Treuener kämpft sich zurück ins Berufsleben

Ullrich Will hat einen Faible für Holz und besaß eine eigene Werkstatt. Bis 2003 der Infarkt kam. Vor zwei Jahren hat er eine neue Chance bekommen.

Treuen.

Ullrich Will hat eine besondere Beziehung zum Werkstoff Holz. Das spürt man, wenn er von seinem Leben erzählt oder über sein im Herbst in Treuen eröffnetes Möbelgeschäft Casamia spricht. Ist von den dort ausgestellten massiven Holzmöbeln aus Spanien die Rede, gerät er ins Schwärmen. Dabei streifen sein Blick und seine Hand über die Tische aus Mittelmeerkiefer.

Das Geschäft gibt ihm wieder die Chance, selbstständig zu arbeiten. Daran hatte er kaum zu glauben gewagt, nachdem er am 6. Januar 2003 einen schweren Herzinfarkt hatte. Wills linke Körperhälfte war gelähmt. Der Haupternährer der sechsköpfigen Familie verlor auf einen Schlag seinen Broterwerb. Die Rolle übernahm Ehefrau Veronika. Sie, eine Textilgestalterin, schulte zu der Zeit zur Heilerziehungspflegerin um. Das kam Ullrich Will beim Weg zurück ins Leben zugute. Außerdem fand sie schnell eine Festanstellung. Das war wichtig, da ihr Mann keine Rente bekam: Er hatte nicht in die Rentenkasse eingezahlt.

Begonnen hat die Liaison des Treueners mit der Holzbearbeitung mit dem Bau der Wiege für seine Kinder. "Die Wiege habe ich in den 1980er Jahren gebaut, die Sprossen gedrechselt", so der 63-Jährige. Drechseln kann er heute noch. Obwohl er die linke Hand seit dem Infarkt nur schlecht bewegen kann. Entscheidend war, dass er einen Weg fand, trotzdem, das Holz einzuspannen. "Mit einem Mal war ich zurück in meinem Metier und konnte kreativ sein." Die Arbeit half ihm zurück ins Leben. Und sein Glaube. Will: "Wenn ich alles aus Gottes Hand nehme, muss ich den Schlaganfall genauso annehmen, wie meinen Weg danach zurück ins Leben."

Von 1985 bis 1987 arbeitete Ulrich Will beim Forst. Schon damals baute er erste "rohe" Möbel mit der Kettensäge, beispielsweise Gartenbänke. Später schnupperte er in der Werkstatt eines Freundes Tischler-Luft - so viel, dass er sich 1990 selbstständig machte. Eine Ausbildung zum Bearbeiten von Holz besaß der gelernte Mechaniker mit Abitur nicht. Dafür fand er im Großvater seiner Frau einen weiteren guten Lehrmeister - er war Zimmermann.

Ullrich Will stellte Mitarbeiter ein, bewarb sich um Aufträge und nahm die Arbeiten an, die anfielen. Beanstandungen der Berufsgenossenschaft, dass er keine Abschlüsse habe, parierte er. Nach Verhandlungen mit der Handwerkskammer, erkannte diese seine zehnjährige Selbstständigkeit an. "Ich konnte ja nicht weniger als die anderen", sagt Will heute. Trotzdem musste er in Theorie und Praxis nachweisen, dass er einen Betrieb führen kann. Doch dann kam alles anders.

Nach dem Infarkt blieben nur noch Hilfsjobs, um Geld zu verdienen. Zuerst bei einer Firma für Sicherheitstechnik, dann verteilte er per Computer Möbel an Flüchtlinge, wies an der Vogtland-Arena Autos ein. Aber das reichte ihm nicht: Will: "Die Lust und Freude selbstständig zu sein, war noch da."

Vor zwei Jahren kam aus einem Ort bei Passau der Anruf, der ihn dahin zurück brachte. "Ich hatte früher schon einmal Kontakt zur Firma Casamia, weil ich ihre Möbel in meiner Verkaufsausstellung zeigen wollte. Doch die Firma wollte das damals nicht." Anfang 2015 fragte der Casamia-Inhaber in Treuen nach, ob Will noch Möbel verkaufen möchte. Der Vogtländer sagte zu. Die Ausstellung öffnete im Oktober 2016 auf einer Fläche von 220 Quadratmetern. Hergestellt werden die Massivholzmöbel in einer Firma in der Nähe der spanischen Hauptstadt Madrid.

Nachdem er den Weg zurück in die berufliche Selbstständigkeit geschafft hat, hat Will ein neues Ziel: "Ich möchte wieder selber Auto fahren." Das soll dieses Jahr passieren.

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