30 B-17-Bomber über Plauen: Das jähe Ende der Illusionen

Bomben auf Plauen Am 12. September 1944 gab es den ersten von 14 Luftangriffen. 130 Menschen fanden den Tod.

Plauen.

Die folgenlosen Überflüge alliierter Bombergeschwader, besonders seit dem Frühjahr 1944, schienen die trügerische Hoffnung zu bestätigen, Plauen bliebe von Angriffen aus der Luft verschont. Die in geschlossener Formation anfliegenden Maschinen wurden auch im Luftraum über Plauen von deutschen Jägern angegriffen, die ihrerseits von US-Begleitjägern sofort in Luftkämpfe verwickelt wurden.

Das Bordwaffenfeuer aus 8000 Meter Höhe war noch am Boden deutlich zu hören. "Manche griffen zum Fernglas, um vom Geschehen hoch über Plauen Einzelheiten zu erspähen", erinnert sich Rudolf Laser, einer der Autoren der Dokumentation "1944/1945 Plauen. Eine Stadt wird zerstört". Und weiter: "Man gab sich mutig gegenüber denen, die allein das monotone Dröhnen Hunderter Flugzeugmotoren verängstigt in die Keller trieb."


In den frühen Nachmittagsstunden des 12. September 1944, einem Dienstag, zogen sich wieder einmal die Überflüge bereits längere Zeit hin, als vom letzten aus westlicher Richtung kommenden Verband, etwa über Neundorf, ein größerer Pulk mit Südkurs zur Vogtländischen Maschinenfabrik hin schwenkte. Der Rest drehte nördlich ein über der Syratalbrücke und dem Stadtpark und flog den Oberen Bahnhof an. "Im blechernen Scheppern detonierender Bomben ging eine törichte Illusion jäh zu Ende."

Die meisten Opfer dieses ersten Angriffs kamen - sowohl in der Südvorstadt als auch im Bahnhofsgebiet - in ihren Wohnungen oder auf der Straße zu Tode. Die "Besichtigung" der verwüsteten Straßenzüge, nur anfänglich eine Art "Katastrophentourismus", wirkte auf die meisten Menschen deprimierend und ernüchternd. Viele sahen den 12. September als Menetekel für das, was auf die Plauener in Zukunft noch zukommen würde. Zweckoptimistische Gerüchte verstummten, machten Platz für düstere Voraussagen. Weit häufiger als vorher wurden jetzt die Schutzräume, die Felsenkeller und Stollen aufgesucht.

Der Angriff gegen Plauen erfolgte im Rahmen strategischer Operationen der 8. USAAF gegen die deutsche Ölindustrie, bei denen insgesamt 888 schwere Bomber und 662 Kampfflugzeuge zum Einsatz kamen. Die deutsche Luftwaffe bot gegen diese Streitmacht zwischen 400 und 450 Jäger auf. 35 Bomber und zwölf Begleitjäger gingen verloren.

Plauen, das von 30 "Fliegenden Festungen" bei passabler Bodensicht mit über 80 Tonnen Sprengbomben belegt wurde, war zu dieser Zeit als "Gelegenheitsziel" eingestuft, das im Falle widriger Sichtbedingungen über primären Zielgebieten - darunter die Ölraffinerien in Brüx (heute Most/Tschechien) und Ruhland in Südbrandenburg anzugreifen war.

Die Ergebnisse wurden von den Amerikanern als gering bis befriedigend bewertet. Die meisten Bomben waren weitab von den eigentlichen Zielpunkten Vomag und Oberer Bahnhof niedergegangen.


Datenblatt: Erster Angriff,12. September 1944

Wetter: Nordostwind, Stärke 3. Bewölkung 5/10, ein milder Herbsttag in Plauen, sonnig und leicht bewölkt.

Bomber: 30 B-17 "Flying Fortress" (Fliegende Festung) fliegen an. Sie gehören zur 8. USAAF, 1. Air Division (379., 381., 351. Bombergruppe). Bombenlast: 82,5 Tonnen. Bombentypen: 380 x 500 lb. GP (250 kg Allzwecksprengbomben).

Ziele: Plauen ist als T/O ("Target of Opportunity") eingestuft, ein Gelegenheitsziel. Zielverfahren: visuell, H2X-Bodenradar. Abwurfziele sind die Vogtländische Maschinenfabrik und Verkehrsanlagen am Oberen Bahnhof.

Abwurf- und Schadensgebiete: Südvorstadt, Reinsdorf, Bahnhofsvorstadt, Vomag-Stammwerk und westlich der Elster, Luisen-, Wieland-, Voß-, Schenkendorfstraße; Karola-, Wettinstraße; Schelling-, Hegel-, Oelsnitzer Straße, Straßberger Straße bis zur Elster; unbebautes Gelände südöstlich bis zur Südvorstadt.

Todesopfer: 130 Menschen, davon 71 männlich. Die meisten traf es in der Südvorstadt und im Gebiet östlich des Oberen Bahnhofes. (gern)

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