Ärger um Straße: In letzter Minute Baustopp

Die Strecke von Schneckengrün nach Mehltheuer sollte endlich eine Asphaltdecke bekommen. Doch im letzten Moment stoppte das Landratsamt das Vorhaben.

Rosenbach.

Das hatte sich Rosenbachs Bürgermeister Michael Frisch (parteilos) sicher anders vorgestellt. Die Schotterpiste zwischen Schneckengrün und Mehltheuer sollte endlich eine feste Asphaltdecke bekommen. Als es vom Land Sachsen dann auch Fördergeld dafür gab, rückten die Arbeiter im Juli an. Es wurde gebaut.

Soweit klingt alles nach einem normalen Straßenbau. Doch Bürgermeister Frisch hatte die Rechnung ohne das Landratsamt gemacht. "Besorgte Bürger", wie er es ausdrückt, hatten dort Beschwerde eingereicht. Der Grund: Naturschutz. "Bei dem Vorhaben handelt es sich um einen genehmigungspflichtigen Eingriff in die Natur und Landschaft", heißt es aus dem Landratsamt. Dieses sieht die Arbeiten als "grundhaften Ausbau" an - also eben nicht als eine einfache Reparatur der Straße.

Der Bauamtsleiter von Rosenbach, Luz Woratsch, sieht das anders. "Ich bin davon ausgegangen, dass das eine Reparatur ist", sagt er und fügt hinzu: "Das ist wohl Auslegungssache." Anlass des Baus war der Starkregen im Vorjahr. Dabei wurde die Schotterstrecke beschädigt. Der Asphalt sollte zum einen ausbessern, zum anderen solche Schäden in Zukunft verhindern.

Zwei Kilometer lang ist die Straße zwischen Schneckengrün und Mehltheuer. Insgesamt ein Kilometer davon sollte eine feste Decke bekommen. Zum einen aus Richtung Mehltheuer bis zumWasserhaus, zum anderen aus Richtung Schneckengrün bis zum Wald. Doch nachdem der Frostschutz aufgetragen wurde, mussten die Baufahrzeuge wieder abrücken. Ohne eine Genehmigung durch das Landratsamt geht der Bau nicht weiter - und dafür muss das Vorhaben laut Bürgermeister Frisch auf den Artenschutz hin geprüft werden. Dafür fehlt aber Zeit und Geld. Etwa 220.000 Euro sollte der gesamte Bau kosten, bis zu 90 Prozent davon werden vom Freistaat gefördert.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung erhitzte dieses Ärgernis die Gemüter. Gemeinderat Gerd Wunderlich (Freie Wähler) sieht die Schuld bei denen, die die Beschwerde eingereicht haben. "Das sind selbstherrliche Umweltfaschisten", wetterte er. Andere versuchten zu beschwichtigen. "Sich zu beschweren, ist das gute Recht der Bürger", mahnte Norbert Bähren (Liste Rodauer Vereine). Bürgermeister Frisch fasste sich dagegen an die eigene Nase: "Wir hätten das anders angehen müssen. Jetzt gilt es, zumindest den aktuellen Zustand gut zu erhalten." Dafür soll der Weg nach der Freigabe für Lastwagen über 7,5 Tonnen gesperrt werden.

Ursprünglich sollte die Straße am 11. Oktober freigegeben werden. Der neue Termin liegt jetzt beim 18. November. Bis dahin soll zumindest ein Festiger aufgetragen werden. Aktuell liegt der Frostschutz frei auf der Straßendecke. Ohne Befestigung löst sich dieser schnell wieder ab. Schon jetzt sind deutlich Fahrrillen zu erkennen - obwohl die Straße für den Verkehr noch gesperrt ist. Schuld seien besonders Pilzsammler, die mit ihren Autos bis in den Wald fahren. Dafür würde es aber Strafzettel geben, sagte Michael Frisch im Gemeinderat.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Tauchsieder
    25.10.2019

    Was soll man von so einer Aussage eines Bauamtsleiters halt, wahrscheinlich gar nichts. Ein Fortbildungslehrgang, wo man ihm bei bringt was der Unterschied zwischen einer Straßenreparatur und einem grundhaften Ausbau bedeutet, wäre hier unbedingt zu empfehlen. Zum Glück gibt es diese, wie im Artikel bezeichnet, "Umweltfaschisten". Sie halten der Verwaltung den Spiegel vors Gesicht.
    Gerade im Vogtlandkreis und dessen Kommunen müssten doch alle Alarmglocken angehen, wenn eine Baumaßnahme in einem Schutzgebiet ansteht. Ist doch erst vor fast genau einem Jahr das Landratsamt grandios vorm OVG Bautzen mit einer Baumaßnahme in einem FFH-Gebiet gescheitert. Nichts anderes ist zwischen Schneckengrün und Mehltheuer. Dort befindet sich der größte Teil der geplanten Baumaßnahme auch in einem europaweit geschützten Gebiet.
    Aktuell das Problem mit der Gemeinde Oberwiesental und dem NABU, jetzt hier Schneckengrün. Es stellt sich einem unwillkürlich die Frage, ob die Bauämter und Naturschutzbehörden im Freistaat eine Wissenslücke bezüglich des Umgangs und vor allem der Umsetzung mit den Naturschutzgesetzen haben. Ein erschreckendes Bild zeigt hier wieder einmal die UNB des Vogtlandkreises. Sie hätte im Vorfeld dieser Baumaßnahme sofort einschreiten und die Gemeinde vor einem Fehler warnen müssen. Diese Aufgabe haben halt dann die angeblich besorgten Bürger übernommen.



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