Verein holt Tabu ans Licht

Neben der Gewalterfahrung sehen sich männliche Opfer oft dem Spott ihrer Mitmenschen ausgesetzt. Der Verein Weissenberg will helfen und erweitert sein Beratungsangebot.

Auerbach.

Menschen, die nach Gewalterfahrungen physischer oder psychischer Natur Hilfe beim Verein Weissenberg suchen, haben jetzt im Vogtland kürzere Wege. Unter dem Dach der Verbraucherzentrale in Auerbach bietet der Verein nach Plauen jetzt auch Beratung in Auerbach an, und zwar in jeder geraden Woche montags von 14 bis 18 Uhr.

Diese zweite Anlaufstelle sei hilfreich, weil Betroffene oft keine Möglichkeit haben, weiter entfernte Beratungsstellen aufzusuchen, so Vereinsgrüner Marcel Schäder. Die Verbraucherzentrale und der Hilfsverein haben einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, so wie vorher schon der Mieterbund Sachsen, der Weiße Ring, der Betreuungs- und Vormundschaftsverein Lengenfeld und die IG Metall, die alle unter dem Dach der Verbraucherzentrale Hilfesuchende beraten. "Damit können wir in unserem Haus in Bereichen Beratung anbieten, die wir selbst nicht absichern", so Heike Teubner, Leiterin der Verbraucherzentrale.

Der Verein Weissenberg betreibt in Plauen drei Schutzwohnungen, die Männern vorbehalten sind. Die Beratungsangebote können beide Geschlechter in Anspruch nehmen, so Schäder. Er gründete den Verein vor zwei Jahren, nachdem er sich im Vorfeld privat um Opfer gekümmert hatte. "Das war aber irgendwann nicht mehr zu schaffen", so der Vereinsvorsitzende. Inzwischen gehören dem Verein 15 Mitglieder an. Eigene Gewalterfahrungen ließen Schäder auch zum Buchautor werden. Unter dem Pseudonym Tami Weissenberg erschien "Darjeeling pur", ein Buch, das sich mit einem männlichen Opfer beschäftigt. Während es in seinem romanhaften Tagebuch um Gewalt im familiären Umfeld der Ehe geht, sei das Spektrum, mit dem sich der Verein beschäftigt, viel breiter. Sozialarbeiterin Jessica Morgner vom Verein berichtet, womit sie es bei ihrer Arbeit häufig zu tun hat: "Um Gewalt im religiösen Umfeld, zwischen Vätern und Söhnen, Bruder und Schwester oder um Mobbing oder Stalking."

"Als ich mein Projekt im Vogtlandkreis bekannt gemacht habe, musste ich mir viele dumme Sprüche anhören, auch von Leuten, von denen man das nicht erwartet", sagt Schäder. Inzwischen habe sich die Situation gebessert. Bis zu 50 Klienten betreue man jährlich. Vernetzt seien die Vogtländer mit Vereinen in Leipzig und Dresden. In der Landeshauptstadt haben die Landes- als auch die Bundesfachstelle ihren Sitz. Als Modellprojekt erhält der Verein Unterstützung vom Freistaat.

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