Zoff um Baurecht: Ortsteil wirft Auerbach Unwillen vor

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Ob auf einer Grünfläche in Schnarrtanne gebaut werden kann oder nicht, sei eine Willenssache, sagt der Ortsvorsteher. Der Auerbacher Bauamtsleiter hatte zuvor die ablehnende Haltung mit dem komplizierten Baurecht begründet.

Schnarrtanne.

Im Schnarrtanner Ortschaftsrat sind die Meinungen gemacht: "In meinen Augen ist das Willenssache", stellte Ortsvorsteher Udo Löschner in der jüngsten Sitzung seines Gremiums noch einmal zur Sache fest und erntete unisono Zustimmung. Man bemühe sich seit Jahren darum, dass sich junge Leute ansiedeln. Doch statt dies zu unterstützen, bekomme man "ständig Knüppel in die Beine geworfen", stellte auch Feuerwehrmann Günter Heine fest, der mit jedem Zuzug auf aktive Mitstreiter in seiner Truppe hofft. Der gesamte Ortschaftsrat fordert von der Stadtverwaltung einen Konsens im Sinne eines Entgegenkommens.

Hintergrund ist ein Streit um ein über 2000 Quadratmeter großes Grundstück am Sonnebergweg in Schnarrtanne. Eine Familie hat es offenbar gekauft, um dort zu bauen. Doch nur für einen kleinen Randstreifen der Fläche besteht Baurecht, beim Rest handelt es sich um Grün- beziehungsweise Ackerfläche, die im Außenbereich liegt. Um das gesamte Grundstück zur Baufläche zu machen, müssen laut Bauamtsleiter Patrick Zschiesche die gültige Klarstellungssatzung und parallel der Flächennutzungsplan geändert werden. Letzterer befinde sich aktuell gerade im zweiten, städteverbundweiten Änderungsverfahren. Das heißt: Erst wenn das in etwa zwei Jahren abgeschlossen sei, könnte die dritte Änderung und gleichzeitig die der Klarstellungssatzung angeschoben werden. Zschiesche spricht von bis zu fünf oder sechs Jahren, bevor auf dem Grundstück am Sonnebergweg gebaut werden könne.

Das wollen die Schnarrtanner offenbar nicht akzeptieren. Während Zschiesche gegenüber "Freie Presse" erklärt, dies in mehreren Korrespondenzen mit den Eigentümern und den Ortschaftsräten erläutert zu haben, forderte Ortsvorsteher Udo Löschner Ende Dezember 2020 in einem Schreiben an alle Stadträte dazu auf, den politischen Bekenntnissen von einer familienfreundlichen Stadt Auerbach Taten folgen zu lassen. Die "Baulücke" sei "mit verhältnismäßig geringem bauplanerischem Aufwand" zu schließen, stellte Löschner darin fest. Der Begriff Baulücke sei unzutreffend, widersprach Zschiesche, der werde lediglich im Innenbereich verwendet. Löschner ging darauf nicht ein: "Wir möchten endlich wissen, wie der Stadtrat dazu steht", fragte er.

Die betroffene Familie selbst trat auch im jüngsten Ortschaftsrat nicht öffentlich in Erscheinung. Im Gegenzug meldete sich ein anderer Schnarrtanner Anwohner zu Wort, der ein ähnliches Problem in seiner Nachbarschaft ortet. Auch an der Vogelsgrüner Straße gebe es freie Flächen, die nicht bebaut werden dürften. Dort befinde sich eine 76 Meter breite sogenannte Luftschleuse, die im aktuellen Bebauungsplan als Grünland gekennzeichnet sei, erklärte er. Was das heiße, fragte sich der Mann, der gegenüber "Freie Presse" anonym bleiben wollte. Eine Antwort konnte auch Ortsvorsteher Udo Löschner (CDU) nicht geben. "Wir als Ortschaftsrat wollten schon vor Jahren von der Stadt wissen, was das eigentlich ist, eine Luftschleuse in einem Luftkurort."

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