29 Hausärzte fehlen im Vogtland: Lock-Prämie für neue Mediziner

Ende des Jahres schließt erneut eine Hausarztpraxis in der Region. Die Ärztin aus Neundorf geht in Ruhestand. Einen Nachfolger hat sie nicht gefunden. Damit ist sie leider kein Einzelfall.

Plauen.

Das große Rennen beginnt dieses Mal am Stadtrand von Plauen. Es trifft hunderte Frauen und Männer in Neundorf, die einen neuen Hausarzt brauchen. Dr. Barbara Breitbeck ist die einzige Allgemeinmedizinerin im Ortsteil. Zum Jahresende schließt sie ihre Praxis, weil sie niemanden gefunden hat, der sich auf ihren Stuhl setzen möchte. Keiner will Allgemeinarzt sein in Neundorf. Dabei zahlt der Freistaat inzwischen Prämien.

Wer sich im Vogtland als Hausarzt niederlässt, bekommt 60.000 Euro und die Garantie auf einen Mindestumsatz. Gefördert werden Praxisübernahme, Neuniederlassung sowie Anstellung eines Arztes, so Katharina Bachmann-Bux, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS). Diese Prämie hilft bedingt. Vogtlandweit nahmen sie in den vergangenen zwölf Monaten neun Ärzte in Anspruch, darunter in Auerbach, Oelsnitz und Plauen. Der Stadtteil Neundorf war für keinen der Ärzte eine Option.

"Die Leute rennen uns die Bude ein, weil die Praxis schließt", sagt Uwe Trillitzsch, Ortsvorsteher von Neundorf. Dabei kann er wenig ausrichten. Weder er noch die KVS können es jungen Medizinern vorschreiben, wo sie sich niederlassen. Eine weißer Fleck ist nicht nur Neundorf. Noch in dieser Woche will die KVS bekanntgeben, wo bis Jahresende weitere Praxen schließen. Die Versorgungslage sei im Direktionsbezirk Chemnitz ähnlich. Allein im Vogtland fehlen bereits jetzt 29 Hausärzte.

Schwierig ist aus Sicht der Kassenärzte-Vereinigung die Lage in Reichenbach. Die KVS führt eine Statistik, in der der Versorgungsgrad für jede Region steht. In Reichenbach liegt dieser bei 81 Prozent. Dazu kommt, dass Reichenbach landesweit mit die ältesten Hausärzte hat. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 58,3 Jahren und damit knapp sechs Jahre über dem Sachsen-Schnitt.

Die Jungen bleiben nach ihrem Studium in den Großstädten hängen. Den Studenten soll das Umland schmackhaft gemacht werden, indem sie ihre Praxis-Einheiten außerhalb von Dresden und Leipzig absolvieren. Dennoch müssen sich die Patienten im ländlichen Raum auf weitere Schließungen einstellen. Wer betroffen ist und einen neuen Allgemeinmediziner braucht, kann laut KVS-Sprecherin auf das Ärzte-Netzwerk hoffen. Üblich sei es, dass sich der bisherige Arzt unter seinen Kollegen umhört und seine Patienten übergibt. Die Kassenärztliche Vereinigung hat eine Hotline geschaltet, die Patienten bei der Suche unterstützt.

Der Neundorfer Ortschef Uwe Trillitzsch sieht die Entwicklung kritisch: "Die älteren Menschen brauchen einen Arzt, den sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können."


Wo die Hausärzte fehlen

Freie Hausarztstellen gliedert die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) im Vogtland in die Einheiten Auerbach, Oelsnitz, Plauen und Reichenbach. Hier fehlen Ärzte:

Plauen: 9

Auerbach: 9

Oelsnitz: 3

Reichenbach: 6,5

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