Verspätete Premiere findet ein unerwartetes Ende

Vier Monate nach der geplanten Premiere hat die Theatergruppe am Rodewischer Gymnasium ein Kriminalstück gegeben. Der Täter blieb bis zum Schluss im Dunkeln.

Rodewisch.

Vom Gastwirt bis zur Putzfrau fallen alle aus den Wolken: Im Damenklo liegt eine Leiche. Wann ist der Messer-Mord geschehen? Und wer hat die Frau um die Ecke gebracht? Viel Arbeit für Kriminalhauptkommissar Albert Decker und seine Mannschaft. Dennoch steht am selben Ermittlungstag fest: Täter ist eine komplett unverdächtige Person.

Zwei Stunden hat die Arbeitsgemeinschaft Theater des Rodewischer Johann-Heinrich-Pestalozzi-Gymnasiums ihre Zuschauer bei der ersten Aufführung im Unklaren über den Ausgang der humoristisch aufbereiteten Meuchel-Geschichte "Duft des Mordes" gelassen. Belegt waren nur etwas mehr als die Hälfte der Sitzplätze. 88 Besucher verteilten sich paarweise in der Aula, um genügend Abstand garantieren zu können.

Auf und hinter der Bühne gaben 20 Schüler alles, vom Sechst- bis zum Zwölftklässler. Obendrein reaktivierte die Gruppe vier Absolventen. Sie hatten im Sommer ihr Abitur abgelegt und stehen jetzt am Beginn ihres Studiums. Ihr Erscheinen machte die Aufführung überhaupt erst möglich. Einer von ihnen ist Louis Bretschneider. "Es wäre schade, wenn das ganze Proben umsonst gewesen wäre", erzählte er. Im August vergangenen Jahres war das Theaterprojekt gestartet worden, sieben Monate später lag es gezwungenermaßen auf Eis. Die Corona-Pandemie funkte dazwischen, und dann war Ferienzeit. Laut Plan sollte das Stück kurz davor über die Bühne gehen. Bis zur Premiere blieb den Akteuren nur ein Monat Zeit, um in ihren Rollen wieder sattelfest zu werden.

Vier Jahre gehörte Louis Bretschneider der Theater-AG an. Deshalb war es für ihn selbstverständlich, seine ehemaligen Mitschüler nicht im Stich zu lassen. Schließlich mimte er den Kommissar und hat zudem eine ganze Menge Bühnenerfahrung vorzuweisen. Trotzdem spielt Lampenfieber immer eine Nebenrolle. Schwierig sei vor allem, sich den umfangreichen Text einzuprägen, sagte Louis Bretschneider. "Und es dann so umzusetzen, dass nichts eingeübt klingt." Zwar wohnt er noch im Vogtland, doch inzwischen ist Student der Politikwissenschaft an der Universität Jena geworden.

Das Kriminalstück stammt von einer speziell auf Schulen zugeschnittenen Theaterbörse. "Wir haben einfach nicht die Zeit, selber zu schreiben", erklärte Edelroth Schwager. Die Lehrerin und Gruppenleiterin ist zwar seit kurzem in Rente, blieb ihren Schülern aber etwas länger erhalten. Eigentlich hätte die Staffelstab-Übergabe an Referendar Paul Bischoff früher stattfinden sollen. Auch da hatte die Pandemie ihre Finger im Spiel. Nächsten Februar wird es so weit sein. "Die AG soll unbedingt bestehen bleiben", sagte er. Seit 2005 gibt es das außerunterrichtliche Angebot.

Service Am Mittwoch und Freitag wird "Duft des Mordes" jeweils ab 19 Uhr in der Aula des Pestalozzi-Gymnasiums Rodewisch aufgeführt. Karten gibt es an der Abendkasse.

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