Bad schließt trotz Affenhitze: Protest

So schön war es den ganzen Sommer nicht, und trotzdem schließt das "Naddel" heute. Ein Badegast hängt Trauerflor auf.

Plauen.

Die ganze Woche soll heiß bleiben, viele Freibäder in Sachsen verlängern deshalb ihre Saison. Darauf hat auch Hans-Jürgen Meinel gehofft. Er ist seit 73 Jahren im "Naddel" in Preißelpöhl Stammgast. Gestern hat er Trauerflor an den Eingang gehängt, weil das Bad trotz Affenhitze in die Winterpause geht.

Die Bädergesellschaft der Stadt ist ihm zu stur und zu unflexibel. "Das ist saudoof, das Bad jetzt zu schließen. Typisch für unsere Verwaltung", sagt der Rentner. Nur das Freibad in Haselbrunn soll bis Freitag offen bleiben, doch das sei den "Naddel"-Stammgästen zu groß. Aus organisatorischen Gründen schließe das "Naddel", begründete die Stadt vergangene Woche. Rentner Hans-Jürgen Meinel will das nicht stillschweigend hinnehmen. Am Wochenende schickte er dem zuständigen Bürgermeister Steffen Zenner per E-Mail eine Beschwerde. Im Bad sammelte er gestern Unterschriften gegen die Schließung trotz 30 Grad und Hitzeplan in den Schulen. Die Unterschriftenliste will er heute ins Rathaus bringen. Viele Badegäste klopften dem rüstigen Rentner anerkennend auf die Schulter.

"Vergangenes Jahr war es genauso. Alle anderen Bäder im Vogtland hatten auf", sagt Meinel. Gestern sonnten sich mehrere hundert Besucher in seinem Lieblingsbad - und heute am ersten Schließtag soll es noch wärmer werden. "Da greifen wir Badefreunde uns an den Kopf", sagt der Rentner. Er hofft nun auf eine Eilentscheidung ohne heiße Debatte.


Kommentar: Winterpause bei 30 Grad

Hut ab, Herr Meinel! Der Renter aus Plauen grummelt nicht nur in den Bart hinein, sondern er geigt der städtischen Freibad-Spitze die Meinung. Mitten in der größten Hitze schließt sie das Freibad Preißelpöhl. Winterpause bei 30 Grad im Schatten. Aus organisatorischen Gründen. Ganz bestimmt gibt es organisatorische Gründe. Auf dem Kalender steht eben schon der 12. September.

Was Rentner Meinel vermisst, ist der kommunale Wille, den Plauenern einen Gefallen zu tun. Die Stadt hat zwei Freibäder, und in eines davon darf man ja noch bis Freitag hüpfen. Ist Rentner Meinel jetzt unflexibel, nur weil er auf sein Stammbad beharrt? Nein, er ist ein ganz normaler Mensch mit Gewohnheiten - so wie die anderen "Naddel"-Gänger auch.

Die Verwaltung hätte zeigen können, wie flexibel, modern und bürgernah sie ist. Sie hätte sich mit den Freibad-Fans über die paar schönen Bonus-Sommertage freuen können.

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