausch statt.

Seit 20 Jahren pochen die Bergener auf ein Gefährt frisch aus der Produktionshalle. Das gab es noch nie, und die Wehr besteht seit 139 Jahren. Bevor der Lösch-W50 ankam, hielt man sich mit einem Garant K30 aus den 50er-Jahren über Wasser. Ex-Wehrleiter Volkmar Kluge stellte damals die Weichen für die Umrüstung. Er wechselte 1980 von der Falkensteiner zur Bergener Feuerwehr. In Falkenstein machte der Garant damals Platz für ein neues Einsatzfahrzeug. Der W50 sei moderner gewesen und habe mehr Leute fassen können, so Kluge. Die Pritschen-Besatzung konnte sogar mit dem Fahrer kommunizieren: "Wir hatten ein Telefon hinten drin."

Dann kam die Wende und mit ihr überall der Wunsch nach einem zeitgemäßen Fahrzeug auf. Auch in Bergen. Entgegen der Feuerwehr-Erwartungen ging die Gemeinde Volkmar Kluge zufolge einen Kompromiss ein. Mit anderen Worten: Es reichte nur für einen zweiten W 50, den die Plauener Berufsfeuerwehr ausrangierte. "Und dann wurde ein neues Fahrzeug immer wieder hintenan gestellt." So kam es dann auch, dass die Bergener bis heute als weit und breit einzige ausschließlich mit DDR-Fahrzeugen am Einsatzort erscheinen. "In Mechelgrün gibt es noch einen W50-Tanker, das ist aber ein Zweitfahrzeug", sagt Kluge. Der zweite W50 in Bergener Besitz, ein 2005 zum Feuerwehrfahrzeug umgebautes und geländegängiges Modell TSF Baujahr 1989, bleibt bis auf Weiteres.

Im Ernstfall, der fünf bis zehnmal pro Jahr eintritt, sind den 20 Aktiven kaum mehr Grenzen gesetzt als Umland-Wehren mit neueren Gefährten. Nur eine Rettungsschere fehlt an Bord. Vieles bauten die Kameraden selber so um, dass es ihren Bedürfnissen entsprach. Aber irgendwann reichen auch solche Sonderschichten nicht mehr. "Das Alter merkt man ihm schon an", sagt Wehrleiter Andreas Böhm. Und Kluge: "Unser Hauptfeind ist der Rost." Vize-Wehrleiter Sebastian Ebert beziffert die jährlichen Reparaturkosten auf mindestens 5000 Euro. Im Museum wird der Fahrzeug-Rentner wohl nicht landen. Eine Firma und ein Privatmann sind interessiert.

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