"Wir müssen größer denken"

Netzschkaus Bürgermeister kündigt im Interview an, dass er das Festareal an der Göltzschtalbrücke zurückhaben und entwickeln will

Der Vogtlandkreis hat nicht allzu viel gemacht aus dem Festgelände an der weltgrößten Ziegelbrücke. Mike Purfürst will das Areal nun spätestens 2018 in eigene Regie übernehmen, um Touristen in der Region zu halten. Ulrich Riedel befragte den Bürgermeister.

"Freie Presse": Es heißt, die Stadt Netzschkau will das Veranstaltungsgelände an der Göltzschtalbrücke vom Kreis zurückhaben. Ist das richtig?


Mike Purfürst: Definitiv. Spätestens 2018 wollen wir die Planung in eigener Regie übernehmen. Der Vogtlandkreis ist bereit dazu.

Wie ist es denn bisher geregelt?

Das Areal befindet sich auf Netzschkauer Flur. Die Stadt hat einen Vertrag mit dem Vogtlandkreis, der das Gelände betreiben soll, der Kulturveranstaltungen und derlei bietet.

Philharmonic Rock lief seit jeher stabil erfolgreich. Und sonst?

2005 wollte der damalige Landrat als Betreiber neuen Schwung hereinbringen. Er sprach vom Gelände, als hätten bis dahin hier alle geschlafen. Aber wenn ich das so sehe ...

... ist da leider auch heute nicht viel los. An der größten Ziegelbrücke der Welt, an diesem einzigartigen Baudenkmal. Wie wollen Sie Besucher anlocken?

Touristen, die hier kurz anhalten, müssen wir in der Region halten. Wir wollen Sachen bieten, damit die Leute sagen: Ist cool hier.

Gibt es konkrete Pläne?

Konzepte existieren bereits. Wir kennen doch das Gelände. Wir müssen größer denken und es anders entwickeln. Wir müssen endlich Göltzsch- und Elsterradweg miteinander verbinden. Radtourismus geht nur mit einer guten Infrastruktur. Wir müssen die provisorische Brücke gegen eine radfahrergeeignete austauschen, die entsprechend auf Parkplatz-Höhe beginnt.

Klingt gut. Woher soll das Geld dafür kommen?

Wir brauchen vor allem Partner. Fördermittel dürften jedenfalls kein größeres Problem sein. Je nach Programm können wir 80 und sogar 90 Prozent Zuschüsse erhalten.

Okay. Mit einem Radwegenetz dürften mehr Besucher kommen. Die erwarten aber auch weitere touristische Angebote.

Wir brauchen annehmbare Gastronomie unter Ausnutzung des Geländes. Da gibt es bereits Ideen. Den Ansatz werden wir verfolgen.

Seit der Demontage des Vogtlandballons fehlt eine Attraktion. Außerdem wirkt das Ballongelände wenig einladend. Wie wollen Sie das angehen?

Die Betonklötze müssen wir zurückbauen, auch der WC-Container ist keine Lösung. Dort könnten Caravan-Stellplätze entstehen. Urlaub im Wohnwagen ist in, damit könnten wir weitere Urlauber zum Bleiben bewegen, die dann die Gegend per Rad erkunden - mit der Göltzschtalbrücke als Kulisse.

Seit vielen Jahren leistet der kleine Fremdenverkehrsverein mühselige Kleinarbeit und berät Touristen. Spielt der in Ihren Überlegungen eine Rolle?

Selbstverständlich. Ich habe Geschäftsführer Dr. Krauß vom Tourismusverband Vogtland angetragen, eine ordentliche Touristinformation an der Göltzschtalbrücke zu etablieren, in der die Beratung dann angeboten wird. Die Brücke ist nicht nur das spektakulärste Baudenkmal hier, sondern steht fast genau in der Mitte des neuen sächsisch-thüringischen Verbandsgebietes. So könnten wir die Göltzschtalbrücke nutzen, um auf andere Schönheiten des Vogtlandes hinzuweisen. Auf diese Weise würden wir sie richtig vermarkten.

Philharmonic Rock heißt in diesem Jahr erstmals Rock Classics, weil die früheren Akteure nicht mehr miteinander können oder wollen oder beides zugleich. Wie sehen Sie den Konflikt?

Das ist schon jetzt ein großer Imageschaden. Ich würde mich freuen, wenn die Wogen geglättet werden. Das Thema ist durch den Streit negativ belegt. Alle sollten sich vor Augen halten: Wir wollen eine Region gemeinsam entwickeln.

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